Bayleen Bay ist ein Nest in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hier geht das Leben seinen gewohnten Gang, bis eines Tages der Ice Cream Man an die Kinder des Dorfes Eis verteilt.
Während die meisten begeistert zugreifen, muss Jared wegen seiner Laktoseintoleranz verzichten. Außerdem stuft er den Eisverkäufer und seinen Wagen als seltsam ein. Noch befremdlicher wird die Situation, als der Eiswagen nachts durch die Straßen des Ortes fährt und sein Lied spielt. Das setzt eine Kette von unheilvollen Ereignissen in Gang.
Kritik
Der Horrorfilm "Ice Cream Man" setzt auf brachialen Horror und eine Prise eingestreuter Witze. Der Spannungsbogen ist nicht durchgängig. Um das zu kaschieren, steigt der Horror. Mit Lust werden Menschen in Nahaufnahmen massakriert. Wobei die Tricks von unterschiedlicher Güte sind. Mal sehen die herausgerissenen Gedärme echt aus, mal erinnern sie an rote Grütze. Das betrifft auch die abgetrennten Köpfe. Einige Frauenköpfe könnten von Schaufensterpuppen stammen, der von Eli Roth hingegen ist ausgearbeitet. Hier hat der Drehbuchautor, Regisseur und Nebendarsteller seiner Figur eine Extraportion an Ausarbeitung gegönnt.
Selbstverständlich erwartet niemand von einem Horrorfilm ein feingestricktes Drama. Allerdings ist die Geschichte vom Ice Cream Man dünn. Mit den Themen Krieg, Kindesmissbrauch durch die Kirche und Bulimie nutzt die Handlung aktuelle Themen. Andere Elemente wie die der Figur auf dem Eiswagen sind klassisch, aber nicht gut umgesetzt. Die Figur müsste (wie bei lebendigem Spielzeug in Horrorfilmen üblich) bedrohlich werden und wird es nicht.
Wenig erbaulich sind die Wiederholungen. Zu oft verschanzen sich die verfolgten Kinder in der Schule in einem Raum. Dem Mittelteil fehlt die spannungsgebende Suche nach dem Hintergrund. Es ist bereits offensichtlich, dass jemand Rache übt. Doch die Kinder suchen nicht nach Antworten, sondern nach einem Weg, zu überleben. Letzteres ist stimmig, auf Kosten der Spannung.
Die Erwachsenen sind – wie in Filmen des Genres üblich – dümmer, als die Polizei erlaubt. Anstatt an bedrohlichen Orten vorbeizuschleichen, wird typisch amerikanisch viel geschrien und die Gefahr angelockt. Und wenngleich man der Gefahr ins Auge blickt, wird nicht die Flucht angetreten, sondern abgewartet, bis der Angriff erfolgt. Der derbe Humor setzt auf gespielte Witze, wie eine lustige Enthauptung oder ekeligen Humor, wenn ein Eisportionierer dazu dient, menschliches Gehirn zu portionieren.
Die Logik hat Pause. So kann am Folgetag noch ein verzehrtes Eis erbrochen werden. Im Innern einer Tiefkühlzelle friert niemand. Ein wenige Stunden altes Grab ist von Rasen bedeckt und die Erde bildet keinen Hügel. Üblich für das Genre.
Fazit
So manche(r) unter uns wird sich an kindliche Rachefantasien erinnern. Ein solches Szenario bringt der Ice Cream Man auf die Leinwand. Mit kindlicher Lust nehmen die Kinder im Film Rache an (dämlichen) Erwachsenen. Die Kinderdarsteller hatten sichtlich Spaß beim Dreh. Mit viel Elan lebt der Horrorfilm seine Rachefantasien aus. Darin liegt die Stärke: Wer Lust auf Horror-Fast-Food hat und brachialen Humor an der Grenze zu Splatter, kommt auf seine Kosten.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 87
Genre: Horror • Komödie
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 18 Jahren
Kinostart: 06.08.2026
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Noah Belson • Eli Roth
Schauspieler: Eli Roth (Marty) • Ari Millen (The Ice Cream Man) • Darrin Baker (Principal Maloney) • Benjamin Byron Davis (The Priest) • Karen Cliche (Alison) • Sarah Abbott (Lizzie) • Ryan Allen (Officer Salinger) • Carina Battrick (Marcella) • Alex Armbruster (Jogger) • Rodrigo Fernandez-Stoll (Mr. Hamlin) • Charlie Storey (Piper) • Dylan Hawco (Chris)
Produktion: Kate Harrison Karman • Eli Roth • Raj Brinder Singh • Christopher Woodrow
Szenenbild: Peter Mihaichuk
Kostümbild: Jenifur Jarvis
Maskenbild: Cassie Brunet • Melanie Sleep
Kamera: Simon Shohet
Musik: Brandon Roberts
Schnitt: Matt Lyon
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Bild: Studiocanal
