Ein Münchner im Himmel

Kinoplakat Ein Münchner im Himmel

Wiggerl ist ein Hallodri. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Taxifahrer und Kurier für den halbseidenen Parkplatz Pauli. Der jüngste Auftrag lässt Wiggerl durch den Englischen Garten spurten, was ihn an dem vorbeiführt, was für den Englischen Garten typisch ist. Der Monopteros, die Eisbachwelle und die Nackerten. Wobei Letztgenannte auffällig alt und wampert (dick) sind.

Selbstverständlich hat Wiggerl den Geburtstag seiner Tochter Toni vergessen. Das zu überspielen gelingt dem Windhund nur bedingt und endet mit einem Unfall. Während sein Körper anschließend im Koma liegt, ist Wiggerls Seele hellwach, steigt in den Himmel auf und wieder auf die Erde hinab. Er hat zwar einen konkreten Auftrag, doch den vergisst Wiggerl rasch, denn er tritt in die alten Fußstapfen. Heißt: Wiggerl versucht, die gröbsten Schnitzer seines Lebens zu korrigieren. Dabei soll ihm ausgerechnet seine vernachlässigte Tochter Toni helfen.

Kritik

Mit Ludwig Thomas Satire "Der Münchner im Himmel" hat "Ein Münchner im Himmel – Der Tod ist erst der Anfang" nur Versatzstücke gemein. Maximilian Brückner als Wiggerl frohlockt kurzfristig im Himmel. Nachfolgend geht er seine eigenen Wege. Die dramaturgische Struktur der jetzigen Produktion ist klassisch: Der Schelm erhält eine zweite Chance, verpatzt die Kehrtwende und geht (nur) geläutert aus der Affäre hervor.
Umgesetzt wird die Idee als dramatische Komödie, die nostalgisch ausfallen soll, aber veraltet ist. Die Witze sind altgedient. Bayerische Fremdenführerinnen radebrechen Englisch. Es herrscht Fachkräftemangel und der Himmel ist neuerdings vegan. Schrecklich ausgedacht ist die Idee des Multi-Kulti-Himmels. Petrus hat einen österreichischen Akzent und die Göttin einen norddeutschen. Einer Tätigkeit geht im Himmel niemand nach. Die Engel sind trans und stehen als lebende Deko da. Die Göttin selbst spielt Harfe. Weil das Thema Tod eine entscheidende Rolle spielt, will die Witwe auf der Trauerfeier nicht "ewig" reden. Auch lustig der Ausspruch: "Nur über meine Leiche!" Weil wir schon dabei sind, versucht jemand, das Rauchen aufzugeben. Ja, rauchen kann tödlich sein … Haha.

Der Spezialeffekt des Films, dass Wiggerl unsichtbar ist und nur zwei Menschen ihn sehen können und ein Hund, wird überstrapaziert. In einer lustigen Szene wird der unsichtbare Wiggerl von einem Amok laufenden Zamperl verfolgt. Wie zuvor erwähnt: Der Köter kann Wiggerl sehen, das Herrchen nicht. Das ist urkomisch, weil das Herrchen der grimassierende Sigi Zimmerschied ist, der sein Gesicht beiträgt. Ähnliches gilt für Ina Müller, deren Herummaulen nicht im Ansatz an Schauspiel erinnert.

Insgesamt macht es den Eindruck, dass die Kreativen schlecht geführt worden sind. Die Personen kommen ohne Motivation ins Bild, und folgen offensichtlich Regieanweisungen. Hannah Herzsprung spielt lahm. Michaela May gibt sich keine Mühe, und Heiner Lauterbach ist fehlbesetzt. Maximilian Brückner trägt die Hauptrolle nicht und ist eine eigenartige Besetzung. Er spielt eine Figur, die liebenswert sein müsste, damit die Komödie funktioniert. Doch Wiggerl zieht die Sympathien nicht auf sich. Vielmehr ist die Figur schleierhaft. Das betrifft auch die Ausstaffierung: Eine Uniformjacke mit einer Krachledernen zu kombinieren und barfuß herumzulaufen, ist nicht von Haus aus lustig. So altbekannt wie grauenvoll ist die Idee, Rollen mit prominenten Gesichtern zu besetzen, unabhängig von Talent. Die Besetzung der Nebenrollen soll lustig sein – ist es jedoch nicht. Der gesprochene Dialekt ist weder Münchner Bayerisch noch Hochdeutsch. Es wurden mundartliche Begriffe eingeflochten, die der Zusammenhang erklärt.

Fazit
"Ein Münchner im Himmel" scheitert als dramatische Komödie am Drehbuch, der Besetzung und der Regie. Schade, denn die Idee, einen liebenswerten Ganoven auftreten zu lassen, hätte funktionieren können.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Alternativtitel: Ein Münchner im Himmel – Der Tod ist erst der Anfang
Land: Deutschland
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 94
Genre: Drama • Komödie

Verleih: Leonine
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 14.05.2026

Regie: David Dietl
Drehbuch: Marcus Pfeiffer

Schauspieler: Maximilian Brückner (Wiggerl) • Momo Beier (Toni) • Hannah Herzsprung (Kathi Brunner) • Michaela May (Rosi) • Heiner Lauterbach (Carl) • Marcel Mohab (Lucky) • Simon Pearce (Klausi) • Sigi Zimmerschied (Parkplatz Pauli) • Maximilian Schafroth (Lehrer Rehm) • Robert Palfrader (Petrus) • Ina Müller (Göttin) • Olli Schulz (Schutzengel Roxy) • Yasmin Ott (Lady) • Franz-Xaver Zeller (Berti) • Safira Robens (Lena) • Leopold Hornung (Matthias Schmidt) • Hakon Hirzenberger (Arzt Wiggerl) • Trixi Strobel (Eva) • Georg Grigorian (Pokerspieler) • Stefanie Lehrmayer (Polizistin)

Produktion: Marcus Welke • Quirin Berg • Max Wiedemann
Szenenbild: Theresia Anna Ficus
Kostümbild: Veronika Albert
Maskenbild: Michaela Payer • Tatjana Krauskopf
Kamera: Holly Fink
Ton: Max Vornehm
Musik: Michael Kamm
Schnitt: Denis Bachter

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Bild: Leonine

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