Eden

Kinoplakat Eden

Ein kleiner, altmodischer Kurort im Schwarzwald. Hier hat der dicke Meisterkoch Gregor sein winziges, aber außergewöhnliches Feinschmecker-Restaurant. Gregor ist Koch aus Berufung, er kocht immer, ob im Restaurant oder zu Hause. Und wenn er gerade nicht kocht, beobachtet er gerne Frauen. Vor allen Dingen die attraktive Kellnerin Eden im Gartencafé, die ihn immer bedient.

Der Film "Eden" ist eine bittersüße Romanze von Drehbuchautor und Regisseur Michael Hofmann. Gregor (tragischer Dicker: Joseph Ostendorf) hat von klein auf zwei Wünsche: Er möchte einen großen dicken Bauch wie den seiner Mutter, als sie seine Schwester bekam, und er möchte Koch werden. Beide Wünsche gehen in Erfüllung. Der große dicke Meisterkoch betreibt in einem verschlafenen Kurort im Schwarzwald sein kleines aber feines Restaurant. Die wenigen Tische sind immer schon auf ein halbes Jahr ausgebucht. Gregor kocht nicht nur im Restaurant, sondern auch zu Hause, wo er sich die ungewöhnlichsten Rezepte ausdenkt und schon mal mit der Ente, die er gerade rupft, eine einseitige Unterhaltung führt und ihr erklärt, wie er sie zubereiten wird.

Wenn Gregor nicht kocht, beobachtet der 137 Kilo Mann gerne Frauen. Besonders gerne die hübsche schlanke Kellnerin Eden (gelungenes Schauspieldebüt der VIVA-Moderatorin Charlotte Roche), die ihn immer im Gartencafé bedient. Als er sie vor möglichen Zechprellern warnt, gibt sie ihm eine schnippische Antwort. Als die vier Jugendlichen tatsächlich ohne zu zahlen abhauen, kommen die beiden ins Gespräch. Stotternd und wenig diplomatisch erklärt Gregor dann der verdutzten Eden, wie einfallslos und unvorteilhaft ihre Kellnerinnenkleidung ist, wie unansehnlich ihre Frisur, und dass sie nach altem Kaffee und fadem Kuchen riecht. Eden ist darüber nicht gerade begeistert.

Dieser Misston zwischen den beiden gibt sich erst wieder, als Gregor im Park sitzt und ein Buch liest. Er sitzt neben dem Brunnen und beobachtet, wie ein kleines Mädchen (niedlich: Leonie Stepp) unbeaufsichtigt darauf herumturnt und fast hineinfällt. Er kümmert sich um die Kleine und bringt sie zu ihrer Mutter, die auf der Wiese eingeschlafen war und gar nicht bemerkte, dass ihre kleine Tochter sich selbstständig gemacht hatte. Die Mutter ist Eden. Jetzt kommen die beiden wirklich ins Gespräch und Eden erzählt Gregor, dass Leonie, ihre kleine Tochter, die unter dem Down-Syndrom leidet, am nächsten Tag ihren fünften Geburtstag hat. Daraufhin taucht Gregor am nächsten Tag mit einem gewaltigen Geschenkpaket bei Eden auf. Leonie öffnet es und findet einen appetitlichen Schokoladenkuchen mit Pralinenverzierung. Eden informiert Gregor, dass sich Leonie nichts aus Schokolade machen würde – aber das Kind straft seine Mutter Lügen. Wie verzückt stopft es sich eine Praline nach der anderen in den Schokoladen verschmierten Mund. Eden versucht Leonie zu stoppen, das gelingt ihr aber nur mit Gewalt, worauf sich ihre Tochter schreiend auf den Boden wirft. Die Eltern und Schwiegereltern, die gerade zum Feiern kommen, halten Gregor für den Bösewicht und werfen ihn hochkant raus. Eden probiert die letzte Praline und weiß sofort, warum ihr Kind so süchtig danach war, und so geschrien hat, als sie ihr die Torte wegnahm: Leonie war mit Hilfe dieser Pralinen sozusagen im Paradies – und wollte daraus nicht mehr weg!

