Roads

Kinoplakat Roads

Das Roadmovie begleitet zwei Teenager, die auf der Suche sind. Nach dem Platz im Leben beziehungsweise dem verschollenen Bruder. Was als Zweckbündnis beginnt, mündet in eine Freundschaft.

In Marokko treffen zwei grundsätzlich unterschiedliche Jugendliche zusammen: Gyllen besitzt den Mut und das Wohnmobil, hat jedoch keinen Führerschein und kann den Wagen nicht fahren. William fehlen Papiere und er weiß, wie man ein Auto fährt. Also arbeiten die zwei Jugendlichen in der Not zusammen und setzen Frankreich als gemeinsames Ziel. Dort will William nach seinem verschollenen Bruder suchen und Gyllen möchte lieber bei seinem Vater als bei der gewalttätigen Mutter leben.

Kritik

Die Ziele sind klar gesteckt und die Wege verschlungen. Das sollte für den Zuschauer interessant sein. Ist es jedoch nur bedingt, denn die Handlung nutzt das Abenteuer für die monotone Darstellung von Episoden, spricht viele Themen an und vertieft leider nur wenige. Das Drehbuch macht den Eindruck, als sollten möglichst viele Szenen und Bilder berücksichtigt werden. Was in der Umsetzung schlecht gelungen ist, weil das Grundsätzliche fehlt wie zum Beispiel die Zeichnung der Figuren. Fionn Whitehead in der Rolle des Gyllen gibt an ein Missbrauchsopfer zu sein. Doch er macht keinen gequälten Eindruck und wirkt nicht wie auf der Flucht vor seinen Eltern. Seine Kleidung und sein Verhalten passen nicht zu der Behauptung ein Bildungsbürger zu sein, der seinem kleinen Bruder taoistische Geschichten erzählt.
Ebenso wenig kaufe ich Stéphane Bak als William ab, dass er mitangesehen hat, wie zweihundert Menschen ertrunken sind, weil Drehbuch, Regie und Schauspiel mir das nicht vermitteln und die entsprechenden Szenen nicht lebendig werden lassen. Es bleibt bei gesprochenem Text.
Schade ist, dass es keine Weiterentwicklung gibt. Ich vermisse zu erfahren, warum die zwei jungen Männer Freunde werden. Am Anfang sind sie aufeinander angewiesen. Die zu erwartende Skepsis liegt in der Luft, man weiß nicht, ob man einander trauen kann. Diese verfliegt anlasslos ohne den Weg aufzuzeigen. Gleichfalls ohne Erklärung beichten die Jungs später einander ihre Geheimnisse.
Lange Zeit liegt der Eindruck in der Luft, die zwei haben ein Interesse aneinander. In Frankreich werden sie Opfer einer homophoben Attacke. Gegen Ende der Reise sagt William, dass er Gyllen wie einen Bruder liebt (in der gesehenen englischen Fassung). Zu Klarheit mag sich der Plot auch in dieser Hinsicht nicht aufschwingen und ein Liebespaar werden die jungen Männer nicht.

Der Film patzt allerdings nicht nur bei den Rollen, sondern auch beim Plot. Zu den Stolperstellen zählt, dass Gyllens Eltern die Polizei nicht benachrichtigen und nach ihm fahnden lassen. Die Episode mit Luttger (Moritz Bleibtreu) ist schlecht eingebunden. Er muss trotz seines Bierkonsums nicht auf die Toilette. Überrumpelt Gyllen so einfach, dass es unglaubwürdig ist. Nicht zuletzt fällt der seltsame Umstand auf, dass Gyllen mit zwei Smartphones reist. Schade ist die Vorhersehbarkeit einiger Abschnitte. Wenn Gyllen von seinem Vater schwärmt, liegt sofort der Verdacht in der Luft, dass der Senior das Gegenteil sein wird.

Fazit
Der Film "Roads" packt heiße Eisen an. Da er alle Themen stark abstrahiert (die Szene der häuslichen Gewalt nicht gezeigt, sondern nur von William gehört), ist er zugänglich und gleichzeitig flach. Die Dramatik lässt lange auf sich warten und tritt dann nur in Eruptionen auf. Zu viele Szenen sind gesprochen und nicht gespielt. Im Ergebnis ein monotoner Film ohne besondere Akzente.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: DeutschlandFrankreich
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 100
Genre: DramaRoadmovie
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 30.05.2019
Heimkino: -

Regie: Sebastian Schipper
Drehbuch: Sebastian SchipperOliver Ziegenbalg

Schauspieler: Fionn Whitehead (Gyllen) • Stéphane Bak (William) • Ben Chaplin (Paul) • Moritz Bleibtreu (Luttger) • Marie Burchard (Valerie) • Paul Brannigan (Alan) • Josep Maria Alejandre (Portier) • Ricard Balada (Student) • Yann Ebonge (Kongolese) • Hamza Kadri (Geschäftsmann) • Genís Lama Montosa (Mann auf Fähre) • Christian Mupondo (Kongolese)

Produktion: David Keitsch • Sebastian Schipper
Szenenbild: Chloé Cambournac
Kostümbild: Jürgen Doering
Maskenbild: Albane Cousinard
Kamera: Matteo Cocco
Musik: The Notwist
Schnitt: Monica Coleman


Bild: Studiocanal

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