Der Frosch und das Wasser

Kinoplakat Der Frosch und das Wasser

Männerfreundschaften sind für Außenstehende zumindest im Kino bevorzugt ein Mysterium, bei dem es nicht immer ersichtlich ist, was zwei Menschen zusammenschweißt. Das Drama erweitert die Thematik mit Völkerverständigung.

Der Deutsche Buschi erinnert den Japaner Hideo an seinen Bruder. Während Buschi in Hideo einen Freund findet, der ähnlich schweigsam durchs Leben geht wie er selbst. Damit die zwei zusammentreffen, bedarf es eines Zufalls. Buschi lebt in Köln in einer Wohngemeinschaft für behinderte Menschen. Hideo ist im Auftrag seiner Mutter nach Deutschland gekommen und besucht mit einer Reisegruppe die Stadt. Buschi nutzt die Gelegenheit und wird Teil der japanischen Reisegruppe. Er folgt Hideo auf Schritt und Tritt, der den schweigsamen, jungen Mann gewähren lässt. Verfolgt wird Buschi von seiner Betreuerin Nicole, die versucht, den Ausreißer wieder nach Köln zu holen.

Kritik

Das Roadmovie über zwei ungleiche Freunde ist die Schilderung einer ungewöhnlichen Freundschaft. Es bedarf allerdings sehr viel Nachsicht, über die Naivität, Unglaubwürdigkeit und fehlende Motivationen hinwegzusehen. Das beginnt bei den Hauptpersonen, deren Motivation im Dunkeln bleibt. Aus welchem Grund Hideo Buschi als Begleiter akzeptiert, erzählt er gegen Filmende der Mutter. Bis dahin bleibt sein Auftreten ein Rätsel. Offen bleibt, warum er die Reisegruppe verlässt und später wieder zu ihr stößt.
Unglaubwürdig, wie wenig pragmatisch Buschis Betreuerin Nicole handelt. Sie sieht, dass ihr Schützling in einem Reisebus davonfährt. Kontaktiert weder den Reiseveranstalter, dessen Name in riesigen Lettern auf dem Bus prangt, noch die Polizei. Stattdessen nimmt sie die Verfolgung auf, steigt ins Taxi und fährt von Köln nach Weimar. Später hat sie aus ihren Fehlern nichts gelernt und gibt Buschi eine weitere Möglichkeit zur Flucht. Und Überraschung: Der fällt in bewährte Muster zurück und ist nach dem Frühstück wieder ausgeflogen. Mit ihrem haarsträubenden Auftreten steht die Betreuerin nicht allein da. Die Polizei am Zürcher Flughafen bekommt einen japanischen Pass vorgelegt und glaubt, dass Buschi ein Japaner ist.

Überzeugende darstellerische Leistungen bietet der Film nicht. Hideo versteckt einen Großteil seines Gesichts hinter einer gigantischen, dunklen Sonnenbrille und spricht nur das Notwendigste. Auch Buschis Gesicht (Aladdin Detlefsen) zeigt kaum Nuancen. Buschi kann sprechen, spricht aber prinzipiell nicht. Sagt nur ein Wort, was der Film als kleinen Höhepunkt verkauft. Die Männer üben sich in Schweigen. Den Gegenpart bildet die japanische Reisegruppe. Die in Japanisch (mit deutschen Untertiteln) höfliche Phrasen austauschen. Fraglich ist, ob Bettina Stucky als Nicole Schierloh und Cornelius Schwalm als Herr Auskamp ihre Rollen absichtlich so laienhaft spielen.

Ein weiteres tragendes Element des Films ist der Zufall. Zufällig kommt die Betreuerin abermals einen Moment zu spät, Buschi ist gerade entwischt. Buschi gelingt es, unbegleitet von Weimar nach Zürich zu reisen. Dort wird er von Hideo gesucht, der nur wenige Minuten durch die Stadt laufen muss, um Buschi in Zürich aufzuspüren. Vor dem Abflug trägt Buschi am Zürcher Flughafen grüne Socken ohne Schuhe. In Japan hat er weiße Strümpfe und weiße Sportschuhe an den Füßen.

Die Möglichkeiten, die das Roadmovie eröffnet, verschenkt die Produktion. Die Reise durch Deutschland und die Schweiz klappert die zu erwartenden Sehenswürdigkeiten ab. Aufgesetzt ist die Idee mit dem Formatwechsel. Der Film beginnt in einer Projektion im Guckkastenformat und zieht dann, während die Männer die Freiheit entdecken, auf die ganze Leinwandbreite auf. Später, wenn es dramatisch wird, engt das Format wieder ein. Unpassend gewählt und dröhnend eingesetzt scheint die Filmmusik, die von Genre zu Genre springt.

Fazit
"Der Frosch und das Wasser" schildert naiv und ungelenk die Entstehung einer Männerfreundschaft. Was in anderen Filmen eine Episode darstellt, dehnt man hier auf Filmlänge. Eigenwillig: Im Mittelpunkt stehen zwei Männer, die sich aus unterschiedlichen Gründen dem Ausdruck verweigern.
Es heißt, das Wasser ziehe autistische Menschen an. Autismus und Trisomie schließen einander nicht aus. Ob beides auf die Rolle des Buschi zutrifft, arbeitet der Film nicht heraus. Das Thema "Wasser" tritt im Film in unterschiedlichen Ausprägungen auf, im eigenartigsten Fall als Badewasser des Reiseführers.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 20 %


Land: Deutschland • Schweiz
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 113
Genre: Drama • Roadmovie

Verleih: Pandora Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 30.04.2026

Regie: Thomas Stuber
Drehbuch: Gotthart Kuppel

Schauspieler: Aladdin Detlefsen (Stefan Busch) • Kanji Tsuda (Hideo Kitamura) • Bettina Stucky (Nicole Schierloh) • Meltem Kaptan • Yuki Iwamoto (Yamamoto) • Cornelius Schwalm (Herr Auskamp) • Ikko Masuda (Herr Okano) • Gen Seto • Katja Preuß (Bedienung) • Sophie Lutz (Maren Müller) • Mido Kotaini • Neele Buchholz (Caro) • Sachiko Hara (Frau Tokado) • Annika Sala Hulshof (Sängerin) • Laura-Florence Jerke (Rezeptionistin) • Ludwig Waldmüller (Schwimmer)

Produktion: Christoph Friedel • Claudia Steffen
Szenenbild: Jenny Roesler
Kostümbild: Stephanie Fürst • Katharina Schnelting
Maskenbild: Julia Teuchert • Miriam Blank • Astrid Mariaschk
Kamera: Filip Zumbrunn
Ton: Balthasar Jucker
Schnitt: Kaya Inan

Anzeige

Kinoplakat Der Frosch und das Wasser Film kaufen bei Amazon.de
Als Amazon-Partner verdient Moviewolf.de an qualifizierten Verkäufen.

Bild: Pandora Filmverleih

All reviews
Mangelhaft
Show more
Wir benutzen Cookies
Wir nutzen Cookies und Skripte. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.