1949 soll dem deutschen Schriftsteller Thomas Mann der Goethepreis verliehen werden. Im Westen in Frankfurt am Main und im Osten in Weimar. Kann er beide Preise entgegennehmen? Oder lässt er sich instrumentalisieren?
Erika Mann, die ihren Vater auf der Reise begleitet, steht dem Handeln des Vaters kritisch gegenüber. Der habe sich in ein Schloss aus Worten zurückgezogen und den Blick für die Realität verloren, wirft sie ihm sinngemäß vor. Thomas Mann ist hingegen von der Macht der Worte überzeugt. Beide Teile Deutschlands wollen von seinem Ruf profitieren.
Kritik
Thomas Mann verschließt die Augen vor unbequemen Wahrheiten nicht komplett. Was er über die Wagner-Festspiele sagt, ist vernichtend. Seine Tochter Erika Mann putzt ihren Exmann Gustaf Gründgens herunter. Der begründet sein Verhältnis zum Dritten Reich ähnlich wie andere Künstlerinnen und Künstler auch. Der kurze Streit endet mit einer Ohrfeige. Erika wird sich auch kritisch über das deutsche Volk äußern. Zu einer Verurteilung kommt es nicht. Darin besteht eine der Stärken des Drehbuchs: Es wirft Fragen auf und gibt keine Antworten, denn dann würde es Urteile fällen. Vielmehr beobachtet es.
Dies unterstreicht die gestochene Kameraführung in strengem Schwarz-Weiß. Die Bilder sind durchgängig komponiert. Menschen sitzen oft am unteren Bildrand. Beginnt eine Szene in der Totalen, dann zieht die Kamera nicht heran, sondern es folgen Schnitt und Nahaufnahme. Wie auf einer Theaterbühne gehen Menschen in das Szenario und hinaus. Das unterstreicht den Stil des Kammerspiels. Insgesamt gibt es so wenige Kameraschwenks, dass es auffällt. Allerdings unterstreichen Schwenks Szenen, wie die auf dem Friedhof, nicht.
Fast nebensächlich wird der Kalte Krieg thematisiert. Da spielt das Autoradio erst einen amerikanischen Sender und danach einen russischen. Das Publikum im Saal ist in West und Ost gleichgeschaltet. Alle Köpfe schauen nicht in die Kamera, sondern im selben Winkel an ihr vorbei. Schöne Spielereien.
Fazit
"Vaterland" beobachtet einen kurzen Zeitraum in formaler Strenge. Das Kammerspiel ist sehenswert gespielt – allerdings zielgruppenspezifisch.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %
Land: Deutschland • Frankreich • Italien • Polen
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 82
Genre: Drama • Historie
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren
Kinostart: 03.09.2026
Regie: Paweł Pawlikowski
Drehbuch: Paweł Pawlikowski • Henk Handloegten
Schauspieler: August Diehl (Klaus Mann) • Sandra Hüller (Erika Mann) • Hanns Zischler (Thomas Mann) • Devid Striesow (Johannes R. Becher) • Anna Madeley (Betty Knox) • Joachim Meyerhoff (Gustaf Gründgens) • Milan Peschel (Armin Schaufelberger) • Enno Trebs (Wieland Wagner) • Theo Trebs (Wolfgang Wagner) • Daniel Wagner (Tjulpanow) • Christophe Falconnet (Jacques Ciment) • David Price (Walter J. Smith) • Fritzi Haberlandt (Kellnerin) • Matthias Schlette (Manns Bewunderer)
Produktion: Lorenzo Gangarossa • Lorenzo Mieli • Jeanne Tremsal • Mario Gianani • Ewa Puszczyńska • Edward Berger
Szenenbild: Marcel Sławiński • Katarzyna Sobańska
Kostümbild: Aleksandra Staszko
Maskenbild: Waldemar Pokromski
Kamera: Łukasz Żal
Ton: Tarn Willers
Musik: Marcin Masecki
Schnitt: Piotr Wójcik
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