Robin Hood

Kinoplakat Robin Hood

Robin Hood ist der Inbegriff des Freiheitskämpfers. Sein Mythos ist auch im Jahr 2018 noch aktuell, meint der Film und verleiht der Handlung um den Bogenschützen einen modernen Anstrich.

Der Vorspann verspricht, dass diese Fassung keine Gutenachtgeschichte werden wird. Und tatsächlich beginnt sie wie eine klassische Comic-Verfilmung mit einem entsprechenden Vorspann. Auch die Handlung schlägt diesen Weg ein. Es folgt die Vorstellung der Hauptrollen: Der adelige Robin Loxley (Taron Egerton) ist hoffnungslos verliebt in Marian (Eve Hewson). Das bittere Erwachen erfolgt durch Robins Einberufung, denn er soll als Kreuzritter für die Krone in Arabien kämpfen. Dort geraten die Briten in einen Hinterhalt und entkommen nur um Haaresbreite. Dabei wird Robin der Wahnsinn des Kriegs bewusst. Und es kommt zur ersten Begegnung zwischen ihm und dem Mann, den er später John nennen wird.

Wieder in Großbritannien steht Robin vor einem Scherbenhaufen. Sein Anwesen ist eine Ruine, Marian mit einem anderen Mann zusammen und der finstere Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) blutet das Land aus. Da tritt John (Jamie Foxx) an ihn heran und fordert Rache für den Tod seines Sohnes und das Ende von Krieg und Gewalt. Robin ist schnell überzeugt und will für das Gute kämpfen, lässt sich von John zu einer Ein-Mann-Armee ausbilden. Seinen alten Widersacher den Sheriff überlistet Robin im Handumdrehen und deckt alsbald auch dessen finstere Pläne auf, die der gemeinsam mit der Kirche verfolgt. Robin ahnt jedoch nicht, dass Tuck und Marian nicht untätig geblieben sind. Auch sie arbeiten im Untergrund.

Kritik

Der Film "Robin Hood" ist ein wilder Mix aus Comic, Action, Abenteuer, Romantik und Videospiel-Verfilmung. Seine Geschichte besteht aus Sprechblasen und ist dem Effekt untergeordnet. Die Darsteller reden fast pausenlos und trotzdem fehlt eine packende Handlung, die alles zusammenhält.

Die belanglosen Charaktere bieten keinen Unterbau. Eve Hewson ist eine spannungslose Marian. In einer albernen Szene steht sie in einer Art Suppenküche und verteilt heiße Speisen. Taron Egerton ist weichherzig, schelmisch und ohne Charisma. Was zum Teil gewollt ist, denn er ist der junge Robin auf seinem Werdegang. Eine solche Figur zur Hauptrolle zu machen ist problematisch, weil die Story die Entwicklung darstellen müsste. Tut sie jedoch nicht, sondern stellt die Taten in den Mittelpunkt. Die führen zu viel Action, die möglichst effektvoll sein soll. Die treibende Kraft des Rache-Dramas ist John, dargestellt von Jamie Foxx. Ihn habe ich in anderen Film überzeugend spielen sehen. Es ist schade, dass er in "Robin Hood" auf das Klischee des exotischen Kämpfers reduziert ist. Ben Mendelsohn lässt die Ausstrahlung von Autorität, Macht und Verschlagenheit vermissen.

Eine Weiterentwicklung der Rollen fehlt und ich kann mit den Helden vorübergehend mitgehen, doch weder mitfiebern noch mitfühlen. Zudem fällt wiederholt auf, dass die Beweggründe unstimmig sind. Ein Beispiel: Robin und John sind während des Kreuzzuges Todfeinde. Trotzdem versucht Robin das Leben von Johns Sohn zu retten. Das macht er, damit er und John später Kampfgefährten und Freunde werden. Nachvollziehbar ist Robins Vorgehen jedoch nicht. Hinzu kommt, dass die Schauspieler die Szenen, die sie spielen, kaum leben. Das legt den Verdacht nahe, dass Regisseur Otto Bathurst zu wenig aus ihnen herausgeholt hat.

