Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Kinoplakat Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Das Verschwinden des Detektivs Harry Goodman löst eine Lawine an Ereignissen aus. Harrys Sohn Tim sucht nach dem Vater und bekommt dabei Hilfe vom Pokémon Pikachu, das zuvor der Begleiter des Vaters war. Seine Besonderheit besteht darin, dass Pikachu nicht nur die Menschen verstehen, sondern auch mit Tim sprechen kann.

Der ist anfangs nicht begeistert von der Idee, ein Pokémon zu seinem Partner zu machen. Doch schnell wird klar, dass Pikachu in den Fall verwickelt ist. Und mithilfe der angehenden Reporterin Lucy (Kathryn Newton) beginnen Mann und Monster zu ermitteln. Sie starten ihre Spurensuche in Ryme City, der Stadt, in der Menschen und Pokémon friedlich Seite an Seite leben. Die Metropole ist das Lebenswerk des Großindustriellen Howard Clifford (Bill Nighy), der sich gerne als Wohltäter darstellt, während sein Sohn ein ungehaltener Bösewicht ist. Doch stimmt das? Schnell wird klar: jemand zieht die Fäden und spielt mit gezinkten Karten.

Kritik

Den Kern des Films bildet ein klassischer Detektivfall, dessen drei Handlungsstränge verwoben sind. Tim, der mittlerweile volljährige Sohn, sucht den Vater und die Aussöhnung einer alten Verletzung. Das Pokémon Pikachu möchte herausfinden, warum es unter einem Gedächtnisverlust leidet. Lucy ist eine Praktikantin und hofft auf die Story, die den Durchbruch als Journalistin bedeutet. Außerdem knistert es zwischen ihr und Tim. Die Lösung des Falls birgt Überschneidungen und hängt mit dem Unternehmer Howard Clifford und den Pokémons zusammen. Ohne die Lösung verraten zu wollen: der Plot fand schon mehrfach Verwendung in Science-Fiction.

Das Tempo der Erzählung ist hoch, kann allerdings nicht über die Logiklöcher hinwegtäuschen. So ist unklar, warum ein Hologramm Informationen hinzufügen kann, die der Polizeibericht nicht enthält. Zudem entstehen die Hologramme an erstaunlichen Orten und zeigen teils Aufzeichnungen, die gegen eine Geheimhaltungspflicht verstoßen. Obwohl der Film in Großbritannien spielt, hält er die DSGVO nicht ein ;-).

Das Zusammenspiel zwischen Tim und Pikachu stimmt. Die Liebesgeschichte zwischen den zwei Jungdarstellern kommt nicht in die Gänge. Was auch daran liegt, das beide farblos auftreten. Bei Bill Nighy ist nicht mit Sicherheit zu sagen, ob er innerhalb seiner Rolle so gequält schaut? Ryan Reynolds spricht in der englischen Fassung Pikachu und absolviert einen Kurzauftritt. Wer nachrechnet, der staunt, denn Reynolds ist Jahrgang 1976 und Justice Smith, der seinen Sohn spielt, ist Jahrgang 1995. Somit ist Reynolds ein sehr junger Vater.

Neu an der Story ist das Vorkommen der niedlichen Monster, die die Stadt bevölkern. Sie leben entweder frei oder sind laut Film Partner des Menschen - in der Umsetzung jedoch Haustiere. Schlüssige Ideen für die Anwesenheit der Pokémon fehlen dahingehend, dass die Monster fast keine Funktionen übernehmen (von dem Kampf abgesehen). Aus welchem Grund sie das Stadtleben vorziehen, bleibt fraglich. Ebenso die erstaunlichen Fähigkeiten des Mewtwo-Pokémons.
Die Pokémon bevölkern die Szenarien und geben anstrengende Laute von sich. Nervig ist das Enton-Pokémon, das stets nur Enton sagt. In einigen Fällen kommt es zu einer regelrechten Überdosis. Alles in allem ist die Einflechtung der niedlichen Monster nicht gut gelungen. Wiederum gut gemacht ist die Animation der Kreaturen. Pikachus Fell etwa sieht so flauschig aus wie einer Fernsehwerbung für Weichspüler.

Die Handlung arbeitet ihr Pflichtenheft ab, das zum Teil den Vorlagen entspringt. Insofern ist dem Film anzumerken, dass die Taschenmonster ihren Siegeszug als Game antraten. Es kommen Kämpfe vor, Menschen versuchen Pokémon zu fangen und die Monster mutieren. Tim und Pikachu hetzen die meiste Zeit von einem Schauplatz zum nächsten und halten das Tempo hoch. Auf schauspielerischen Ausdruck setzt der Film nicht, sondern arbeitet mit vielen Dialogen. Eigenartig ist der Umstand, dass immer, wenn jemand sagt, Harry Goodman ist tot, ein anderer betont, dass er nicht tot ist. Die Drehbuchautoren sehen das für einen Familienfilm wohl als zwingend an. Ähnliches betrifft das Thema Trennung, dass dem Film den nötigen Anstrich für Jugendliche verleihen soll. Es ist schlecht umgesetzt, weil Tim anfangs einen besten Freund hat, der nach wenigen Minuten keine Rolle mehr spielt.

Fazit
Der überdrehte Film ist für Fans ein Muss und für Nintendo die logische Fortsetzung der Wertschöpfungskette, die nach Games und Fernsehfilmen den Sprung auf die Leinwand vollzieht. Schade ist, dass die Handlung nur wenig mitreißt und den Eindruck macht, dass die Grundlage mehr Potenzial bietet, als ausgeschöpft wird. Der hohe Niedlichkeitsfaktor und die Überfrachtung sind fordernd.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Pokémon Detective Pikachu
Land: USA
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 104
Genre: 3DAbenteuerActionFamilieFantasyKomödieScience-Fiction
Stichwort: Videospielverfilmung
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 09.05.2019
Heimkiino: -

Regie: Rob Letterman
Drehbuch: Dan Hernandez • Benji Samit • Rob Letterman • Derek Connolly • Benji Samit • Nicole Perlman

Schauspieler: Ryan Reynolds (Detective Pikachus Stimme) • Justice Smith (Tim Goodman) • Kathryn Newton (Lucy Stevens) • Bill Nighy (Howard Clifford) • Ken Watanabe (Lieutenant Hide Yoshida) • Chris Geere (Roger Clifford) • Suki Waterhouse (Ms. Norman) • Josette Simon (Grams) • Alejandro De Mesa (Bartender) • Rita Ora (Dr. Ann Laurent) • Karan Soni (Jack) • Max Fincham (Tim Goodman, jung) • Simone Ashley (Girlfriend) • Edward Davis (Boyfriend) • Diplo (DJ)

Produktion: Cale Boyter • Hidenaga Katakami • Don McGowan • Mary Parent
Szenenbild: Nigel Phelps
Kostümbild: Suzie Harman
Maskenbild: Frances Hannon
Kamera: John Mathieson
Musik: Henry Jackman
Schnitt: Mark Sanger • James Thomas


Bild: Warner Bros.

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