Shazam!

Kinoplakat Shazam

Wenn die Welt am Abgrund steht, dann braucht es einen Helden, der die Finsternis in ihre Schranken weist. Diese Last schultert der gerademal vierzehnjährige Billy, der vom alten Shazam auserwählt wird. Die Comic-Verfilmung aus dem Hause Warner Bros. setzt darauf die ganze Familie zu unterhalten.

Billy Batson ist seit der frühen Kindheit ein Pflegekind und bekommt aktuell eine neue Pflegefamilie zugewiesen. Er beweist das Herz am rechten Fleck zu haben, als er seinen neuen Bruder Freddy gegen die Schulschläger verteidigt. Das reicht dem alten Zauberer, um in Billy den neuen Champion zu sehen. Der bekommt nach einer kurzen Einführung die Kräfte des schwächelnden Zauberers übertragen und ist fortan auch Shazam. Sobald einer der Zwei das Wort Shazam ausspricht, findet eine Verwandlung statt vom Jungen zum Mann und umgekehrt. Sein Gegner lässt nicht lange auf sich warten, denn das Böse weiß, dass das Gute einen neuen Kämpfer hat und fordert ihn heraus.

Kritik

Die Handlung von "Shazam" fußt auf einer interessanten Komponente: Zwei verletzte Seelen suchen nach einer Heilung beziehungsweise nach Genugtuung für ihre Verletzung. Sie kämpfen für die helle beziehungsweise die dunkle Seite. Schade ist allerdings, dass diese Grundlage wenig Ausbau bekommt und teils herbe anmutet. Ihren Anfang nimmt die Handlung in den frühen 1970er Jahren. Zu der Zeit erfährt ein Junge, dass sein Vater ihn für einen Bilderbuch-Versager hält und die Begegnung mit dem Zauberer Shazam scheint dies zu belegen. Jahre später ist der seelisch verletzte Junge zu einem Mann herangewachsen, der auf Rache sinnt. Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong) ist bereit Träger des Bösen zu werden und nimmt die sieben Todsünden in sich auf, die ihn fortan antreiben.
Der zweite ist ein Junge, der als Kind von seiner Mutter getrennt wurde und seitdem eine tiefe Verunsicherung in sich trägt. Billy (Asher Angel) ist zum Teenager herangewachsen und lebt in der Jetztzeit in Pflegefamilien, aus denen er regelmäßig ausbüxt, um nach seiner leiblichen Mutter zu suchen. Als er sie eines Tages endlich trifft, konfrontiert sie ihn mit einer bitteren Wahrheit.
Derselbe Zauberer, der Thaddeus abgelehnt hat, wählt Billy als Champion aus, weil er ein gutes Herz hat und auch deshalb, weil dem Zauberer die Kräfte ausgehen. Für beide Seiten ist die Wahl nicht ganz glücklich, denn die Rettung der Welt ruht plötzlich auf Billys Schultern. Der muss begreifen, dass es ausreicht Shazam zu sagen, damit er unvermittelt im Körper eines erwachsenen Mannes steckt. Der ist eine imposante Erscheinung und trotzdem geistig der Teenager.
Unstimmig an der Konstellation erscheint der Umstand, dass ein Teenager und ein Mann, der auf die fünfzig zugeht, zu Gegnern werden. Dieses Ungleichgewicht nutzt die Handlung, um im Finale die Kraft der Familie zu demonstrieren. Bis dahin spielt das Thema Familie nur eine Nebenrolle. Der Film bedient verschiedene Genres: Die Suche nach der eigenen Identität inklusive Heranwachsen, Körpertausch, Comic, Magie und er erzählt von familiären Werten. Das bietet der Story jede Menge Angriffsflächen, die bedauerlicherweise nur teilweise genutzt werden. Insgesamt baut die Handlung kein Thema befriedigend aus. Den größten Anteil bekommt die Pubertät; dazu später mehr.

