Viele Balladen sind's und wenige werden verfilmt. Wie die der Rose, die als Weib geboren, als Mann gelebt und gestorben. Ihre Selbstüberschätzung wurde ihr zum Verhängnis. Doch von Anfang an.
Ein im Dreißigjährigen Krieg verwundeter Soldat kehrt ins Dorf zurück und beansprucht sein Erbe. Alles rechtens, befindet die Obrigkeit und fragt, warum er denn so spät erst kommt. Der Herr kann alles erklären und geht an die Arbeit. Es gelingt ihm, dem kargen Land Erträge abzutrotzen. Er stellt auf dem Hof Knechte und Mägde ein. Eines Tages wird ihm vorgeschlagen, er solle heiraten. Der Herr ehelicht Suzanna und es wird von ihm erwartet, dass er zum Erhalt der Gemeinschaft beiträgt. Eine Zwickmühle, denn der Herr ist in Wahrheit eine Frau. Der gelingt es lange Zeit, ihr Geheimnis zu hüten. Doch einer falschen Entscheidung folgt die nächste und eine kleine Ursache hat drastische Folgen.
Kritik
Die Handlung behält die Erzählform der Ballade bei, und verdeutlicht, dass im 17. Jahrhundert das Leben der Landbevölkerung in erster Linie aus der Sicherung der Existenz bestand. Die Erfüllung persönlicher Freiheiten, Wünsche oder Bedürfnisse spielte keine Rolle. Darin entspricht die Dramaturgie der gewählten Zeit. Selbst das am Ende gefällte Urteil bleibt im Rahmen. Die Vorwürfe der Dorfgemeinschaft muten im Jahr 2026 gegenstandslos an, denn es ist niemand zu Schaden gekommen. Dramaturgisch ist der Ausgang schlüssig.
Angenehm fällt die Erzählerin auf, die die gesamte Handlung begleitet. Gäbe es sie nicht, erinnerte der Film noch stärker an ein Theaterstück.
Die Bildsprache unterstreicht durch ein formales Schwarz-Weiß und eine strenge Handschrift. In Farbe dargestellt, wäre die Gegend wildromantisch. So sind das Land und das Leben karg. Die Sprache ist überwiegend altmodisch; der Gebrauch des Wortes nix irritiert.
Es ist möglich, in dem Film vieles zu sehen. Er könnte zur Genderdebatte beitragen oder ein homosexuelles Drama sein. Letzteres ist möglich, wird jedoch nicht ausgearbeitet. Die Beziehung zwischen Rose und Suzanna steht nicht im Vordergrund. Ebenso wenig erforscht das Drama die Beweggründe seiner Figuren, stößt keine Genderdebatte an. Rose ist eine Frau, deren Vergangenheit angerissen wird, und die Schlussfolgerung des Kritikers lautet: Sie ist auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben. Auch Suzanna erkennt, dass ihr die Ehe mit dem Herrn (also mit Rose) eine Freiheit ermöglicht, die Frauen ansonsten nicht zuteil wird.
Nicht ganz passend ist Sandra Hüllers Schauspiel. Sie versucht nicht, bestmöglich einen Mann zu spielen, sondern bleibt eine Frau, die vorgibt, ein Mann zu sein. Darum erstaunt es, dass die Dörfler den Schwindel nicht früher durchschauen. Ansonsten passt Hüllers künstliche Art zu spielen gut zur Kunstfigur. Positiv fällt weiterhin Caro Braun in der Rolle der Suzanna auf. Aus anfänglicher Unterwürfigkeit wird Aufmüpfigkeit. Suzanna erkennt ihre Chance, wohl wissend, in welche Gefahr sie sich begibt. Braun spielt die Frau, in der es lodert und gärt, sehenswert.
Fazit
"Rose" erzählt eine Ballade als formales, strenges Drama. Darin liegt der Reiz.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 94
Genre: Drama • Historie
Verleih: Piffl Medien
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren
Kinostart: 30.04.2026
Regie: Markus Schleinzer
Drehbuch: Markus Schleinzer • Alexander Brom
Schauspieler: Sandra Hüller (Rose) • Caro Braun (Suzanna) • Robert Gwisdek (Großbauer) • Augustino Renken (Alter Knecht) • Annalisa Hohl (Schwester) • Annika Molke (Magd) • Benedikt Kauff (Gerichtsschreiber) • Marius Huth (Pastor) • Emma Bahlmann (Magd) • Till Schmidt (Sohn) • Rainer Egger (Doktor) • Peer-Uwe Teska (Älterer Vater) • Marisa Growaldt (Erzählerin)
Produktion: Johannes Schubert • Philipp Worm • Tobias Walker • Karsten Stöter
Szenenbild: Olivier Meidinger
Kostümbild: Doris Bartelt
Maskenbild: Anette Keiser
Kamera: Gerald Kerkletz
Ton: Uve Haußig • Nora Czamler
Musik: Tara Nome Doyle
Schnitt: Hansjörg Weißbrich
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Bild: Piffl Medien
