Kraken - Erwachen der Tiefe

Kinoplakat Kraken

Ein idyllischer Fjord in Norwegen beweist, dass unter der Oberfläche das Grauen lauert. Jahrzehntelang hat es dort darauf gewartet, in seiner Ruhe gestört zu werden.

"Kraken – Erwachen der Tiefe" eröffnet mit einem Paukenschlag: Zwei übermütige Deppen auf einem Jetski drehen auf dem Fjord immer engere Kreise, übersehen den riesigen Schatten, der im Wasser langsam auftaucht. Dann erzeugen sie einen Strudel und sind plötzlich verschluckt. Anschließend wird es ruhig. Die beteiligten Personen werden eingeführt. An erster Stelle Sara Khorami als Johanne. Die toughe Meeresbiologin hat wenig Lust an den Fjord zu reisen, weil das ein Wiedersehen mit ihrem Ex-Freund Erik bedeuten würde. Doch sie lässt sich breitschlagen und sucht die Fischfarm auf, die in Aquakultur Lachse züchtet. Johanne hat gemeinsam mit Erik ein Verfahren erarbeitet, bei dem Töne unter Wasser die Lachslaus vertreibt, die den Lachsen schadet. Mittlerweile hat Johanne andere Schwerpunkte und Erik entwickelt das Verfahren mit dem klangvollen Namen SonicLice allein weiter.

Der Einsatz der Erfindung ist das Argument, mit dem Jostein, der Eigentümer der Farm, um japanische Investoren wirbt. Dessen Tochter Maria hält wenig von Papas Geschäften und plant, gemeinsam mit zwei Mitstreitern, die Anlage zu sabotieren. Von allem ahnt die örtliche Polizistin Henriette nichts, die Marias Mutter und Jostein Ehefrau ist. Außerdem ist Henriette eine alte Freundin von Johanne, die wiederum Marias Babysittern gewesen ist.

Diese vielen Überschneidungen klingen wie ein Drama. Vielleicht sollen sie auch ausdrücken, dass am Fjord jeder jeden kennt. Für die Handlung sind sie erstaunlich unwichtig, denn die nutzt die Chancen der Konstellationen nicht. Vater und Tochter geraten einander nicht wegen unterschiedlicher Standpunkte in die Haare. Das Wiedersehen der Ex-Partner verläuft erstaunlich geräuschlos: Johanne und Erik gehen ihrer Arbeit nach. Selbst das Zusammenleben auf der engen Plattform neben der Aquakultur sorgt nicht für Reibung. Auch Georg, der klassische Computer-Nerd bleibt spannungslos. Er steht loyal zur Firma und ist auch dann nicht bereit das Programm abzubrechen, als absehbar ist, dass es zumindest Schaden anrichtet.

Ein weiterer verschenkter Handlungsstrang sind die Umweltaktivisten. Sie geraten nicht in Konflikt mit dem Kapital. Gelungen ist die Idee, dass ausgerechnet ihr Sabotageakt zur Eskalation führt.

Nun steht die Frage an, warum der Kritiker dem Kleinklein so viel Raum widmet. Ganz einfach darum, weil der Film es auch macht. Er erzählt nach einem vielversprechenden Auftakt langwierig eine langweilige Geschichte. Die erinnert stellenweise an bekannte Vorbilder. Der Schatten im Wasser lässt an den "Weißen Hai" denken. Johanne könnte die Schwester von "Lara Croft" sein. Und ein ähnliches Begutachten, wie das Kennenlernen unter Wasser, gab es zwischen "King Kong und der weißen Frau". Daran ist nichts auszusetzen. "Kraken – Erwachen der Tiefe" kämpft jedoch mit dem Problem, dass der Film keine Spannung aufbaut.

Weder im Löwenanteil ohne Horror noch in der kurzen Zeit der Attacke. Wenn endlich der Krake angreift, dann geschieht das ohne viel Blutvergießen und auch nicht so brachial, wie es zu erwarten steht. Vielleicht darum greift noch eine zweite Spezies an, die an "Alien" erinnert. Diese Parasiten leben unter Wasser und können an Land atmen? Sie verfügen also über Kiemen und Lungen? Also eine Art Lungenfisch? Denkbar und trotzdem weit hergeholt. Außerdem leben beide Spezies laut Film in Tiefen. Dort herrschen andere Druckverhältnisse als an Land und eisige Temperaturen. Ein Auftauchen müsste solchen Organismen erheblichen Schaden zufügen.

Fazit
"Kraken – Erwachen der Tiefe" versucht einen klassischen Aufbau und scheitert daran, dass weder die Hintergrundgeschichte noch der Horror Spannung aufbauen. Punkten kann der Film mit den schönen Landschaftsaufnahmen. Doch wer möchte den Fjord besuchen, wenn man weiß, was dort passieren kann?
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: Kraken
Land: Norwegen
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 94
Genre: AbenteuerDramaSpannung

Verleih: Splendid Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 23.07.2026

Regie: Pål Øie
Drehbuch: Vilde Eide • Kjersti Helen Rasmussen • Natasha Arthur • Pål Øie • Sjur Aarthun

Schauspieler: Sara Khorami (Johanne) • Mikkel Bratt Silset (Erik) • Ingvild Holthe Bygdnes (Henriette) • Øyvind Brandtzæg (Avaldsnes) • Jenny Evensen (Maria) • Steinar Klouman Hallert (Cato) • Filip Bargee Ramberg (Hallvard) • Hans Morten Hansen (Olav) • Jon Erik Myre (Georg) • Silje Breivik (Vigdis)

Produktion: John Einar Hagen
Szenenbild: Kari Kankaanpää
Kostümbild: Lari Lintumäki
Maskenbild: Tytti Vaaleri
Kamera: Sjur Aarthun
Ton: Mads Olsen
Musik: Roy Westad
Schnitt: Sjur Aarthun

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Bild: Splendid Film

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