Petite Maman

Kinoplakat Petite Maman

Als Kind die Welt der Erwachsenen zu verstehen ist schwierig und führt mitunter zu eigenwilligen Interpretationen aufseiten des Kindes. Daraus ein Drama zu spinnen, ist eine gefällige Idee. Die Umsetzung leider nicht filmfüllend.

Der Tod der Großmutter bildet für ihre Enkelin Nelly und deren Mutter Marion ein einschneidendes Erlebnis. Nelly versucht zu ergründen, warum die Mutter so reagiert, wie sie reagiert. Gemeinsam mit dem Vater beziehungsweise Ehemann reist die Familie zum Haus der Großmutter mütterlicherseits, um es zu räumen. Die Erinnerungen erträgt Mutter Marion nicht und verlässt das Haus. Nelly stöbert derweil im nahegelegenen Wald und stößt dabei auf das gleichaltrige Mädchen Marion, das gerade eine Hütte baut. Die Kinder nehmen Kontakt zueinander auf und schon bald realisiert Nelly, dass sie ihrer Mutter Marion begegnet. Das Geheimnis bleibt keines und die Mädchen sprechen offen miteinander.

Kritik

Der Film "Petite Maman – Als wir Kinder waren" mischt die Genres Drama, Familie und Science-Fiction zu einem ungewöhnlichen Werk. Anfangs wie eine Kinder-Fantasie angelegt, dann eine Zeitreise, überspannt vom Drama. Die Farben und die herbstliche Stimmung im Wald passen gut zum Thema Tod und Abschied. Was allerdings nicht den Gegenstand des Dramas bildet, sondern vielmehr der Versuch des Kindes, die Mutter zu verstehen. Die Szenen sind inhaltlich ruhig, unterstützt vom ruhigen Schnitt.

Weil der erste Abschnitt wie eine Kindheits-Fantasie dargestellt ist, bedarf er keiner Erklärungen. Es ist anzuraten, diesen Teil des Films visuell wirken zu lassen. Dann ist die Handlung plötzlich eine real stattfindende Zeitreise und müsste Erklärungen liefern, wie dies stattfindet, wo eine Grenze liegt und wie diese überschritten werden kann. Leider fehlen diese und der Film verliert, auch weil offen liegt, dass das Thema abgearbeitet ist und die Handlung wiederholt.
Außerdem fallen handwerkliche Schwächen auf. Der Vater ist eine moderne Vaterfigur, vor der ein Kind keine Angst haben muss (im Gegensatz zu dessen Vater). Schade ist, dass der Vater als Figur wenig eingearbeitet ist in die Handlung und auffällig am Rand steht. Die Mutter empfindet keine Trauer, sondern hat Depressionen (die der Kritiker trotz der Erklärungen nicht nachvollziehen kann). Das Haus der Großmutter macht den Eindruck einer Kulisse und wirkt nicht, als habe hier ein Mensch gelebt. Es lässt persönliche Gegenstände und Fotos vermissen. Es verwundert, dass die alte Dame einen Männerrasierer benutzt hat. Von einem Großvater (den es gegeben haben muss) ist nicht die Rede.

Die Mädchen spielen ihre Rollen gut, teils sind sie richtig kleine Biester, denen das Toben Spaß macht. In schwachen Momenten stellen sie Regieanweisungen dar.

Fazit
Der Film "Petite Maman – Als wir Kinder waren" versinnbildlicht die Fantasien gut, den Rest weniger. Der Sprung ins Rätselhafte wirft Fragen auf, die unbeantwortet bleiben. Das ist kein schwerwiegender Bruch und führt nicht zur Abwertung. Schade ist, dass die Handlung die kurze Laufzeit von 73 Minuten nicht füllt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Alternativtitel: Petite Maman – Als wir Kinder waren
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Laufzeit ca.: 73
Genre: Drama
Verleih: Alamode Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 17.03.2022

Regie: Céline Sciamma
Drehbuch: Céline Sciamma

Schauspieler: Josephine Sanz (Nelly) • Gabrielle Sanz (Marion) • Nina Meurisse (Die Mutter) • Stéphane Varupenne (Der Vater) • Margot Abascal (Die Großmutter) • Florès Cardo (Dame Altersheim) • Josée Schuller (Dame Altersheim) • Guylène Péan (Dame Altersheim)

Produktion: Bénédicte Couvreur
Szenenbild: Lionel Brison
Kamera: Claire Mathon
Musik: Jean-Baptiste de Laubier
Schnitt: Julien Lacheray


Bild: Alamode Film

1 customer review

Befriedigend
16.03.22
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