Lebensansichten eines Huhns

Kinoplakat Lebensansichten eines Huhns

Die schwarze Henne ist sozusagen das schwarze Schaf unter den Hühnern. Doch Glück im Unglück rettet ihm die Farbe des Gefieders das Leben, denn es wird aussortiert und anschließend gelingt ihm die Flucht.

Schnell muss die Henne lernen, dass das Überleben in der freien Wildbahn seine Tücken hat. Fressfeinde lauern am Boden und in der Luft. Dem Huhn gelingt es, zu entkommen. Und es setzt seine Reise fort. Huscht über einen belebten Markt und endet im Maul eines Hundes. Der trägt es zu seinem Herrchen, der ein heruntergekommenes Fisch-Restaurant sein Eigen nennt. Dort findet das Huhn Unterschlupf im Hühnerstall und erlebt die erste Liebe. Doch der Freigeist kann entkommen und setzt seine Reise fort.

Kritik

"Lebensansichten eines Huhns" in ein Genre einzuordnen, fällt schwer. Der Verleih ordnet den Film als Tragikomödie ein. Obwohl tragische und lustige Szenen vorkommen, spricht der Kritiker lieber von einem Spielfilm. Der Filmtitel lässt an Lebensweisheiten oder an eine Fabel denken. Mit beidem hat der Film nichts im Sinn. Er ist weder Doku noch Kinderfilm. Für letztgenanntes Genre sind einige Einstellungen zu brutal.

Im Mittelpunkt steht eine freiheitsliebende Henne. Die wird allerdings im Mittelteil, in dem der Film menschliches Leben in den Vordergrund schiebt, zum Feigenblatt. Leider ist die Schilderung alltäglichen griechischen Lebens klischeebelastet. Der alte Mann beobachtet (wie das Huhn) seine Umgebung. Er toleriert seinen kriminellen Schwiegersohn, während die Tochter dessen Anziehung nicht widerstehen kann. So wie das Huhn später die Freiheit gegen den Hühnerstall eintauscht, weil dort ein neuer attraktiver Hahn aufgetaucht ist. Der Film schreckt nicht davor zurück, die Liebe unter Hühnern mit einem schwülstigen Liebeslied zu unterlegen. Noch schlimmer klingt der gesungene Bolero. Eine weitere Parallele, wenn man sie denn ziehen möchte, besteht darin, dass beide Mütter ihren Nachwuchs leiten. Kurios ist die Idee, dass die Henne indirekt Rache an den Menschen nimmt.

Zurück zu den Menschen. Der alte Mann verrät seinen Schwiegersohn und wird verraten. Hackordnung, Fressen und gefressen werden in beiden Welten. Allerdings gibt es eine Schwachstelle: Die Menschen sind sehr durchschnittlich dargestellt, und weil sie Schablonen bleiben, fällt das Mitfiebern mit ihren Schicksalen schwer.

An der Handlung fallen die Wiederholungen unangenehm auf. Da sind die wenig variierten Autofahrten zu nennen, das Legen eines Hühnereis in Nahaufnahme und der Eiersammelnde Mann. Nur durch diese Streckungen kommt der Film auf seine Lauflänge. In der gesehenen Originalfassung mit Untertiteln wird wenig gesprochen. Reden viele Menschen durcheinander, fehlen die Untertitel. Zudem fiel auf, dass das Schimpfwort Malaka praktisch nie übersetzt wurde. Im Film beschimpft die Frau ihren Liebhaber derart. Übersetzt hieße es Idiot oder Wichser.

Fazit
Der deutsche Titel "Lebensansichten eines Huhns" bringt es auf den Punkt. Das Federvieh läuft, pickt, gackert und legt Eier. Zudem wirft es Blicke auf eine von Menschen geprägte Welt. Der Film bietet nicht weniger und nicht mehr. Die Kameraführung sticht hervor, unterstreicht jedoch leider gleichzeitig den gestellten Charakter. Die für die Dreharbeiten auftretenden acht Hennen, sind ausgesuchte Tiere. Dem Kritiker wachsen sie nicht ans Herz.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %


Original Filmtitel: Hen
Land: DeutschlandGriechenlandUngarn
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 96
Genre: Roadmovie • Spielfilm

Verleih: Neue Visionen Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 06.08.2026

Regie: György Pálfi
Drehbuch: Palfi Gyorgy • Ruttkay Zsofia

Mit: Eszti, Szandi, Feri, Enci, Eti, Enikő, Nóra, Anett (Das Huhn) • Yannis Kokiasmenos (Restaurantbesitzer) • Maria Diakopanagiotou (Das Mädchen) • Argyris Pandazaras (Der Junge) • Eleni Apostolopoulou (Das kleine Mädchen) • Mahmod Bamerny (Der Schmuggler) • Antonis Kafetzopoulos (Der Schmugglerboss) • Antonis Tsiotsiopoulos (Bodyguard)

Produktion: Thanassis Karathanos • Costas Lambropoulos • Martin Hampel • Giorgos Kiriakos
Szenenbild: Konstantinos Zamanis
Kostümbild: Vassilios Barbarigos
Maskenbild: Sissy Petropoulou
Kamera: Giorgos Karvelas
Ton: Μarinos Athanasopoulos
Musik: Szőke Szabolcs
Schnitt: Lehmhenyi Reka

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Bild: Neue Visionen Filmverleih

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