Sie nennen ihn Radio

Kinoplakat Sie nennen ihn Radio

James Robert Kennedy (Cuba Gooding, Jr.) ist geistig zurückgeblieben. Seine Tage verbringt er damit, einen Einkaufswagen durchs Heimatdorf zu schieben. Er meidet die Bürger des Städtchens und die Bürger meiden ihn.

Ein Football durchbricht den gewohnten Gang. James sackt den verschossenen Ball ein, wofür einige Spieler der Football-Mannschaft ihn in einen Geräteschuppen sperren. Coach Jones (Ed Harris) befreit den armen Kerl und versucht zu dem verschüchterten Mann Kontakt zu knüpfen. Der sagt nicht viel außer Radio, womit er den entsprechenden Spitznamen weghat.
Mit der Zeit entsteht zwischen dem wortkargen Coach und dem Behinderten eine Freundschaft und Radio wird zum Glücksbringer der Mannschaft. Er darf sogar den Unterricht der Schule besuchen. Coach Jones geht soweit, die eigene Familie zugunsten des Schützlings zu vernachlässigen. Radios Dienst als Mannschaftsbetreuer ist dem Bankier des Städtchens ein Dorn im Auge. Der fürchtet, der Behinderte könnte die Karriere seines Sohnes vermasseln. Deshalb spinnt er wiederholt Intrigen, die nicht zuletzt für schlechte Stimmung im Barber Shop sorgen.

Kritik

In der Herkunft des Stoffes liegt eines der Probleme des Films begründet. Regisseur Mike Tollin kam die Idee zu dem Film, als er einen Artikel im Magazin "Sports Illustrated" las. Um den Stoff ins Kino zu bringen, musste die eigentliche Aussage größere Dimensionen annehmen. Im Kern ist es die kleine Geschichte geblieben. Eine Freundschaft zwischen einem Behinderten und einem Football-Coach. Das Drumherum, das einen Film ergeben soll, wirkt dementsprechend angeflickt. Nach einem langatmigen Einstieg bleibt die Handlung konfliktarm und ist zu dick aufgetragen. Die Gutmenschen des Films laufen praktisch mit Heiligenscheinen durch die Weltgeschichte und agieren sehr glatt. Am Schluss des Films ist aus dem Außenseiter Radio Everybody's Darling geworden.

Viele der wenigen Konflikte sind zudem vorhersehbar. Radios Mutter sagt, sie arbeite sehr hart. Wer nun denkt, dann wird sie bald sterben, rät richtig. Die Mutter stirbt an Überarbeitung. Ihr Sohn ist, laut ihrer Worte, nicht behindert, sondern nur langsamer im Denken. Der Behinderte darf also nicht behindert sein.
Cuba Gooding, Jr. als Radio ist herzensgut und herzlich naiv. Er geht beispielsweise treudoof in die Mädchen-Umkleide der Schule, weil man es ihm sagt. Das löst einen Skandal aus - der aber mit vereinten Kräften der Guten gemeistert wird. Was die deutsche Synchronisation von der Sprachakrobatik des Darstellers übrig lässt, muss sich zeigen. "Sie nennen ihn Radio" hätte ein guter, kleiner Film werden können. Der Versuch, ihn zum Spektakel auszubauen schlägt fehl.

Fazit
Der Verleih "Columbia TriStar" ist eher für Kracher wie "Bad Boys II" bekannt als für leise Filme. Gemäß der Studio-Philosophie lässt es auch dieser Film krachen - mit sentimentalem Kitsch.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Radio
Land: USA
Jahr: 2003
Laufzeit ca.: 109
Genre: BiografieDramaSport
Verleih: Columbia TriStar Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 06.05.2004

Regie: Michael Tollin
Drehbuch: Mike Rich

Schauspieler: Cuba Gooding Jr. (James Robert Kennedy "Radio") • Ed Harris (Coach Jones) • Alfre Woodard (Schuldirektorin Daniels) • S. Epatha Merkerson (Maggie Kennedy) • Debra Winger (Linda Jones) • Sarah Drew (Mary Helen Jones) • Brent Sexton (Honeycutt) • Chris Mulkey (Frank Clay) • Riley Smith (Johnny Clay) • Bill Roberson (Del)

Produktion: Herbert W. Gains • Brian Robbins • Michael Tollin
Szenenbild: Clay A. Griffith
Kostümbild: Denise Wingate
Maskenbild: Jeff Goodwin
Kamera: Don Burgess
Musik: James Horner
Schnitt: Chris Lebenzon • Harvey Rosenstock


Bild: Columbia TriStar Film

vorgeschlagen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen