Eine Sommer-Komödie über Krebs? Diesen Widerspruch vereint die schottische Komödie. Dabei kommen weder die dramatische noch die unterhaltende Seite zu kurz.
Ivy hat den Krebs besiegt. Äußerlich ist ihr die Erkrankung nicht mehr anzusehen – doch mit den Folgen kämpft sie weiterhin. Wie sie es später sagt, hat sie es satt, Ivy mit Krebs zu sein. Sie möchte einfach nur Ivy sein. Die Zeit hat auch ihre Eltern mitgenommen und auch sie benötigen Abstand. Eben von ihrer Tochter. Doch der Vorschlag, vier Wochen in einem Chemo-Camp zu verbringen, klingt für Ivy wie eine Strafe und nicht nach Erholung.
Die Ankunft bei CRF (Children Run Free) scheint die Befürchtungen zu bestätigen. Patrick, der Leiter des Sommerlagers, ist ein Gutmensch. Es gibt eine Therapeutin und Jugendliche, die sich auf die Zeit freuen. Das kann nur schiefgehen. Ivy teilt sich eine Hütte mit Ella, die die Neue schnell in eine Clique einführt. Widerwillig zieht Ivy mit und stellt rasch fest, dass ihr die Gemeinschaft guttut. Endlich ist sie unter ihresgleichen, kann offen über Sorgen und Nöte sprechen. Außerdem ist da noch Jake, dessen Dackelaugen und die große Nase Ivy gar nicht gefallen. Behauptet sie zumindest.
Kritik
Die Jugendlichen erleben in einer Hinsicht ein typisches Ferienlager. Sie suchen nach der ersten großen Liebe, wollen das Mysterium der menschlichen Sexualität ergründen. Gehen durch Höhen und Tiefen, denn der Krebs ist der Spielverderber im Hintergrund. Das bekommt auch das Publikum zu spüren, wenn die Handlung unvermittelt ins Schwere kippt. Plötzlich hat Bob eine Vergangenheit und einen traurigen Grund, das Camp zu leiten. Die Jugendlichen werden mit einer heimtückischen Eigenschaft von Krebs konfrontiert: Er kann jederzeit wieder ausbrechen.
Eine Stärke des Films besteht darin, dass er diese Momente nicht ausspart und zeigt, dass das Leben auch nach Tiefschlägen weitergeht. Wo andere Filme in Selbstmitleid baden, bleibt "Sunny Dancer" realistisch. Sinngemäß sagt die Therapeutin, dass die Probleme sich mit der Zeit nicht auflösen, sondern es leichter wird.
Eine andere Stärke der dramatischen Komödie besteht in der Besetzung. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler bekommen leider nicht alle gleich viel Raum, spielen jedoch alle sehenswert.
Der Humor ist speziell. Mal herb, mal ruppig. Das wird nicht jedermann gefallen – dem Kritiker schon. Stellenweise ist die Kauzigkeit etwas dick aufgetragen: Ivys Eltern sind auf ihre verschrobene Art Bilderbuch-Eltern.
Bereits während des Sehens fragte sich der Kritiker, ob der Regisseur und Drehbuchautor eigene Erfahrungen verarbeitet hat? Er sagt dazu: "Als ich jung war, erkrankte meine Mutter über einen längeren Zeitraum an Krebs. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf die Welt nachhaltig geprägt. Mir war früh klar, dass ich eines Tages eine Krebsgeschichte erzählen wollte."
Fazit
"Sunny Dancer" ist eine dramatische Komödie mit Tiefgang. Das ungewöhnliche Thema klingt nicht einladend, und trotzdem ist der Film wegen seiner Eigenarten sehenswert.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 106
Genre: Drama • Komödie
Stichwort: Coming of Age
Verleih: capelight pictures
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren
Kinostart: 13.08.2026
Regie: George Jaques
Drehbuch: George Jaques
Schauspieler: James Norton (Bob) • Daniel Quinn Toye (Jake) • Bella Ramsey (Ivy) • Neil Patrick Harris (Patrick) • Jessica Gunning (Karen) • Ruby Stokes (Ella) • Shalom Brune-Franklin (Lucy) • Conrad Khan (Archie) • Earl Cave (Ralph) • Barbara D'Alterio (Ralphs Mutter) • Jasmine Elcock (Maisie) • James Blunt (James Blunt) • Josie Walker (Brenda) • Oluwafemi Jonathan Taiwo (Teenager) • Louis Gaunt (Tristan) • Joe Hughes (Michael) • Daisy Clarke (Polly) • Kat Murphy (Influencer) • Romany Shaw (Teenager)
Produktion: George Jaques • Ken Petrie
Szenenbild: Pat Campbell
Kostümbild: Liberty Bramall
Maskenbild: Annie McEwan
Kamera: Oliver Loncraine
Ton: Chris Campion
Musik: Zachary Dawes • Este Haim
Schnitt: Caitlin Spiller
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Bild: capelight pictures
