Skyscraper

Kinoplakat Skyscraper

Wie weit würde ein Mann gehen, um seine Familie aus einem brennenden Haus zu retten? Wenn der Mann Dwayne Johnson heißt, dürfen die Hürden höher liegen. Ein flammendes Inferno in einem Hochhaus kommt gerade recht.

Für Will Sawyer (Johnson) ist es der Auftrag seines Lebens. Als Sicherheitsbeauftragter soll er die Systeme des neuen Skyscrapers The Pearl absegnen. Das Hochhaus in Hongkong ist das höchste Gebäude der Welt und vereint in seiner markanten Form Motive der asiatischen Mythologie, indem es den Drachen und die Perle trägt. Noch ist das Gebäude im Bau und Sawyers Familie ist die einzige im Wohnbereich, der offiziell noch nicht freigegeben ist. An dem Tag, an dem der gesamte Film spielt, scheint alles in bester Ordnung. Will bekommt einen Einblick in die Computertechnik, die das gigantische Gebäude steuert und seine Familie macht einen Ausflug in den Zoo.

Der Tag nimmt eine tragische Wende, als im 96. Stock ein Feuer ausbricht. Kein Problem, denn die Technik wird das Feuer in Schach halten und die Wohnungen stehen leer. Womit die Brandstifter nicht gerechnet haben: Wills Familie ist früher zurückgekehrt als geplant und ist nun gefangen. Will ist der Einzige, der sie retten kann. Doch die Polizei hält ihn für den Feuerteufel und will ihn verhaften.

Kritik

Die Idee zum Film klingt nach großem Actionkino. Beim Sehen stellt sich der Eindruck ein, dass das Konzept hinter "Skyscraper" eine einfache Rechnung ist: Dwayne Johnson gibt den Helden in einem klassischen Action-Film. Das ist eine Seite der Medaille. Die andere beginnt mit der Inszenierung des Hauptdarstellers. Dwayne Johnson spielt nicht wie gehabt den überlegenen Helden, sondern den tragischen Helden. Bei einem Einsatz hat er seelische und körperliche Verletzungen davon getragen, weil er ein Bein verloren hat. Von der körperlichen Einschränkung ist in den Szenen zu wenig zu merken. Ebenso von der seelischen Verletzung. Der Hüne spricht viel Text und bleibt dabei ausdrucksarm. Es gelingt ihm weder das körperliche Gebrechen noch das seelische so zu transportieren, dass es den Zuschauer berührt.

Zu den restlichen Darstellern gibt es wenig zu sagen. Neve Campbell spielt die taffe Ehefrau, die bei der Army arbeitet. Im Zusammenspiel mit den zwei Filmkindern und Dwayne Johnson macht das Quartett leider nicht den Eindruck einer Familie. Zudem begeht der Filme einen beliebten Fehler. Er lässt die Kinder lästig werden, weil sie hauptsächlich dazu dienen in den richtigen Momenten um Hilfe zu schreien.

Die Action überzeugt nur bedingt. Ihr klarer Fokus liegt auf Dwayne Johnson, der allerhand Stunts vollbringt. Allerdings überspitzt die Handlung zu sehr. So gibt es eine Szene, in der der Held einen Weitsprung vollbringt, der offensichtlich Trick ist. Diese Szene mit Kran und Wolkenkratzer sorgte im Kino für Gelächter. Weitere Szenen sind albern. Etwa die, in der sich der Hauptdarsteller im übertragenen Sinn ein Bein ausreißt, um seine Beinprothese als Kletterwerkzeug zu nutzen. Wirklich schade ist, dass die Action so wenig begeistert.
Die Kamera vermittelt mir nur in wenigen Augenblicken das Gefühl, mich in einem Hochhaus zu befinden. Die meiste Zeit sind die Bilder beliebig und das viele Feuer erzeugt nicht den Eindruck von Bedrohung.

