Nur ein kleiner Gefallen

Kinoplakat Nur ein kleiner Gefallen

Frauen kämpfen anders als Männer, indem sie intrigieren. Da setzt die Vloggerin ihren hausfraulichen Sachverstand ein, um das Verschwinden der vorgeblich besten Freundin aufzudecken und nebenbei auch deren dunkle Vergangenheit zu beleuchten. Klingt erst einmal interessant.

Die Grundschule bringt zwei ungleiche Mütter zusammen. Die bodenständige Stephanie betreibt einen Videoblog, in dem sie Rezepte vorstellt oder Tipps für Hausfrauen und Mütter gibt. Das ziemliche Gegenteil von ihr ist die Geschäftsfrau Emily (Blake Lively), die als Fachfrau für Öffentlichkeitsarbeit für einen Modekonzern arbeitet. Nach wenigen Treffen schließen die Frauen Freundschaft und Emily bittet Stephanie um einen kleinen Gefallen. Sie möge doch bitte Sohn Nicky von der Schule abholen. Stephanie kommt dem mehrfach nach, auch an dem Tag, an dem Emily spurlos verschwindet. Stephanie kontaktiert deren Ehemann Sean (Henry Golding), der über manche Schilderung von Stephanie staunt. Die wiederum beginnt neue Saiten der besten Freundin zu entdecken. Emily ist nicht so glamourös, wie es scheint. Mehr noch: Ihr war sehr daran gelegen, ihre dunkle Seite, von der sie meint, das jeder Mensch eine hat, vor dem Rest der Gesellschaft zu verbergen.

Kritik

Der Film "Nur ein kleiner Gefallen" erinnert mich spontan an "Gone Girl". Doch beim Sehen stelle ich fest, dass die Geschichten unterschiedlich gelagert sind. Im aktuellen Fall steht die geerdete Vloggerin Stephanie im Mittelpunkt. Diese moderne Hausfrau (ist nicht wertend gemeint) erhält durch eine falsche Freundin Zugang zur Welt der Reichen und Schönen, die einen Hauch von Luxus transportiert oder anders gesehen den Eindruck von Plastik. Ohne es zu ahnen wird sie Teil eines abgekarteten Spiels.

Den genauen Plot will ich nicht verraten, um die Spannung nicht zu verderben. Die Kritik muss daher unscharf ausfallen. Die Handlung setzt auf eine psychologische Note, lässt es in der Ausarbeitung jedoch an Raffinesse fehlen. Relativ früh beginnen Personen ein Bild von der verschollenen Emily zu zeichnen, das desto deutlicher wird, je mehr Mosaiksteine Stephanie zusammenträgt. Dazu setzt die Hobby-Detektivin eine Mischung aus praktischer und ein wenig wissenschaftlicher Intelligenz ein. Nun wäre es interessant, wenn das Bild, das die ersten Ermittlungen ergeben haben, an einer Stelle kippt. Das bleibt jedoch aus und die Handlung will damit punkten, dass die Geheimnisse immer schmutziger werden. Abhängig von der eigenen Sichtweise ist der Fall damit (mäßig) spannend. Dass Stephanie kurzfristig auf die Blendung von Glanz und Glamour hereinfällt und am Ende wieder mit beiden Beinen im Leben steht, ist wenig überraschend; auch die verwendeten Kniffe wie Neid, der eine Bestrafung nach sich zieht. Etwas verwunderlich ist, welche Bündnisse die Menschen schmieden. Hier bleibt der Film vage, was nicht der Spannung zugutekommt, weil einige Entscheidungen unerklärt bleiben und wenig nachvollziehbar sind.

Im Gegensatz zu anderen Filmen will "Nur ein kleiner Gefallen" auch mit Humor punkten. Der während der Vorstellung nicht den Geschmack des Publikums trifft, weil fast niemand lacht. Davon abgesehen stehen dem Film weder das doppelt gempoppelte Ende noch die Lauflänge von knapp zwei Stunden gut an. Ein weiteres Stilmittel geht ins Ohr, denn die Dialoglast des Films ist enorm. Zudem ist die Darstellung auffällig amerikanisch. Also der Umgang der Personen untereinander, die in Gesprächen möglichst alles in nette Floskeln verpacken. Einen Kontrapunkt soll hier Blake Lively als attraktives Miststück setzen, die in ihrer burschikosen Art auf Benimmregeln pfeift. Das ist durchaus erfrischend und es ist bedauerlich, dass die Darstellerin wenig Raum bekommt und zu oft steifbeinig auftritt. Eine wenig ausgearbeitete Rolle ist auch die von Henry Golding als Sean, der eine entscheidende Rolle spielt und trotzdem keinen bemerkenswerten Charakter darstellt. Er könnte der Zankapfel sein, den zwei Frauen besitzen wollen. Doch sonnenklar ist mir das nicht. Eindeutig ist für mich nur Anna Kendrick, die indirekt dafür steht, dass traditionelle Werte am Ende triumphieren. Wobei ihre Präsenz die Frage aufwirft, ob man die Schauspielerin derart schätzt, dass sie nicht zur Überdosis wird. Auffällig an der Handlung ist weiterhin, dass die Konzentration auf drei Personen kein klassisches Kammerspiel ergibt.

Fazit
Ein Kriminalstück aus der Bonbon-Welt der Reichen und Schönen. Darin siegen nicht Raffinesse und Reichtum, sondern Bodenständigkeit und Ehrlichkeit. Schade ist, dass eine zweite Ebene fehlt. Es ist ein Krimi nach dem Motto wenn du mir in die Suppe spuckst, dann spucke ich dir in die Suppe.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: A Simple Favor
Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 118
Genre: DramaKrimiSpannung
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 08.11.2018
Heimkino: -

Regie: Paul Feig
Drehbuch: Jessica Sharzer
Literaturvorlage: Darcey Bell

Schauspieler: Anna Kendrick (Stephanie Smothers) • Blake Lively (Emily Nelson) • Henry Golding (Sean Townsend) • Glenda Braganza (Mrs. Kerry Glenda) • Andrew Rannells (Darren) • Kelly McCormack (Stacy) • Aparna Nancherla (Sona) • Ava LaFramboise (Lulu) • Dustin Milligan (Chris) • Danielle Bourgon (Grace) • Gia Sandhu (Valerie) • Zach Smadu (Officer Blanco) • Andrew Moodie (Sergeant Molloy) • Rupert Friend (Dennis Nylon)

Produktion: Paul Feig • Jessie Henderson
Szenenbild: Jefferson Sage
Kostümbild: Renee Ehrlich Kalfus
Maskenbild: Leslie Ann Sebert
Kamera: John Schwartzman
Musik: Theodore Shapiro
Schnitt: Brent White


Bild: Studiocanal

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