My Summer of Love

Kinoplakat My Summer of Love

Während der Ferien lernen zwei Teenager einander kennen und testen gemeinsam Grenzen aus. Zwischen ihnen wie auch zwischen dem Rest der Welt.

Es ist ein heißer Sommer in Yorkshire. Mona (Natalie Press) schlägt die Zeit tot, so gut es geht. Ab und an hat sie Sex mit einem verheirateten Mann. Ihr Bruder Phil (Paddy Considine), ein kürzlich wiedergeborener Christ, hat das Pub geschlossen, das ihre Mutter bis zum Krebstod führte, und funktioniert das Haus zu einem Versammlungsort für seinen Bibelkreis um. Mona kotzt das an, denn sie erkennt ihren Bruder kaum wieder. Wie ein Rettungsanker erscheint ihr das Zusammentreffen mit Tamsin (Emily Blunt). Vertreterin einer anderen Welt: Mit Familie, ein Anwesen als Wohnhaus, eine Ausbildung im Internat und sogar ein eigenes Reitpferd - und trotzdem ist auch sie unglücklich. Ihre Schwester ist jüngst verstorben, der Vater hat nie Zeit ... Tamsin liest gerne Nietzsche, hört Edith Piaf und ertränkt ihren Schmerz, gemeinsam mit Mona, in Rotwein. Die lässt sich, ohne es zu merken, von der toughen jungen Frau manipulieren. Gemeinsam sind sie stark, verfallen in einen gefährlichen Rauschzustand, in dem sie niemand aufhalten kann! Sie üben Rache an Monas Liebhaber, verspotten die wiedergeborenen Christen und entdecken füreinander eine eigenartige Leidenschaft.

Als Phil versucht die beiden zu trennen, reagiert Mona mit einer Kurzschlusshandlung und täuscht einen Selbstmord vor. Daraufhin ist Phil wieder der Alte und dreht durch. Mona entscheidet, endgültig mit Tamsin durchzubrennen. Doch die Tamsin, die sie kennt, gibt es nicht mehr. Plötzlich stellt sich deren Welt als Lügengebäude heraus, das wie ein Kartenhaus in sich zusammenbricht. "My Summer of Love" endet als böses Erwachen.

Kritik

Die Handlung klingt zunächst wie ein typischer Coming-out-Film, doch die Beziehung zwischen den Mädchen bleibt ungeklärt. Es spielt auch nur eine untergeordnete Rolle, ob sie lesbisch sind oder nicht (obwohl das burschikose Spiel von Natalie Press das nahe legt). Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Frage der Selbstfindung. So tasten sich die Mädchen vorsichtig aneinander heran, ergehen sich in Rollenspielen und versuchen herauszufinden, wer sie sein wollen. Eine typische Zeit im Leben eines heranwachsenden Menschen, die Pawel Pawlikowski in treffenden Bildern einfing. Um den Eindruck der Sinnsuche zu verstärken, ist auch Monas Bruder mit der Frage der Orientierung konfrontiert.

"My Summer of Love" zielt auf Festivalpublikum ab. Seine Erzählweise ist spröde, es fällt nicht leicht, einen Zugang zur Handlung und den Darstellern zu bekommen. Auch wenn der Film packt, durchzieht ihn eine anstrengende Komponente. Die Konzentration auf wenige Personen und Handlungsorte wirkt bisweilen anstrengend - wie in einem Endzeitszenario ist die Gegend nahezu ausgestorben. Das grobkörnige Bild wurde mit wackeliger Handkamera eingefangen. Die Musik von "Goldfrapp", mit der explizit geworben wird, begleitet die Handlung leider nur stellenweise. Wiederum sehr gelungen ist der trockene Humor. Sehenswert ist zweifelsohne die Leistung der Darsteller.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: Großbritannien
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 86
Genre: DramaLGBTRomantik
Stichwort: Coming of Age
Verleih: Prokino
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 30.06.2005
Heimkino: 16.03.2006

Regie: Pawel Pawlikowski
Drehbuch: Pawel Pawlikowski • Michael Wynne
Literaturvorlage: Helen Cross

Schauspieler: Natalie Press (Mona) • Emily Blunt (Tamsin) • Paddy Considine (Phil) • Dean Andrews (Ricky) • Michelle Byrne (Rickys Frau) • Paul Anthony Barber (Tamsins Vater) • Lynette Edwards (Tamsins Mutter) • Kathryn Sumner (Sadie)

Produktion: Tanya Seghatchian • Chris Collins
Szenenbild: John Stevenson
Kostümbild: Julian Day
Maskenbild: Tara McDonald
Kamera: Ryszard Lenczewski • David Scott
Ton: John Pearson
Musik: Alison Goldfrapp • Will Gregory
Schnitt: David Charap


Bild: Prokino

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