Die Logik verwundert. Kurz nach der Heimkehr zahlt Robin dem Sheriff einen übertrieben hohen Tribut (den er zuvor gestohlen hat). Doch von wem soll ein Landbesitzer ohne Volk das viele Geld eintreiben? Das fragt der Sheriff nicht und fällt auf Robins durchsichtigen Plan herein. John gibt an, als blinder Passagier nach Britannien gekommen zu sein. Doch wie kann ein Mann sich auf einem so kleinen Schiff während der gesamten Überfahrt verstecken?

Der moderne Anstrich gelingt nicht gut. Bruder Tuck will das Volk aufwiegeln, indem er die Intrige des Sheriffs öffentlich macht. Das passt in die heutige Zeit. Doch es fällt schwer zu glauben, dass es das einfache Volk im Mittelalter interessiert, ob es vom Sheriff oder vom König geknechtet wird. Der Sheriff macht Robin zu einem Vertrauten und erzählt ihm von seiner schweren Kindheit im Armenhaus. Dieser Seelenstrip passt nicht zur Figur. In anderen Momenten tritt er als Populist im modernen Ledermantel auf. Er, Robin und Marian tragen Haarschnitte der Gegenwart, kurzfristig steht ein Afrikaner mit Dreadlocks im Bild. Im Gegensatz dazu transportieren die Bauwerke, Rüstungen und Pferdekutschen mittelalterliches Flair.

Die Kämpfe überzeugen nur bedingt. Die Action in Arabien ist optisch wie mit Schusswaffen inszeniert. Wobei der Film Pistolen und Maschinengewehre durch Pfeile und Bögen ersetzt. Was cool sein soll und sich beißt. Am Kampfgetümmel gefallen die Blitzschnitte nicht. Die Zeitlupen sind nett anzusehen. Die auffällig unblutige Darstellung steht im Widerspruch zur Brutalität der Kämpfe. Der Humor kommt sehr sparsam zum Einsatz. Tim Minchin als Bruder Tuck soll freche Sprüche liefern, erinnert an eine Figur von Monty Python und passt nicht recht ins Bild.

Fazit
Die Idee, eine andere Seite von "Robin Hood" aufzuzeigen ist zu begrüßen. Doch dieser Robin Hood als Auszubildender ist zu austauschbar als tragende Rolle. Die Konzentration auf wenige Figuren ergibt keine Dichte. Die Bezüge zur Jetztzeit sind nicht elegant gelöst und bleiben Stilbrüche. Eine Zeit lang macht das Sehen Spaß, doch es kommt der Moment, ab dem die Darstellung von Effekten und Sprechblasen nicht mehr ausreicht.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 116
Genre: AbenteuerAction
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.01.2019
Heimkino: -

Regie: Otto Bathurst
Drehbuch: Ben Chandler • David James Kelly

Schauspieler: Taron Egerton (Robin of Loxley) • Jamie Foxx (Little John) • Ben Mendelsohn (Sheriff of Nottingham) • Eve Hewson (Marian) • Jamie Dornan (Will Scarlet) • Tim Minchin (Friar Tuck) • Paul Anderson (Guy of Gisbourne) • F. Murray Abraham (Cardinal) • Ian Peck (Arch Deacon) • Cornelius Booth (Lord Pembroke) • Kane Headley-Cummings (Stoker) • Scot Greenan (Clayton)

Produktion: Jennifer Davisson • Leonardo DiCaprio
Szenenbild: Jean-Vincent Puzos
Kostümbild: Julian Day
Maskenbild: Felicity Bowring
Kamera: George Steel
Musik: Joseph Trapanese
Schnitt: Chris Barwell • Joe Hutshing


Bild: Studiocanal

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