Gut gegen Nordwind

Kinoplakat Gut gegen Nordwind

Leo arbeitet als Linguist und hat im Umgang mit Worten seine Stärke gefunden. Seine Schwäche sind Beziehungen. Die zu seiner Schwester harmoniert, die zu seiner Freundin hingegen nicht. Er möchte heiraten, sie hat einen anderen. Leo ist kein Fachidiot, obwohl ihm eine praktische Veranlagung abgeht. Er kann ein Smartphone bedienen und bekommt in unregelmäßigen Abständen fehlgeleitete Nachrichten, weil seine elektronische Postadresse der eines Verlags ähnelt.

Eine dieser Fehlmeldungen weckt sein Interesse. Er antwortet der unbekannten Absenderin und die steigt auf das Spiel ein. Der Austausch wird häufiger und persönlicher. Leo erfährt privates von Emma und umgekehrt. Beide achten darauf, den schmalen Grat zwischen Fantasie und Realität nicht zu überschreiten. Als das Sehnen auf beiden Seiten immer stärker wird, beschließen sie den virtuellen Status zu verlassen und ein Treffen zu wagen. Genau in dem Moment erscheint Leos Ex-Freundin wieder auf der Bildfläche und Leo spielt erneut das alte Spiel – doch wie lange noch?

Kritik

Der Film "Gut gegen Nordwind" ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Daniel Glattauer. Ein ruhiges Romantik-Drama, das den Zuschauer mit gut beobachteten Momenten belohnt und gleichzeitig Geduld fordert. Ins Detail geht die Kritik.

Zu den Stärken des Films zählen das Schauspiel der zwei Hauptrollen und die dargestellten Mechanismen. Zwei Menschen treten in virtuellen Kontakt und bauen eine Beziehung per Mail und Messenger auf. Sie halten einander auf Distanz und sind bemüht die Idealvorstellung des Gegenübers zu erhalten. Dabei erleben sie verschiedene Stadien, die eine reale Beziehung kennt. Nach der Annäherung verlieren sie den Respekt voreinander und es kommt zu Verletzungen mit anschließender Aussöhnung. Den ersten Schritt des Kennenlernens wagen beide nicht und haben denselben Grund: die Illusion erhalten. Zudem hat Leo Angst vor Nähe und Emmas Ehe ist eingefahren aber nicht gescheitert. Damit ist das Gerüst der Handlung stimmig.

Der Ausbau ist leider nicht gut gelungen. Zu Filmbeginn dauert es zu lange, bis der Kontakt zwischen Emma und Leo beginnt. Der Plot zeigt Leos Lebenssituation und bleibt zu sehr an der Oberfläche. Leo hat kaum Beziehungen und ist fast nicht in Bezug zu anderen Personen gesetzt.
Später erfolgen die Kontaktaufnahme und die Einführung der Person Emma, die ebenfalls natürlich dargestellt ist. Sie lebt in einer Bilderbuch-Ehe mit einem älteren Ehemann. Der ist ein akzeptabler Vater, sexuell aktiv und beruflich erfolgreich. Darum fällt es schwer zu erkennen, was ihr fehlt und was sie bei Leo zu finden hofft, was ihr der Ehemann nicht geben oder bieten kann. Vielleicht soll es ein unbestimmtes Sehnen sein, von dem Emma selbst nicht sagen kann, was es ist.

Die nachfolgende Phase des Tanzes aus Nähe und Distanz zwischen Emma und Leo fällt ebenfalls zu lang aus. Die zwei Verliebten stehen in regem Austausch von Textnachrichten, während in ihrem Umfeld zu wenig passiert. Leo hat an der Universität, an der er lehrt, keine Kollegen oder anderweitigen Austausch. Emmas Rolle in der Familie ist unscharf. Ihr Beruf ebenfalls, sie arbeitet mal grafisch am Computer, später als Klavierlehrerin. Freundschaften scheint sie nicht zu pflegen. Die beschriebenen Umstände münden darin, dass der Kern der Handlung gut funktioniert und den Zuschauer nur bedingt unterhält, weil das Drumherum fehlt. Was wird beispielsweise aus dem Ehekonflikt? Schade auch, dass die interessanten und gut spielenden Nebenrollen, fast Statisten bleiben.

Fazit
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Umsetzung des Stoffs als Buch mehr überzeugt als die filmische. Wobei eine geraffte Version des Films schon ein Schritt in die Richtung wäre. Alles in allem ist "Gut gegen Nordwind" nicht schlecht, sondern ein durchaus sehenswerter Film mit Schwächen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: Deutschland
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 122
Genre: Romantische Komödie
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 12.09.2019
Heimkino: -

Regie: Vanessa Jopp
Drehbuch: Jane Ainscough
Literaturvorlage: Daniel Glattauer

Schauspieler: Ulrich Thomsen (Bernhard) • Alexander Fehling (Leo) • Ella Rumpf (Adrienne) • Nora Tschirner (Emmi) • Claudia Eisinger (Marlene) • Lisa Tomaschewsky (Clara) • Moritz Führmann (Paul) • Eleonore Weisgerber (Vera) • Piet Fuchs (Dr. Koch) • Dominik Maringer (Marc) • Katharina Gieron (Fiona) • Yoran Leicher (Jonas) • Joan Pascu (Vladimir) • Gina Henkel (Simone)

Produktion: Klaus Dohle • Jonas Dornbach • Janine Jackowski
Szenenbild: Ina Timmerberg
Kostümbild: Lucia Faust
Maskenbild: Kitty Kratschke • Katrin Schneider
Kamera: Sten Mende
Musik: Volker Bertelmann
Schnitt: Andrew Bird


Bild: Sony Pictures

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