Golden Twenties

Kinoplakat Golden Twenties

Ava erlebt eine Phase der Orientierung. Sie hat ihr Studium abgeschlossen und ist auf der Suche nach der ersten Arbeitsstelle. Vorübergehend wohnt sie wieder bei ihrer Mutter in Berlin. Die Umgebung ist vertraut und gleichzeitig fremd, weil alles ein wenig anders ist.

Mit etwas Hilfe bekommt sie eine Stelle als Hospitantin am Theater. Sie verliebt sich in Jonas und erlebt, wie die Beziehung ihrer Mutter mit dem derzeitigen Freund scheitert. Freundin Lulu wiederum wird heiraten. Während Ava nicht so recht weiß, was das Leben für sie bereithält.

Kritik

Der Film von Sophie Kluge zeigt Menschen unterschiedlichen Alters, die auf der Suche sind – nach einem Anfang, einem Fixpunkt oder einer Beziehung. Das hat Sophie Kluge, die das Drehbuch geschrieben hat und Regie führte, derart auf die Spitze getrieben, dass am Ende auch der Zuschauer nach dem Anknüpfungspunkt sucht. Den zu finden fällt schwer, weil die Handlung auf eine klassische Dramaturgie verzichtet. Der herausgegriffene Plot beginnt und endet ohne einen Höhepunkt gesetzt zu haben.

Die auftretenden Figuren bekommen keinen Ausbau und die Menschen entwickeln untereinander keine Verhältnisse. Beispielsweise bleibt die Beziehung Mutter und Tochter ohne Betrachtung. Bei einigen Figuren ist unklar, wer sie sind. Hat Avas Vater eine zweite Frau oder ist sie eine aufdringliche Haushälterin?
In die Entscheidungsfindungen wird der Zuschauer nicht einbezogen, ihm fehlen die Zwischenschritte, die einen Film lebendig machen. Die Mutter beendet die Beziehung zu ihrem Freund ohne, dass der Zuschauer die Hintergründe erfährt. Dass ein Verhältnis mit großem Altersunterschied vorkommt, welches keine Bedeutung erfährt, ist leider typisch für den Film. Gleiches gilt für die Beziehung von Lulu und ihrem Freund, der erst die Trennung will und sie kurze Zeit später heiraten möchte.
Probleme werden nicht aufgelöst oder verpuffen. So steht zu Filmbeginn ein Heimtrainer in Avas Zimmer. Sie macht ein Problem daraus, was im Sande verläuft. Der Schauspieler Jonas bricht sich die Hand und spielt weiter, als sei nichts passiert. Es kann im übertragenen Sinn den Bruch der Beziehung zwischen ihm und Ava bedeuten (was eine gewagte Interpretation darstellt).

Erschwerend kommt hinzu, dass die Dialoge gestelzt klingen. Sie lassen am Satzbeginn gerne ein oder zwei Worte fehlen. Letztlich lässt der Film das fehlen, was gelebtes Leben ausmacht. Die Schauspieler agieren naturalistisch in einer künstlichen Welt. In der der Schein über dem Realismus steht. Am Theater sind die Künstler nicht an Verträge gebunden und können dann hinwerfen, wenn ihnen das Stück nicht gefällt. Während der Proben sind der Regisseur (der vielleicht auch der Autor des Stücks ist) und seine Schauspieler Mimosen. Es macht den Eindruck, als habe Sophie Kluge hier eigene Erfahrungen einfließen lassen und diese zugunsten des Zuschauers überzeichnet. Ihre Figuren bleiben Abziehbilder. Ava ist die Natürliche. Ihre Mutter hat einen Dachschaden. Jonas spielt den Verführer. Lulu ist hysterisch, ihr Freund überfordert. Der Besitz von Avas Vater widerspricht dessen Ansichten.

Fazit
Der Film "Golden Twenties" präsentiert Bruchstücke einer nebulösen Handlung, die an modernes Theater erinnert. Was auf der Theaterbühne funktioniert ist dem Film abträglich, weil ihm die konsequente Entscheidung abstrahiert oder naturalistisch sein zu wollen fehlt. Der Drehbuchautorin mangelt es entweder an Erfahrung oder ihrem Werk an Ausarbeitung, was zum selben Ergebnis führt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 20 %


Land: Deutschland
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 91
Genre: Drama
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 29.08.2019
Heimkino: -

Regie: Sophie Kluge
Drehbuch: Sophie Kluge

Schauspieler: Seyneb Saleh (Tamara) • Anton von Lucke (Rufus) • Hanna Hilsdorf (Lulu) • Henriette Confurius (Ava) • Blixa Bargeld (Nachbar) • Cecilia Pillado (Anna) • Michael Maertens (Gustav) • Inga Busch (Mavie) • Reinout Scholten van Aschat (Samuel) • Nicolas Wackerbarth (Sebastian) • Ulrike Arnold (Lore) • Albert Tallski (Kiesel)

Produktion: Maximilian Haslberger • Viktoria Stolpe • Thomas Wöbke
Szenenbild: Merle Vorwald
Kostümbild: Pola Kardum
Maskenbild: Lisa Streblau
Kamera: Reinhold Vorschneider
Ton: Dominik Leube • Oscar Stiebitz
Schnitt: Katja Dringenberg


Bild: 20th Century Fox

1 customer review

mangelhaft
17.08.19
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