Split

Kinoplakat Split

M. Night Shyamalan stellt die Frage, ob es eine Weiterentwicklung des Menschen gibt, die bislang als Krankheit gilt. Und er gibt darauf eine für ihn typische Antwort.

Drei Teenagerinnen werden von einem Mann entführt und in einem fensterlosen Raum eingesperrt. Kurz darauf begegnen sie dem Kidnapper wieder, der vollkommen verändert auftritt. Die Antwort auf dieses Rätsel gibt die Psychiaterin Dr. Fletcher. Sie weiß, dass der Entführer Kevin unter der dissoziativen Identitätsstörung leidet. Er verfügt über 23 Persönlichkeiten plus 1. Dr. Fletcher sieht in ihm etwas Besonderes und verkennt vor Bewunderung eine Wahrheit.

Zwei der drei Teenager versuchen zu entkommen. Wofür sie bestraft werden und voneinander isoliert. Nur Casey (Anya Taylor-Joy) gelingt es einen Kontakt zu einer der Persönlichkeiten des Entführers zu knüpfen. Sie kann ihn jedoch nicht dazu überreden, sie freizulassen. Nach weiteren Sitzungen bei der Therapeutin spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Kritik

Der Film "Split" setzt auf eine lange Strecke mit vielen Dialogen, während der James McAvoy mühelos von einem Augenblick zum nächsten in andere Rollen schlüpft. Er spielt jedoch nicht alle Persönlichkeiten, sondern etwas mehr als ein halbes Dutzend. Das gelingt dem Darsteller gut, jedoch nutzt der Effekt auf die Dauer ab. Dr. Fletcher hat viel Text, bietet aber keine Persönlichkeit auf. Ihre Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Geschichte nahezu im Klartext zu erzählen. Dadurch muss der Zuschauer wenig selbst herausfinden. Im Gegensatz dazu bleiben die Rückblenden in Caseys Vergangenheit schleierhaft. Wahrscheinlich wurde sie als Mädchen sexuell missbraucht. Was später eine Art Brücke zu Kevin darstellt; eine Andeutung dazu gibt es in einer der Therapiesitzungen. Die zwei anderen Teenagerinnen sind als Rolle zu vernachlässigen.

Wodurch die Spannung des Films entstehen soll, kann ich nur raten, weil bei mir keine aufkommt. Eine lange Strecke verbringt der Film mit Gesprächen, philosophiert darüber, ob Menschen mit DIS weiterentwickelt sind. Eine blinde Frau soll durch ihre Erkrankung wieder sehend geworden sein und Kevin besitzt übermenschliche Fähigkeiten. Es wird über Recht und Unrecht gesprochen, auch ein Massaker in Indien ist Thema.

Die zahlreichen Dialoge kann man vielleicht spannend finden. In meinem Ohr klingen sie wie Floskeln. Und auch optisch bietet der Film viel Blendwerk. So sind die Kellerräume im Finale ein schier unendlich langes Gewölbe. Die jungen Frauen sind selbst nach Tagen der Gefangenschaft stets adrett und müssen aus nichtigen Gründen halb nackt herumlaufen, um Haut zu zeigen. Warum der Täter insgesamt 24 Persönlichkeiten in sich trägt und der Film nur acht davon behandelt, weiß wohl nur M. Night Shyamalan.

Das lange angekündigte Grauen fällt enttäuschend aus. Das Monster kann zwar an senkrechten Wänden hochkrabbeln, aber optisch hält es das Versprechen nicht ein. An der Logik fällt auf, dass die Handlung ausspart zu verraten, wie es Kevin gelingt als Angestellter zu arbeiten. Ich gehe davon aus, dass es so ist, weil er Zugang zu den Kellern des städtischen Zoos hat. Und warum kommt nie jemand in den Keller, der schließlich Teil eines Geschäftsbetriebes und entdeckt Kevins Treiben? Casey sagt während ihres Fluchtversuches, sie wird in einem Kellerraum gefangen gehalten. Woher die Erkenntnis stammt, verstehe ich nicht. Sie weiß nur, dass die Räume fensterlos sind und das ist kein zwingendes Indiz für einen Keller. Die Bewunderung der Psychiaterin für ihren Klienten wird ihr zum Verhängnis. Das war absehbar Doch weshalb sie eine Möglichkeit zu entkommen erkennt und diese nicht nutzt, sondern sie niederschreibt, ist nicht nachvollziehbar.

Fazit
Night Shyamalan, der Drehbuch und Regie verantwortet, walzt eine dünne Story auf Filmlänge aus. Dem Drehbuch mangelt es an Bandbreite. Der Bezug zum Fantastischen ist krampfhaft.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: USA
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 117
Genre: FantasyKrimi
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 26.01.2017
Heimkino: 08.06.2017

Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan

Schauspieler: James McAvoy (Dennis, Patricia, Hedwig, Biest, Kevin Wendell Crumb, Barry, Orwell, Jade) • Anya Taylor-Joy (Casey Cooke) • Betty Buckley (Dr. Karen Fletcher) • Haley Lu Richardson (Claire Benoit) • Jessica Sula (Marcia) • Brad William Henke (Onkel John) • Sebastian Arcelus (Caseys Vater) • Neal Huff (Mr. Benoit) • Kate Jacoby (Patientin) • Robert Michael Kelly (Joe) • Emlyn Morinelli Macfarland (Kellnerin) • Peter Patrikios (Taxifahrer) • Christopher Lee Philips (Arbeiter) • Julie Potter (Rettungssanitäterin) • Lyne Renee

Produktion: M. Night ShyamalanJason Blum • Marc Bienstock
Szenenbild: Mara Lepere-Schloop
Kostümbild: Paco Delgado
Maskenbild: Pamela Peitzman
Kamera: Michael Gioulakis
Musik: West Dylan Thordson
Schnitt: Luke Ciarrocchi


Bild: Universal Pictures International

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