Papillon

Kinoplakat Papillon

Klassischer Gefängnis-Abenteuer-Film mit modernen Anleihen. Für den Überlebenskünstler Henri bedeutet die Abschiebung in eine französische Strafkolonie den Anfang von unglaublichen Strapazen. Doch sein Freiheitswille ist nicht zu brechen.

Für den gewitzten Safeknacker Henri Charrière nimmt das süße Leben ein jähes Ende, als er seinen letzten Auftraggeber hintergeht. Der hängt ihm einen Mord an und schon bald ist Papillon, wie ihn die meisten nennen, auf der Reise nach Französisch-Guayana. Wohin Frankreich in den 1930-er Jahren seine Verbrecher abschiebt.

Während der Überfahrt schließen Papillon und der Fälscher Louis Dega ein Abkommen. Der erfahrene Papillon wird Degas Leibwächter gegen Bezahlung. Aus dem Zweckbündnis wird eine Freundschaft werden. In der Strafkolonie ist das Leben hart und ein einzelner Gefangener nichts wert. Fluchtversuche werden mit Gefängnis geahndet und wer einen Wärter umbringt, endet auf der Guillotine.
Die Männer wagen zusammen einen Fluchtversuch, der kläglich endet und für das nächste Vergehen bekommt Papillon mehrere Jahre Einzelhaft. Dass er in dieser Zeit nicht den Verstand verliert hat er Dega zu verdanken. Wieder zurück in der Strafkolonie tüfteln die Freunde am nächsten Ausbruchsversuch.

Kritik

Der Spielfilm basiert lose auf den Romanen von Henri Charrière, der in zwei Bänden seine Erlebnisse in der Gefangenschaft beschreibt. Im Film verkörpert Charlie Hunnam den zu allem entschlossenen Verbrecher. Seine Darstellung ist modern angelegt, was etwa in der langen Phase der Einzelhaft seinen Ausdruck findet. Und sie steht im Widerspruch zu der ansonsten klassischen Handschrift des Films. Leider lässt der Schauspieler den unbeugsamen Willen eines Mannes vermissen, der Strapazen und Folterungen überlebt, bei denen andere den Verstand verlieren oder daran zerbrechen. Charlie Hunnam stellt die Figur zu gleichmütig dar. Zudem legt das Drehbuch die Figur auffällig human an. Es mag sein, dass manche Menschen in einer derartigen Extremsituation so handeln. Zu vermuten ist jedoch, dass einem das eigene Leben näher läge als das eines anderen Menschen.

Weiterhin fehlt es der Männerfreundschaft zwischen ihm und Rami Malek an Ausbau. Warum aus der anfänglichen Geschäftsbeziehung eine Freundschaft wird bleibt unerklärt. Zudem fehlt es auch Rami Malek an Ausdruck, er spielt viel mit den Augen und dem Mund und lässt Variationen vermissen. Ein weiteres Beispiel ist der sadistische Gefängnisdirektor, der knallhart und gleichzeitig zahm auftritt. Insgesamt bleiben die Figuren des Films blass. Schade auch, dass viele Umstände ausgesprochen werden, anstatt sie zu spielen. Unterm Strich bietet der Film das, was zu erwarten steht und greift Themen wie Verrat, Abenteuer, Selbstaufgabe und Hoffnungslosigkeit auf.

Überzeugen kann das Setting, das nicht für französische Glanzzeiten steht, nur bedingt. Mir vermittelt es das Gefühl von Schwüle und drückender Hitze nicht. Zudem gelingt es "Papillon" nicht gut, die zwei Haupt-Darsteller darzustellen. Dass Charlie Hunnam zunächst ein Frauenheld ist, kommt gut herüber. Doch in der Strafkolonie sollte es weniger um ein hübsches Gesicht und einen muskulösen Körper gehen als vielmehr um schauspielerischen Ausdruck.

Nicht ganz einverstanden bin ich mit dem Schnitt. Anfangs erfolgen die Szenen in hektischer Abfolge, um das wilde Treiben in den 1930-er Jahren zu unterstreichen. Später wird der Schnitt ruhiger und trotzdem macht es den Eindruck, dass die Erzählung zu gerafft erfolgt. Sie lässt, in Verbindung mit dem Drehbuch, den Gedanken aufkommen, ob ein TV-Zweiteiler der Länge des Stoffes eventuell besser täte? Vielleicht ist das Material auch ungeschickt gekürzt? Die amerikanische Fassung ist circa 15 Minuten länger als die deutsche Kinofassung. Angekündigt ist eine Fassung fürs Heimkino mit 133 Minuten Lauflänge bei 24 Bildern pro Sekunde. Die Kinofassung hat 117 Minuten.

Fazit
Papillon ist ein klassischer Gefängnisfilm mit modernen Elementen, dem die Vermischung der Stile nicht durchgehend gelingt. Weiterhin schwankt das Niveau der Szenen. Die Gewichtung ist nicht immer einleuchtend. Beispielsweise bekommt die Phase der Gefangenschaft zu viel Raum.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 117
Genre: AbenteuerBiografieDramaHistorieKrimi
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 26.07.2018
Heimkino: 29.11.2018

Regie: Michael Noer
Drehbuch: Aaron Guzikowski • Dalton Trumbo • Lorenzo Semple Jr.
Literaturvorlage: Henri Charrière

Schauspieler: Charlie Hunnam (Henri 'Papillon' Charrière) • Rami Malek (Louis Dega) • Eve Hewson (Nenette) • Tommy Flanagan (Masked Breton) • Roland Møller (Celier) • Michael Socha (Julot) • Christopher Fairbank (Jean Castili) • Nina Senicar (Leprakranke) • Brian Vernel (Guittou) • Ian Beattie (Toussaint) • Yorick van Wageningen (Warden Barrot) • Attila C. Arpa (Ship Deck Guard)

Produktion: Ram Bergman • Roger Corbi • David Koplan • Joey McFarland
Szenenbild: Tom Meyer
Kostümbild: Bojana Nikitovic
Maskenbild: Kirstin Chalmers
Kamera: Hagen Bogdanski
Musik: David Buckley
Schnitt: John Axelrad • Lee Haugen


Bild: Constantin Film

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