Gentle Monster

Kinoplakat Gentle Monster

Die Eheleute Lucy und Philip Weiss leben in einem kleinen Ort in Bayern. Die Idylle hat Risse, wie eine Panikattacke von Philip beweist, bereits bevor der Film den Titel einblendet. Auf die Warnung folgen harmonische Szenen, aber das Publikum ist gewarnt. Und dann zerbricht das Idyll. Die Polizei führt eine Durchsuchung durch, Philip geht freiwillig mit auf die Wache. Lucy, die nicht ahnt, was ihrem Ehemann vorgeworfen wird, zieht es den Boden unter den Füßen weg. Plötzlich steht ihr Leben infrage. Kann sie ihren eigenen Gefühlen und ihrem Mann noch trauen?

Kritik

Das Drama "Gentle Monster" beginnt nicht mit dem wahrscheinlich erhofften Paukenschlag, denn viel zu deutlich ist der erste Hinweis. Was dem folgt, ist handwerklich ordentlich umgesetzt, doch die Schwächen der Handlung bügelt dies nicht aus. Das beginnt mit der übermäßigen Zurschaustellung von Léa Seydoux als Lucy Weiss. Seydoux sitzt auffällig oft am Klavier, spielt und singt. Letzteres gelingt der Schauspielerin nicht gut. Die zu hörende Singstimme ist klar und dünn. Zudem ist die Vielzahl der Gesangseinlagen zu viel des Guten. Ob Seydoux selbst gesungen hat, kann der Kritiker nicht sagen, weil zum Zeitpunkt des Schreibens noch kein Presseheft vorliegt. Von den Gesangseinlagen abgesehen, bleibt die Schauspielerin hinter ihrem Können zurück. In der Regel zeigt sie ihr verheultes Gesicht.
Laurence Rupp als Philip Weiss bekommt wenig Raum. Er ist in mehreren Nacktszenen zu sehen, und beweist, was Mann im Fitnessstudio erreichen kann. Seine Filmrolle gibt ihm wenig Chancen. Vielleicht, weil man verhindern wollte, dass der Film Rechtfertigungen liefert. Gleichzeitig wird die Möglichkeit vertan, das Drama der Eheleute zu beleuchten. Schade, denn die Ehe zerbricht nicht nur an seinen Lügen. Wobei diese so durchsichtig sind, dass der Kritiker auf keine Finte hereingefallen ist.

Noch ärgerlicher ist der Umstand, dass die Handlung sich in weiteren Schauplätzen verläuft. Ein Polizeieinsatz in einer gutbürgerlichen Reihenhaussiedlung zeigt auf, wo diese Art von Verbrechen stattfindet. Doch welche Aussagekraft entwickeln solche Szenen? In diesem Fall leider keine, denn der Fall wird später nur noch tangiert.

Lucys Mutter, gespielt von Catherine Deneuve, trägt zur Handlung nur das bei, was Mütter in Dramen gerne einwenden. Auch überflüssig sind die Szenen mit Philips Eltern, die in Österreich leben. Jella Haase als Polizistin Elsa Kühn kämpft mit privaten Problemen. Ihr pflegebedürftiger Vater ist ein arroganter Bildungsbürger, verschleißt seine ostdeutschen Pflegerinnen und ist dement. Elsas Bruder ist ein Problem. Damit sind die Konflikte benannt und abgehakt. Diese Nebenschauplätze verwässern die Handlung.

Handwerklich gibt es an "Gentle Monster" wenig auszusetzen. Die Idylle der Kleinfamilie Weiss ist anschaulich in Szene gesetzt. Als störend kann die getupfte Handlung empfunden werden. Auch die übermäßige Bewunderung von Marie Kreutzer (Drehbuch und Regie) für ihre Hauptdarstellerin schwächt den Gesamteindruck. Auffällig ist der Einsatz von mehreren Sprachen. In der gesehenen Fassung werden Deutsch, Englisch und Französisch gesprochen. Möchte man Österreichisch als Sprache einordnen, sind es sogar vier Sprachen. Der fallweise plötzliche Wechsel der Sprachen ist aufgesetzt.

Fazit
"Gentle Monster" hat den Mut, ein schwieriges Thema anzusprechen. Leider fehlt es im Folgenden an Ausarbeitung und es bleibt beim Aufzeigen, dass es Menschen mit dieser psychischen Störung gibt. Dazu arbeitet die Handlung die wichtigsten Punkte ab.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Alternativitel: Johnny Maccaroni
Land: DeutschlandFrankreich • Österreich
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 115
Genre: Drama

Verleih: Alamode Film
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 17.09.2026

Regie: Marie Kreutzer
Drehbuch: Marie Kreutzer

Schauspieler: Léa Seydoux (Lucy Weiss) • Jella Haase (Elsa Kühn) • Laurence Rupp (Philip Weiss) • Catherine Deneuve (Éloïse) • Malo Blanchet (Johnny) • Anton Rubtsov (Arian) • Nils Strunk (Lukas) • Patrycja Ziółkowska (Natalia) • Sylvester Groth (Hermann Kühn) • Regina Fritsch (Inge Weiss) • Rainer Doppler (Wolfgang) • Katharina Lorenz (Maike) • Baran Sönmez (Kevin) • Filipe Repak (Johnny (young) • Sara Sukarie (Dragana) • Sami Loris (Hannes) • Raphael Nicholas (Herr Engel) • Hanna Habersetzer (Lehrerin) • Martin Muliar (Karl) • Jeanne Werner (Journalistin)

Produktion: Alexander Glehr • Johanna Scherz • Janine Jackowski • Jean-Christophe Reymond
Szenenbild: Myrna Wolff
Kostümbild: Monika Buttinger
Maskenbild: Sam Dopona
Kamera: Judith Kaufmann
Ton: Carlo Thoss
Musik: Camille
Schnitt: Ulrike Kofler

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Bild: Alamode Film

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