Die Reisen des jungen Che

Kinoplakat Reisen des jungen Che

Der Name Che Guevara ist untrennbar mit dem Mythos des kubanischen Freiheitskämpfers verbunden. Der Film nutzt seine Bekanntheit, ohne ein Porträt des Menschen zu zeichnen, denn es handelt sich nicht um eine filmische Biografie, sondern um die Selbstfindung des späteren Helden.

1952 unternehmen die Freunde Ernesto Guevara (Gael Garcia Bernal) und Alberto Granado (Rodrigo de la Serna) eine neunmonatige Reise durch Lateinamerika. Ihr fahrbarer Untersatz ist ein altes Motorrad der Marke Norton-500; es verliert ständig Öl und gibt später ganz den Geist auf. So abwechslungsreich und gegensätzlich wie die Landschaften sind die Menschen und ihre Schicksale, die sie erleben. Angefangen bei der reichen Familie von Ernestos Freundin bis hin zu Begegnungen mit Wanderarbeitern, die nicht mehr besitzen, als das, was sie am Leib tragen. Auffällig dabei ist, Armut und Ungerechtigkeit gehen Hand in Hand. Bauern, die sowieso nur wenig besaßen, wird selbst das kleinste Feld noch weggenommen. Angesichts dieser Impressionen kippt die Tour langsam vom Vergnügen zur Selbstfindung. Den einschneidenden Punkt stellt der Aufenthalt auf einer Leprastation dar. Statt Nächstenliebe herrschen die Nonnen dort mit Unerbittlichkeit. Nach der Regel, alles muss verdient werden, bekommen nur diejenigen Nahrung, die auch den Gottesdienst besuchen.

Kritik

"Die Reisen des jungen Che" versucht zu verdeutlichen, welche Erlebnisse aus einem jungen Mann aus gutbürgerlichen Verhältnissen einen Revolutionsführer werden ließen. Die anfangs lose Handlung verdichtet sich zum Ende hin, verlegt den Schwerpunkt vom Reise-Erlebnis zur Selbstfindung. Sie werden Zeuge von Ernestos Sinneseindrücken, die er in Briefen an seine Mutter schildert. Von Armut und Verzweiflung ist die Rede sowie von Ungerechtigkeit und unglaublicher landschaftlicher Schönheit. Die Erzählungen klingen in der deutschen Fassung gestelzt, was durchaus an der Übersetzung liegen mag; allerdings ist die gesamte Synchronisation wenig gelungen.

Für den notwendigen Kontrast sorgt Freund Alberto. Das Schlitzohr flirtet gerne mit Frauen, sorgt somit für gewisse Vergünstigungen und macht aus der Wahrheit manchmal eine Halbwahrheit, insofern es zum eigenen Vorteil gereicht. Ernesto dagegen ist der ausgesprochene Gutmensch, der lieber jemanden vor den Kopf stößt, anstatt aus Höflichkeit zu lügen. Stellenweise rutscht der Film dabei in die Unglaubwürdigkeit. Etwa dann, wenn er innerhalb kurzer Zeit die verkrusteten Mechanismen der Leprastation aufbricht.
Dies ist nicht der einzige unrunde Punkt des Films. Über der gesamten Handlung liegt der Eindruck, dass die Dinge zu glatt ablaufen. Die Konflikte wirken simpel konstruiert. Dazu passt auch, die fehlende Konsequenz des Ganzen, denn den entscheidenden Schritt, in dem aus Ernesto Che wird, erleben Sie nicht.
Obwohl das Drehbuch auf den Tagebüchern Che Guevaras fußt, könnte der Film genauso gut die Reise zweier Unbekannter schildern. Müsste dann aber auf den werbeträchtigen Promibonus verzichten. So gesehen fällt der englische Titel mit "The Motorcycle Diaries" wesentlich ehrlicher aus, als der deutsche.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Diarios de motocicleta
Englischer Filmtitel: The Motorcycle Diaries
Land: ArgentinienDeutschlandGroßbritannienUSA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 126
Genre: AbenteuerDrama
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 28.10.2004
Heimkino: 19.05.2005

Regie: Walter Salles
Drehbuch: Jose Rivera
Literaturvorlage: Ernesto Guevara • Alberto Granado

Schauspieler: Gael García Bernal (Ernesto Guevara) • Rodrigo de la Serna (Alberto Granado) • Mia Maestro (Chichina Ferreira) • Mercedes Morán (Celia de la Serna) • Jean-Pierre Noher (Ernesto Guevara Lynch) • Lucas Oro (Roberto Guevara) • Marina Glezer (Celita Guevara) • Sofía Bertolotto (Ana María Guevara) • Franco Solazzi (Juan Martín Guevara) • Ricardo Diaz Mourelle (Jorge) • Sergio Boris (Reisender) • Daniel Kargieman (Reisender) • Diego Giorzi (Rodolfo)

Produktion: Michael Nozik • Edgard Tenenbaum • Karen Tenkhoff
Szenenbild: Carlos Conti
Kostümbild: Beatriz De Benedetto • Marisa Urruti
Maskenbild: Katerine Astete
Kamera: Eric Gautier
Musik: Gustavo Santaolalla
Schnitt: Daniel Rezende


Bilder: Constantin Film

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