Nachts im Bett versucht sie ihrem Ehemann Xaver (eifersüchtiger Loser: Devid Striesow, bekannt aus "Der Untergang") den unvergleichlichen Geschmack dieser Wunder-Pralinen zu schildern. Doch der schläft einfach ein. Schließlich ist sein Job als Schwimm- und Tanzlehrer für Senioren auch ziemlich anstrengend, die Ausbildung zum Anwalt hat er nämlich nicht geschafft.

Eden lassen die Pralinen keine Ruhe, und so macht sie sich noch in dieser Nacht auf den Weg zu Gregor. Durch strömenden Regen radelt sie zu ihm und bittet ihn um weitere Pralinen. Doch Gregor lehnt ab: "Das waren Unikate, die kann man nicht wiederholen." Wie üblich ist Gregor am Kochen und es duftet so wundervoll, dass Eden um eine Kostprobe bittet, obwohl Gregor behauptet, dass das Gericht noch gar nicht fertig sei. Doch er lässt sich erweichen, serviert ihr einen Teller voll und teilt ihr mit, dass er jetzt in den Weinkeller gehe und wenn er zurückkäme, müsste sie verschwunden sein. Doch Eden ist von Gregors Kochkunst so begeistert, dass sie sich wie besessen alles in den Mund stopft und, von Gregor heimlich beobachtet, die ganzen Töpfe leer ist. Dann eilt sie nach Hause.

Doch diese unvergleichlichen Gaumenfreuden lassen Eden nicht los. Wieder geht sie zu Gregor und nimmt dieses Mal Leonie mit. Das kleine Mädchen, das genauso gierig Gregors kulinarische Kompositionen in sich hineinstopft wie die Mutter – vor allen Dingen die Schokoladen-Cola-Sauce – bricht den Bann. Und künftig besucht Eden jeden Dienstagabend den Meisterkoch, der sich für sie jedes Mal neue exquisite Gaumenfreuden ausdenkt. Es muss der Dienstagabend sein, denn an diesem Abend hat ihr Mann Xaver seinen Stammtisch. Sagt er. Doch Eden weiß längst, dass er immer am Dienstag mit seinen Freunden in ein Striplokal geht, doch darüber regt sie sich nicht auf. Wenn es ihm gefällt!

Allmählich partizipiert auch Xaver – ohne es zu wissen – von Edens Besuchen bei Gregor. Sie fängt nämlich an, ebenfalls ungewöhnliche Rezepte auszuprobieren. Xaver ist davon sehr angetan, und von seiner plötzlich wieder sehr glücklichen und entspannten Frau, die wieder ein eindeutiges Interesse an ihm hat.

Doch der Ort ist klein, und die Neugier der Nachbarn ist groß, und deren Zunge böse. Irgendwann erfährt Xaver, was seine Frau jeden Dienstagabend macht. Jetzt ist er neugierig, jetzt will er wissen, was sie an dem Fettsack von Koch findet. Mithilfe seines Stammtischbruders von der Polizei gelingt es ihm einen Platz in Gregors Lokal zu bekommen. Und nach dem Genuss des 300 Euro Menüs wird ihm klar, was Eden an Gregor so schätzt. Und jetzt wird er auch eifersüchtig, denn die bösen Zungen schweigen nicht, und sogar seine Stammtischbrüder machen sich über ihn lustig: "Die Eden wollte keinen Mongo mehr, es muss ein neuer Liebhaber her!" Da macht ihm Eden die freudige Mitteilung, dass sie wieder schwanger ist! Natürlich zerreißen sich alle das Maul darüber, wer da wohl der Vater ist. Nach einer heftigen Prügelei mit seinen ehemaligen Freunden sucht Xaver Gregor heim. Er zertrümmert seinen wertvollen Weinkeller und fordert ihn unmissverständlich auf, sofort den Ort zu verlassen, sonst würde es ihm schlecht ergehen. Doch Gregor will nicht gehen, ohne sich von Eden zu verabschieden, und da rastet Xaver vollends aus.

