Gefühlt Mitte Zwanzig

Kinoplakat Gefühlt Mitte Zwanzig

Eine Mischung aus Drama und Komödie über einen schwierigen Wegpunkt im menschlichen Leben. Die Midlife-Crisis ist für viele Menschen eine harte Nuss und nicht selten geht sie mit Wehklagen und Trauer über Vergangenes einher. Manche Chancen sind vertan. Und das Leben mit Mitte zwanzig scheint im Rückblick das bessere gewesen zu sein.

Cornelia (Naomi Watts) und Josh (Ben Stiller) sind an dem genannten Punkt im Leben angekommen, an dem es nicht mehr so recht vorangeht. Da erscheint die Gelegenheit mit einem jungen Paar Freundschaft zu schließen wie ein Rettungsanker. Man wird wieder aktiver, denkt anders und übernimmt die Meinungen der jungen Leute. Die Freundschaft zu dem Ehepaar gleichen Alters schläft ein, denn den Jungen fühlt man sich einfach näher.
Und zufällig hat das junge Paar dieselben Interessen wie das gut situierte Paar. Jamie (Adam Driver) versucht die ersten Schritte als Dokumentarfilmer zu gehen, unterstützt von seiner Frau Darby (Amanda Seyfried). Als Josh davon erfährt, beschließt er Jamie bei seinem Projekt zu unterstützen – zunächst gegen den Willen seiner Frau Cornelia, die als Produzentin für die Filme ihres bekannten Vaters Leslie (Charles Grodin) arbeitet. Doch als Jamies Film Gestalt annimmt, ganz im Gegensatz zu Joshs 10-Jahres-Projekt, öffnet ihm das die Augen und die neue Freundschaft bekommt einen Knacks.

Kritik

Der Film "Gefühlt Mitte Zwanzig" lässt drei Generationen auftreten und thematisiert mehrere Problematiken. Eine gehaltvolle Ausgangslage. Die Frage lautet nun, was der Film daraus macht? Dazu später mehr. Zunächst ein Abriss der Herausforderungen. Da gibt es das Paar in der Midlife-Crisis, dessen Ehe eingefahren ist und die nicht wissen, wie sie die Situation lösen sollen.
Die zweite Problemstellung ist mit der ersten verknüpft. Es geht um Ehrlichkeit und Ehre. Während der Zuschauer sehr früh ahnt, dass Jamie absichtlich Kontakt zu Josh und Cornelia aufnimmt, lässt sich Josh lange Zeit ausnutzen, bis er zu dieser Einsicht kommt.
Die dritte Problemstellung ist die, das Josh und Cornelia erkennen müssen, dass ihnen mit Mitte vierzig nicht mehr alle Möglichkeiten offen stehen. Doch anstatt von diesem Punkt aus weiterzumachen und Chancen zu nutzen, lecken sie ihre Wunden.

Der mögliche Generationskonflikt zwischen den drei unterschiedlichen Generationen findet so wenig Ausbau, dass er nicht erwähnenswert ist. Das jüngere Ehepaar ist viel konservativer als das ältere. Doch aus der möglichen Spannung entsteht nichts. Auch die Konstellation Schwiegervater, Schwiegersohn und Ehefrau bleibt ungenutzt. Josh kann die Hilfe seines Schwiegervaters nicht annehmen. Seine Ehefrau Cornelia steht zwischen ihrem Vater, mit dem sie finanziell zusammenarbeitet, und dem beruflich erfolglosen Ehemann. Doch daraus wächst keine Spannung.

Allen vom Film angeschnittenen Problemen ist gemein, dass sie für den Zuschauer wenig bis gar keinen Belang haben. Der darf zwei privilegierten Amerikanern dabei zusehen, wie sie um sich selbst kreisen. Leider entsteht daraus bei bei Naomi Watts und Ben Stiller kein Charakterschauspiel. Die restlichen Darsteller agieren teils langweilig und das Sehen lohnt für die darstellerische Kunst nicht.

Seltsam erscheint die Kritik an der Art wie heutzutage Filme entstehen. Es wird unter anderem angeprangert, dass die Ehrlichkeit verloren geht. Damit prangert der Film sich selbst an, denn wie ehrlich ist das viele Product-Placement? Muss beispielsweise in der Szene in der Pizzeria im Hintergrund ein großer, roter Coca-Cola-Automat stehen? Später nimmt Ben Stiller eine Flasche Jim Beam von der Bar, die in einer der folgenden Szenen unübersehbar zwischen ihm und Naomi Watts auf dem Boden steht und sie trinkt daraus. Das wirkt derart unmotiviert, dass es an schlecht kaschierte Werbung grenzt. Andere Mechanismen nutzt der Film auf zweierlei Weise. So wird im Film Ben Stillers Dokumentarfilm nicht fertig. Gleichzeitig kommt der Film selbst nicht auf den Punkt. Er erzählt und erzählt und die Entlarvung findet nicht statt.

Fazit
Der Film "Gefühlt Mitte Zwanzig" ist eine Bestandsaufnahme; er verspricht keine frischen Ideen zum Umgang mit der Midlife-Crisis und bietet keine an. Er bereichert das Thema allerdings auch nicht. Langweilige Dialoge treffen auf spannungsarme Darsteller. Der Umständlichkeitshumor ist Geschmackssache.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: While We're Young
Land: USA
Jahr: 2014
Laufzeit ca.: 98
Genre: DramaKomödie
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 30.07.2015
Heimkino: 04.12.2015

Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbach

Schauspieler: Naomi Watts (Cornelia) • Ben Stiller (Josh) • Adam Driver (Jamie) • Amanda Seyfried (Darby) • Maria Dizzia (Marina) • Adam Horovitz (Fletcher) • Matt Maher (Tim) • Peter Yarrow (Ira Mandelstam) • Bonnie Kaufman (Iras Frau) • Hector Otero (Frank) • Deborah Eisenberg (Frau) • Dree Hemingway (Tipper) • Matthew Shear (Benny) • Annie Baker (Elise) • Quincy Tyler Bernstine (Pepper)

Produktion: Noah Baumbach • Eli Bush • Scott Rudin • Lila Yacoub
Szenenbild: Adam Stockhausen
Kostümbild: Ann Roth
Maskenbild: Judy Chin
Kamera: Sam Levy
Musik: James Murphy
Schnitt: Jennifer Lame


Bilder: Universum Film

1 customer review

befriedigend
30.07.15
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