An Ausfeilung mangelt es der Geschichte. Die Ausgangslage ist unklar, es fehlt die Hintergrundgeschichte, warum die Zauberer bis auf einen dezimiert worden sind. Man kann der Meinung sein, dass es geeignetere Kandidaten für den mächtigen Zauberer gibt, als einen Teenager. Für Billy geht der Wunsch vieler Jugendlicher endlich erwachsen zu sein in Erfüllung. Er kann seinen Körper beliebig tauschen und die damit verbundene Macht nutzen. Das ist jedoch weniger lustig als in anderen Körpertausch-Komödien. Zachary Levi spielt den Superhelden mit körperlicher Komik, die Geschmackssache ist. Da er ein Jugendlicher im Körper eines Mannes ist, verbringt er seine Tage als Held nicht mit dem Vollbringen von Heldentaten, sondern posiert für Selfies, kauft Bier oder besucht einen Stipclub. Dann und wann hilft er seinem Stiefbruder bei dessen Problemen. Die Verbindung zwischen Shazam und Billy ist schwer auszumachen, weil es nicht nur zwei verschiedene Schauspieler sind, sondern auch zwei unterschiedliche Persönlichkeiten.

Die Pflegefamilie, in der Billy aktuell lebt, bildet einen weiteren Handlungsstrang, der das Thema Familie aufgreifen soll. Jedoch tritt die Familie zu selten wie eine auf, die einzelnen Personen leben nebeneinander statt miteinander. Das auffälligste Beispiel ist Jovan Armand, der, wenn ich mich nicht täusche, nur einen einzigen Satz sagt und ansonsten körperlich anwesend ist. Mit Freddy (Jack Dylan Grazer) könnte sich Billy reiben, denn Freddy ist körperlich behindert und könnte neidisch sein auf Billy. Ist er jedoch nicht, sondern hilft Billy die neue Rolle auszufüllen. Wobei es Freddy zugutekommt, dass er ein ausgewiesener Kenner von Superhelden-Comics ist. Das ist für das Drehbuch praktisch, weil jemand Fakten vermittelt und für den Zuschauer schade, weil das Konfliktpotenzial nicht genutzt wird. Weiterhin fällt auf, wie politisch korrekt die Familie lebt. So wird mehrfach betont, dass kein Fleisch auf den Tisch kommt, sondern nur Tofu.

Vom Comic übernimmt der Film die Rahmenbedingungen und den Tiefgang. Mehr als Sprechblasen sind die Dialoge leider nicht. Enttäuschend ist, dass die meisten Szenen mehr gesprochen als geschauspielert sind. Die Kämpfe verlaufen unspektakulär, stets unblutig und werden wiederholt ausgeblendet. Im Finale strecken sie die Handlung grundlos, weil sie auch jetzt nicht imposant sind. Die Spezialeffekte überzeugen kaum. Die sieben Todsünden treten als eine Art Nebelgeister auf und entsprechen nicht dem Stand des Machbaren. Shazams rotes Kostüm fällt ulkig aus. Djimon Hounsou schindet als Zauberer mit seiner Kaufhaus-Perücke wenig Eindruck.

Fazit
Der Film Shazam ist weniger ein Helden-Film als vielmehr eine Komödie, die deutlich zu lang geraten ist. Ihr Inhalt besteht überwiegend aus der Selbstfindung des Helden. Der Humor soll familientauglich sein, kann auch als albern empfunden werden. Das Thema Familie läuft die meiste Zeit mit und dient am Ende als aufgepfropfte Harmonie. Es ist in insofern ein Familienfilm, als dass alle Ecken und Kanten abgeschliffen sind. Was dem Film den einen oder anderen Abbruch tut. Der Film könnte Dir gefallen, wenn Dir "Deadpool" gefällt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 132
Genre: 3DAbenteuerActionComicFamilieFantasyHeldenKomödie
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 04.04.2019
Heimkino: -

Regie: David F. Sandberg
Drehbuch: Henry Gayden • Darren Lemke
Literaturvorlage: Bill Parker • C.C. Beck

Schauspieler: Asher Angel (Billy Batson) • Zachary Levi (Shazam) • Djimon Hounsou (Zauberer Shazam) • Mark Strong (Dr. Thaddeus Sivana) • Jack Dylan Grazer (Freddy Freeman) • Marta Milans (Rosa Vasquez) • Meagan Good (Darla Dudley) • Grace Fulton (Mary Bromfield) • Cooper Andrews (Victor Vasquez) • Natalia Safran (Mrs. Sivana) • Caroline Palmer (Billys Mutter) • Faithe Herman (Darla Dudley) • Ian Chen (Eugene Choi) • Ava Preston (Lillian Price) • Jovan Armand (Pedro Peña)

Produktion: Peter Safran
Szenenbild: Jennifer Spence
Kostümbild: Leah Butler
Maskenbild: Jo-Ann MacNeil
Kamera: Maxime Alexandre
Musik: Benjamin Wallfisch
Schnitt: Michel Aller


Bild: Warner Bros.

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