Kritik

Um es gleich vorwegzusagen: Im Grunde genommen ist "Eden" eigentlich ein Fernsehfilm. Aber ein durchaus gelungener, der auch auf der großen Leinwand etwas hermacht. Das liegt zum einen an den Darstellern, die ihre nicht ganz einfachen Rollen so echt und unverfälscht herüberbringen, dass einem die bittersüße und platonische Liebesgeschichte richtig zu Herzen geht. Und zum anderen liegt es an der Geschichte selbst, die ebenfalls so echt und realistisch daher kommt, dass man sich richtig hineinversetzen kann. Lediglich der Schluss ist mehr als nur unlogisch und ziemlich albern. Schade, der Film hätte Besseres verdient.

Natürlich ist die Story nicht neu. Filme über die Tatsache, dass Liebe durch den Magen geht, gibt es viele. Ich erinnere nur an das höchst erotische "Woman On Top" oder die köstliche Roald Dahl Geschichte "Die Spezialität des Hauses", um nur zwei zu nennen. Aber die Paarung dicker, asexueller Koch und verheiratete Frau, die nach seinen Gerichten süchtig ist, ist schon etwas ungewöhnlich. Und ungewöhnlich stellt Josef Ostendorf auch seinen Meisterkoch dar: der wütet manchmal geradezu in seiner Küche, wirft die Zutaten schwungvoll herum, schmiert sich die Saucen ins Gesicht, spricht liebevoll mit dem toten Geflügel und streichelt zärtlich die ausgenommenen Fische. So hat der Film nicht nur seine berührenden, sondern auch seine ausgesprochen komischen Szenen. Als Eden nicht kommt, weil ihr eifersüchtiger Ehemann sie zu einem Kurzurlaub nach Paris entführt in der Hoffnung, dass sie dann Gregor vergisst, serviert Gregor in seiner Einsamkeit dem Nachbarhund, der auch schon süchtig ist nach den Gerichten des Meisterkochs, seine neuesten Kreationen. Und er serviert sie ganz stilvoll: auf feinem Porzellan, mit Stoffserviette. Der Hund sitzt manierlich auf dem Stuhl und frisst sich genussvoll durch ein Mehrgängemenue – und ganz ohne zu kleckern. Oder wenn Xaver seinem Seniorentanzkurs einen neuen Tanz beibringen will und dabei mit Argusaugen beobachtet, wie Gregor und Eden im Park spazieren gehen. Er fordert daraufhin die Kapelle auf, schneller zu spielen und ist so auf das Paar konzentriert, dass er gar nicht merkt, wie seine Senioren durcheinander kommen.

Fazit
Der Film "Eden" ist ein größtenteils gelungener kleiner Film über eine ungewöhnliche kulinarische Liebe. 103 unterhaltsame Minuten für Liebhaber des "Kleinen Fernsehspiels".
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 60 %


Land: DeutschlandSchweiz
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 103
Genre: DramaRomantik
Verleih: Pandora Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 23.11.2006
Heimkino: 02.05.2008

Regie: Michael Hofmann
Drehbuch: Michael Hofmann

Schauspieler: Josef Ostendorf (Gregor) • Wioletta Breskic (Gregors Mutter) • Jonas Laiblien (Gregor 5 Jahre) • Phillip Klinkner (Gregor 12 Jahre) • Robert Foster (Gregor 16 Jahre) • Charlotte Roche (Eden Drebb) • Uta Zech (Edens Kollegin) • Devid Striesow (Xaver Drebb) • Leonie Stepp (Leonie Drebb) • Manfred Zapatka (Vater Xaver) • Hildegard Kuhlenberg (Mutter Xaver) • Elfriede Irrall (Gregors Nachbarin)

Produktion: Michael Jungfleisch
Szenenbild: Jörg Prinz
Kostümbild: Carol Luchetta
Maskenbild: Jeanette Kellermann • Kathi Kullack • Oliver Tilly
Kamera: Jutta Pohlmann
Musik: Christoph Kaiser • Julian Maas
Schnitt: Isabel Meier • Bernhard Wießner


Bild: Pandora Filmverleih

1 customer review

befriedigend
23.11.06
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