Weisser Oleander

Kinoplakat Weisser Oleander

Ingrid ist eine Künstlerseele: Schön, stark, unbeugsam und unabhängig - glaubt sie zu sein. Innerlich zerrissen ist sie an ihrem eigenen Leben gescheitert und verrät die eigenen Ideale. Nach Außen gibt sie sich so, wie sie gerne wäre, doch im Innern brodelt es.

Ihre Kunst und ihr Ego gehen ihr über alles. Tochter Astrid (Alison Lohman) muss den fehlenden Partner ersetzen, ist zudem Freundin und Tochter. Wenn es Ingrid (Michelle Pfeiffer) in den Sinn kommt, dann schläft sie mit ihrem aktuellen Lover, während Astrid im Auto vor dem Haus wartet. Nach dem Beischlaf muss Astrid sich im Auto die Probleme der Mutter anhören. Als Ingrid glaubt von ihrem Lover betrogen zu werden, dreht sie durch und vergiftet ihn mit weißem Oleander. Die Pflanze strahlt Reinheit und kühle Eleganz aus; ganz wie auch Ingrid. Beide sind innerlich hochgiftig.

Ingrid wird zu 35 Jahren Haft verurteilt und Tochter Astrid kommt zu einer Pflegemutter. Star war früher Stripperin und frönt jetzt einem religiösen Wahn. Der Teenager, dem eine Orientierung fehlt, lässt sich von den religiösen Verlockungen blenden. Stars Freund Ray ist für sie sexuell interessant. Die Spannungen sind vorprogrammiert.
Ingrid durchschaut ihre Tochter und manipuliert sie - so weit es möglich ist - aus dem Gefängnis heraus. Astrid soll nicht dieselben Fehler machen wie ihre Mutter; dazu ist der Mutter jedes Mittel recht. Als Star von der aufkeimenden Affäre zwischen Ray und Astrid Wind bekommt, dreht sie durch. Sie schießt auf Astrid, die nur knapp mit dem Leben davon kommt, danach kehrt sie ins Heim zurück.

Als Nächstes wird sie von einem reichen Ehepaar aufgenommen. Die gescheiterte Schauspielerin Claire (Renée Zellweger) sucht Kitt für ihre bröckelnde Beziehung, eine Freundin und einen Rettungsanker. Das kann Astrid nicht leisten, was ihre Mutter schnell durchschaut. Sie beginnt mit Claire eine Brieffreundschaft und überredet die labile Claire bei einem Besuch im Gefängnis zum Selbstmord. Wieder kommt Astrid ins Heim, wieder wird sie in eine neue Pflegefamilie geschickt. Eine russische Rockerin, die ihren Lebensunterhalt verdient, indem sie gebrauchte Klamotten auf dem Flohmarkt verkauft. Hier findet Astrid endlich genügend Halt, um sich ihrer übermächtigen Mutter entgegenzustellen.

Kritik

"Weißer Oleander" ist gut gemeint und will vieles unter einen Hut bringen: Gesellschaftskritik; Frauen, die an den eigenen Idealen und Lebensträumen scheitern. Der Befreiungskampf eines weiblichen Teenagers. Das Leid von Kindern aus zerrütteten Familien; die Zustände von Kinderheimen anprangern.
Diese Überfrachtung führt zu einem überladenen Film, der sich auf keines der angeschnittenen Themen fokussiert, sondern im Anspruch verzettelt. Statt Astrids Entwicklung klar in den Mittelpunkt zu stellen, werden immer wieder nur wichtige Lebensabschnitte gezeigt. Dabei wirkt schon dieses Schicksal überzeichnet. Als Kind einer allein erziehenden Mutter wurde sie als Kleinkind von ihr verlassen und von einer Mexikanerin betreut (die Astrid heute noch zeichnet). Dann wächst sie ohne Vater mit einer hoffnungslos egozentrischen Künstlerin als Mutter auf, die gerne eine kühne, stolze Wikingerin wäre und ihren Lover umbringt - was Astrid mitbekommt.

In drei Jahren lernt sie drei verschiedene Pflegefamilien kennen, von denen jede wiederum ein dickes Bündel an Problemen, Neurosen und Psychosen mit sich schleppt. Sie versucht sich jedes Mal an die Familie anzupassen, doch diese Versuche sind schon deshalb zum Scheitern verurteilt, weil ihre leibliche Mutter aus dem Gefängnis heraus ihr Leben dominiert und nicht zulässt, dass Astrid sich wirklich einer Familie öffnet. Die Beweggründe der Mutter erklärt der Film nicht. Die entsprechenden Gespräche und Ingrids Lebensweisheiten könnten direkt aus dem "großen TV-Roman" stammen.

Fazit
Die Figuren des Films sind gut gespielt; leider können aber auch die guten bis sehr guten Darstellerinnen das Drehbuch nur bedingt ausgleichen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: White Oleander
Land: USA
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 109
Genre: DramaKrimi
Stichwort: Coming of Age
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 06.02.2003
Heimkino: 08.09.2003

Regie: Peter Kosminsky
Drehbuch: Mary Agnes Donoghue
Literaturvorlage: Janet Fitch

Schauspieler: Michelle Pfeiffer (Ingrid Magnussen) • Alison Lohman (Astrid Magnussen) • Robin Wright Penn (Starr) • Renée Zellweger (Claire Richards) • John Billingsley (Rettungssanitäter) • Billy Connolly (Barry Kolker) • Patrick Fugit (Paul Trout) • Cole Hauser (Ray)

Produktion: Hunt Lowry • John Wells
Szenenbild: Donald Graham Burt
Kostümbild: Susie DeSanto
Maskenbild: Ronnie Specter
Kamera: Elliot Davis
Musik: Thomas Newman
Schnitt: Chris Ridsdale


Bild: Tobis

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