Inglourious Basterds

Kinoplakat Inglourious Basterds

Wenn Quentin Tarantino draufsteht, dann ist in der Regel eine bildgewaltige Handlung zu erwarten. "Inglourious Basterds" stellt keine Ausnahme von dieser Regel dar. Es ist eine Mischung aus Italo-Western, Rache-Drama und Fantasy, angesiedelt im besetzten Frankreich des Jahres 1941. Den Stil muss man mögen ...

"Inglourious Basterds" ist ein modernes Kinomärchen und beginnt dementsprechend: Es geschah aber im Jahre 1941 im von Nazis besetzten Frankreich. Da tauchte ein von den Deutschen gesandter Judenjäger (Christoph Waltz) auf dem Bauernhof der Familie LaPadite auf. Nahm den Familienvater psychisch solange in die Zange, bis der offen zugab, in seinem Haus eine jüdische Familie zu verstecken. Der nachfolgenden Erschießung konnte Shosanna Dreyfus (Melanie Laurent) nur knapp entgehen. Sie floh nach Paris und nahm eine neue Identität an.

An einem anderen Ort schwört Leutnant Aldo Raine (Brad Pitt) seine Truppe, bestehend aus Amerikanern jüdischen Glaubens, auf den bevorstehenden Auftrag ein: Mindestens 100 Nazi-Skalps wollen sie sammeln. Ihre Kontaktperson in Paris ist Bridget von Hammersmark (Diane Kruger). Die offiziell Schauspielerin jedoch in Wahrheit eine Geheimagentin ist.

In Paris während der deutschen Besatzung: An einem Kino treffen der deutsche Kriegsheld Frederick Zoller (Daniel Brühl) und Shosanna (die Überlebende der Bauernhoferschießung) aufeinander. Während die Französin von dem Deutschen wenig angetan ist, begehrt der junge Soldat die attraktive Frau. Und damit beginnt das Verderben. Seine Idee, ausgerechnet in Shosannas Kino einen Propaganda-Film vorführen zulassen, bei dem sogar der Führer anwesend sein wird, soll für viele tödlich enden.

Die Basterds bekommen Wind von der Veranstaltung und beschließen, die deutsche Nazi-Elite während der Kinovorführung zu töten. Doch sie sind nicht die Einzigen, die beschlossen haben, an diesem Ort, an diesem Abend zuzuschlagen. Dumm nur, dass der eine vom anderen nichts weiß ...

Kritik

Der Film "Inglourious Basterds" ist laut Aussage des Verleihs eine Mischung aus "Schundroman und Propaganda". Tarantino möchte damit nicht weniger erreichen, als "überlebensgroße Geschichten" zu erzählen. Folglich agieren die Schauspieler zwar naturalistisch, aber gleichzeitig ist alles erhöht und überzogen. So spielt Brad Pitt nicht wie ein Leutnant, sondern wie ein amerikanischer Filmstar der damaligen Zeit. Christoph Waltz glänzt in seiner Rolle als fieser Psychoscherge, der in Rededuellen selbst hart gesottene Männer in die Knie zwingt. Andererseits auch - wenn es sein muss - eine Frau mit bloßen Händen erwürgt. Außer ihm gelingt es weiteren Schauspielern sich in den ausgesprochen langen Dialogszenen auszuleben. So ist das Kräftemessen zwischen August Diehl und Michael Fassbender durchaus gelungen.

Doch die gewollt überlangen Dialoge haben auch ihre Tücken. Gut gespielte Dialoge machen Freude - aber die von schwachen beziehungsweise schlecht spielenden Schauspielern dargestellten Dialoge, werden zur Geduldsprobe. Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass die Vielsprachigkeit in der Originalfassung Sinn und Laune macht. Die Hauptsprache des Films ist Englisch, daneben wird viel Französisch und Deutsch gesprochen und fallweise auch italienisch. Wenn das Englische für die deutsche Fassung synchronisiert wird, dann fällt ein Teil des Reizes zwangsläufig weg.

Eine weitere Achillesferse liegt darin, dass der Film zu sehr auf Überhöhung baut. Sobald man sich an der Bildsprache sattgesehen hat oder sie nicht als beeindruckend empfindet, wirkt die Handlung einfach konstruiert (teils sogar unbeholfen) und weicht dem Eindruck, dass Tarantino sich Filmklassiker sehr genau angesehen hat und nun in der Nachahmung verhaftet ist.

Fazit
Der Film "Inglourious Basterds" gefällt mir nicht. Für mich mutet das Ergebnis mit seiner Lauflänge von 150 Minuten öde an. Zu der eigenwilligen Regie kommen die teils miserablen schauspielerischen Leistungen. Sowie der Umstand dass der Humor nicht immer zündet. Wiederholt ist er tumb statt komisch. Als Fazit geht mir ein Gedanke durch den Kopf: und?
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2009
Laufzeit ca.: 150
Genre: AbenteuerDramaKrieg
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 20.08.2009
Heimkino: 14.01.2010

Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino

Schauspieler: Brad Pitt (Aldo Raine) • Mélanie Laurent (Shosanna) • Christoph Waltz (Hans Landa) • Eli Roth (Donny Donowitz) • Michael Fassbender (Archie Hicox) • Diane Kruger (Bridget von Hammersmark) • Daniel Brühl (Fredrick Zoller) • Til Schweiger (Hugo Stiglitz) • Gedeon Burkhard (Wilhelm Wicki) • Jacky Ido (Marcel) • B.J. Novak (Pfc. Smithson Utivich) • Omar Doom (Omar Ulmer) • August Diehl (Major Hellstrom) • Denis Ménochet (Perrier LaPadite) • Sylvester Groth (Joseph Goebbels) • Richard Sammel (Sergeant Rachtman) • Ludger Pistor (Cpt. Wolfgang)

Produktion: Lawrence Bender
Szenenbild: David Wasco
Kostümbild: Anna B. Sheppard
Maskenbild: Heba Thorisdottir
Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Sally Menke


Bilder: Universal Pictures International

vorgeschlagen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen