Mean Creek

Kinoplakat Mean Creek

Ein anspruchsvolles Teenager-Drama: Der Versuch, dem Schulschläger eins auszuwischen endet mit einem unglücklichen Unfall. Plötzlich scheint nichts mehr so zu sein, wie es eben noch war.

George (Josh Peck) ist ein Schulschläger, der vornehmlich Schwächere drangsaliert. Sein jüngster Wutanfall bringt das Fass zum Überlaufen. Sam (Rory Culkin) kommt mit einem blauen Auge nach Hause, weil er es wagte Georges Videokamera anzufassen. Es ist Zeit, dem Aggressor eine Lektion zu erteilen, befindet Sams Bruder und schmiedet mit einigen Freunden einen Plan.
Sie laden George, unter dem Vorwand einer Geburtstagsfeier, zu einer Bootsfahrt ein. Bei einer Runde Wahrheit oder Pflicht soll das Opfer nackt im Fluss zurückgelassen werden. Als einziges Mädchen ist Millie (Carly Schroeder) mit von der Partie. Als sie erahnt, was die Jungs planen, interveniert sie, doch es ist zu spät - der Racheplan ist zum Selbstläufer geworden. Der aufgestaute Hass dient als Triebfeder. Daran ändert auch die Tatsache nichts mehr, dass George zunächst ein ganz anderes Gesicht zeigt, als üblich. Hinter der Aggressivität verbirgt der Lernschwache seine Verunsicherung. Das Geständnis bringt ihm zunächst Sympathien ein, doch die Stimmung kippt erneut gegen ihn, als die Kids ihre Runde Wahrheit oder Pflicht spielen. George lässt eine Hasstirade los, bei der er versucht, jeden so gekonnt wie möglich zu verletzen. Als der Streit eskaliert, gerät das Boot ins Wanken, George fällt ins Wasser. Zu spät bemerken die Jugendlichen, dass er nicht schwimmen kann ...

Kritik

"Mean Creek" greift ein nicht mehr neues Thema auf: Eine Gruppe Jugendlicher muss sich plötzlich für eine nicht geplante Tat verantworten, deren Konsequenzen sie überfordern. Viele Autoren setzen dabei auf offene Enden. Auch dem Film "Mean Creek" hätte es gutgetan, die Erzählung nach dem Unfall abzubrechen, denn die Ausschmückung der Stunden nach dem Unfall schmälert den anfangs guten Eindruck. Zu offensichtlich wissen Film und Darsteller nicht, wie es weitergehen soll. Was folgt, ist zu sehr überzeichnet. Nur ein Beispiel: Aus Verzweiflung erdolcht die bis dahin engelsgleiche Carly eine Schnecke.
Die kleinen Störfaktoren treten nun deutlich hervor. Einmal nerven auf Dauer die Digicam-Shots. Das Drehbuch will nicht nur die Situation besonders gut beleuchten, sondern dabei zu korrekt sein. So ist der Schulschläger im Nachhinein nicht nur ein verkannter Außenseiter, sondern mindestens künstlerisch veranlagt. Einzelschicksale erscheinen dramatisch, werden aber dennoch nur angerissen: Ein Jugendlicher wächst bei zwei schwulen Vätern auf. Ein anderer leidet nicht nur unter dem Selbstmord des Vaters, sondern auch darunter, dass ihn sein älterer Bruder erzieht. Die vielen Kraftausdrücke (four letter words) lassen das Ganze etwas aufgesetzt erscheinen.

Fazit
Die Stärken des Films liegen in der Zeichnung der Charaktere und dem Spiel der Darsteller. Typische Themen wie das erste Date, Drogen und Alkohol, oder die Suche nach der eigenen Identität dominieren ihre Welt. Insgesamt ergibt der Film "Mean Creek" ein durchwachsenes Bild. Anzurechnen ist sein Bemühen, ein bekanntes Thema neu zu beleuchten. Die Umsetzung ist Geschmacksache, die Handschrift etwas zu sehr gewollt. Ein typischer Festivalfilm.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 89
Genre: DramaKrimi
Stichwort: Coming of Age
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 26.05.2005
Heimkino: 09.01.2006

Regie: Jacob Estes
Drehbuch: Jacob Estes

Schauspieler: Rory Culkin (Sam) • Ryan Kelley (Clyde) • Scott Mechlowicz (Marty) • Trevor Morgan (Rocky) • Josh Peck (George) • Carly Schroeder (Millie) • Branden Williams (Kile) • Raissa Fleming (Maggie Tooney) • Heath Lourwood (Jasper) • Ryan Peterson (Kassierer) • Michael Fisher-Welsh (Mr. Levinworth) • James W. Crawford (Tom) • Shelly Lipkin (Mr. Merrick) • Kaz Garas (Detective Wright) • Hagai Shaham (Polizist)

Produktion: Susan Johnson • Rick Rosenthal • Hagai Shaham
Szenenbild: Greg McMickle
Kostümbild: Cynthia Morrill
Maskenbild: E. Larry Day
Kamera: Sharone Meir
Musik: tomandandy
Schnitt: Madeleine Gavin


Bild: Tobis

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