Die Logik erstaunt. So gibt es in einem Hochhaus einen mehrere Etagen überragenden Garten mit einem Wasserfall. Der sorgt wahrscheinlich für ein gutes Feng Shui. Doch würde jemand einem so teuren Gebäude so viel Platz verschwenden? Und welche Materialien wurden hier verbaut, die so lichterloh brennen? Müsste eine solche Feuersbrunst nicht eine gewaltige Hitze erzeugen, den Sauerstoff aufzehren und die Menschen an Rauchvergiftungen sterben lassen?

Seltsam ist die Verwendung von Hightech. Im Hochhaus ist vieles computergesteuert und automatisiert. Später knackt ein Hacker das System und verschlüsselt es. Trotzdem kann es am Ende des Films neu gestartet werden. Ein zweites System, das getrennt vom Hauptsystem läuft, wird von Dwayne Johnson einfach überlistet. Das Opfer der Erpresser leistet eine Geldzahlung, deren Transfer nachverfolgt werden kann. Unrealistisch, dass die Erpresser nicht eine Kryptowährung nutzen, die nicht verfolgbar ist. Zudem speichert der Mann ein Beweismittel nur einmal auf einer herkömmlichen Festplatte. Die ist weder verschlüsselt, noch hat er ein Backup in die Cloud geladen. Alles in allem ist die Darstellung der hochmodernen Computertechnik nicht zeitgemäß.

Weiterhin fällt die Optimierung für den asiatischen Markt auf. Die Handlung spielt in China, das Gebäude trägt die entsprechende Symbolik und einige Auftretende sind Asiaten. Die Internationalisierung funktioniert weniger gut. So ist der Bösewicht ein Skandinavier. Was die Kanadierin Sarah an seinem Dialekt erkennt. Sie spricht im Film Mandarin, doch ihr polyglottes Gehör bleibt unerklärt.

Ärgerlich sind die Kommentare. So werden einfache Zusammenhänge und Handlungen in kurzen Sätzen erklärt. Schade, dass die Produktion dem Zuschauer es nicht zutraut zu verstehen, dass etwa ein Computersystem neu gestartet wurde, nachdem Sarah dies auf dem Tablet-Computer in Nahaufnahme ausgelöst hat. Wenig ergiebig scheinen die flachen Dialoge. Was dem Film fast völlig fehlt sind kleine, auflockernde Gags. Die wenigen eingestreuten Sätze zünden nicht. So etwa die Aufforderung, dass er der Held nach der Aktion mal duschen soll.

Fazit
Große Bilder ergeben nicht immer einen großen Film. "Skyscraper" ist eine überlange Hetzjagd und verwendet viele klassische Elemente, wie etwa eine Erpressung. Viele Kameraeinstellungen sind altgedient, wie beispielsweise der Brückenbau mit dem Holzbrett. Enttäuschend ist, dass so vieles mit Ansage passiert und es den Mitwirkenden nur schlecht gelingt Emotionen zu transportieren. Dem gesehen 3D-Effekt kann ich wenig abgewinnen; räumliche Tiefe kann ich dem Film nicht bescheinigen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 102
Genre: 3DAbenteuerActionDramaHeldenKatastrophenfilmKrimi
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 12.07.2018
Heimkino: 15.11.2018

Regie: Rawson Marshall Thurber
Drehbuch: Rawson Marshall Thurber

Schauspieler: Dwayne Johnson (Will Sawyer) • Neve Campbell (Sarah Sawyer) • Noah Cottrell (Henry Sawyer) • McKenna Roberts (Georgia Sawyer) • Pablo Schreiber (Ben) • Noah Taylor (Mr. Pierce) • Kevin Rankin (Ray) • Roland Møller (Kores Botha) • Byron Mann (Inspector Wu) • Matt O'Leary (Skinny Hacker) • Hannah Quinlivan (Xia) • Chin Han (Zhao Long Ji)

Produktion: Beau Flynn • Dwayne Johnson • Rawson Marshall Thurber • Hiram Garcia
Szenenbild: Jim Bissell
Kostümbild: Ann Foley
Maskenbild: Andrea Manchur
Kamera: Robert Elswit
Musik: Steven Jablonsky
Schnitt: Mike Sale • Julian Clarke


Bild: Universal Pictures International

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