vier minus drei

Kinoplakat vier minus drei

Barbara, ihr Mann Heli und die zwei Kinder leben ein durchschnittliches Leben. Sie arbeitet als Klinik-Clown, er managt den Haushalt. Eines Tages bekommt sie den Anruf einer Freundin. Ein zweites Telefonat bringt Gewissheit: Bei einem Autounfall ist Heli gestorben, um die Kinder steht es schlecht. Barbara zieht es den Boden unter den Füßen weg.

Kritik

Der Filmtitel klingt wie ein Drama über Tod und Trauer. Doch beide Themen erhalten in der gut zweistündigen Erzählung wenig Raum. Barbara hält Rückschau und sucht nach einer Zukunft. Sie versucht es mit Verdrängung, die Kinder zu ersetzen und dadurch zurückzuholen. Das ist als Ablauf glaubwürdig. Als Dramaturgie jedoch nicht zufriedenstellend, weil ein schwieriges Thema die Ausgangslage bildet und dann nur am Rand behandelt wird. Weiterhin ist das Drehbuch zu konventionell, um zu überzeugen.

Viel Raum nimmt das Thema Clownerie ein. Sie arbeitet als Clown, er wäre gerne einer. Das ist eines Abends das Thema eines Streits. Dabei klingt auch an, dass die Eheleute mit der Aufgabenverteilung nicht zufrieden sind. Ausgeschmückt wird das nicht. Was Heli kurz nach dem Kennenlernen über Clowns erzählt, bleibt oberflächlich. So erwähnt er sinngemäß, dass Clowns eine andere Sichtweise haben. Worin die besteht, behält er für sich. Leider ist das bezeichnend für das Drama. Die Figuren sind hingestellt. Barbara hat sich mal am Schauspiel versucht. Ihre Figur hat Brüche. Letzteres ist zu begrüßen und könnte die Person interessanter machen. Erklärt werden diese Brüche nicht und Chancen werden verschenkt. Ihre Freundin Sabine ist plötzlich da. Hat einen Mann und ist die beste Freundin. Eine Vita hat Sabine nicht. Schade, dass die Rollen nicht eingeführt werden und es an der Rollenarbeit mangelt.

Auch nicht überzeugend: Die Geschichte stellt Barbara in den Mittelpunkt, ohne dass der Film aus ihrer Perspektive erzählt. Vielmehr ist es eine Familienchronik mit Barbara in der Hauptrolle. Valerie Pachner spielt die Rolle sehenswert und natürlich. Was auch auf fast alle anderen Rollen zutrifft. Robert Stadlober überzeugt als ihr Ehemann Heli.

Positiv fällt die Regie auf. Die meisten Szenen sind organisch. Während der Abendessen mit den Kindern ist das Publikum der unsichtbare Dritte im Raum.

Schwächend wirkt sich der Anspruch des Drehbuchs aus, Erwartungen zu erfüllen. Es erzählt eine Geschichte vom Kennenlernen bis zu den Todesfällen und der Zeit danach. Kinogröße erreicht das Drama nicht. Die Menschen agieren und reagieren, wie man sich das vorstellt. Teils sind die Einstellungen unglaubwürdig. So ist Barbara vollkommen aufgelöst, als sie über den Tod der Tochter unterrichtet wird. Die Tränen fließen in Bächen, und trotz ihres Schmerzes hat sie noch Atem, um zu reden. Das hat der Kritiker selbst anders erlebt. In Momenten eines solchen Schmerzes und Schocks versagte ihm die Stimme. Eine der Großmütter ist gläubig und stellt das in unpassenden Momenten dar. Somit ist auch das Thema Christentum und Leben nach dem Tod behandelt. Wenn Barbara dann gegen Filmende symbolisch eine Nabelschnur durchtrennt, ist auch der künstlerische Anspruch erfüllt. Ins Drehbuch fügt sich die fröhliche Beerdigung ein, die trotzdem aufgesetzt bleibt.

Aufgebrochen wird die allzu bekannte Struktur dadurch, dass sie nicht chronologisch erzählt, sondern in Rückblenden. Im Ergebnis fehlt der Erzählung das Besondere.
Ärgerlich ist die Mutlosigkeit. Auf schwere oder emotionale Szenen folgt in der Regel etwas Heiteres. So, als wolle man dem Publikum möglichst wenig zumuten. Die unruhige Handkamera harmoniert nicht mit allen Momenten. Die (leichte) österreichische Dialektfärbung ist der Buchvorlage geschuldet. Eine hochdeutsche Sprachfassung wäre dem Ohr zugänglicher.

Fazit
Aus eigener Erfahrung kann der Kritiker sagen, dass das Thema Tod und Trauer ein sehr persönliches ist. Jeder geht damit anders um und es gibt nur wenige gute Ratschläge für die Zeit der Trauer. Aus dem Film hat er keine mitgenommen. Zur Verteidigung: Das ist auch nicht das Anliegen der berichtenden Produktion.
Schade, dass das Drama nicht klar aus der Sicht der Hauptdarstellerin erzählt. Schade auch, dass die begabten Schauspielerinnen und Schauspieler sowie der fähige Regisseur mit einem derart konventionellen Drehbuch arbeiten mussten. Das Dargestellte erfüllt gut die Anforderungen eines klassischen Fernsehdramas.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: Deutschland • Österreich
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 120
Genre: Drama

Verleih: Alamode Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 16.04.2026

Regie: Adrian Goiginger
Drehbuch: Senad Halilbašić

Schauspieler: Valerie Pachner (Barbara) • Robert Stadlober (Heli) • Hanno Koffler (Friedrich) • Stefanie Reinsperger (Sabine) • Ronald Zehrfeld (Jürgen Schreiner) • Michael Gampe (Gerhard) • Wolfgang Lampl (Hannes) • Paul Wolff-Plottegg (Fritz) • Lukas Walcher (Bestatter) • Petra Morzé (Stefanie) • Michael Fuith (Jan) • Conrado Molina (Matthias) • Adriane Gradziel (Krankenpflegerin Marrit) • Sophia Laggner (Edith) • Stan Steinbichler (Tobi) • Margarethe Tiesel (Roswitha)

Produktion: Peter Wildling • Gerrit Klein • Martin Pfeil • David Stöllinger • Adrian Goiginger
Szenenbild: Maria Gruber
Kostümbild: Esther Amuser
Maskenbild: Tim Scheidig
Kamera: Paul Sprinz
Musik: Arash Safaian
Schnitt: Martin Pfeil • Simon Blasi

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Bild: Alamode Film

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