Stay

Kinoplakat Stay

In seinem abstrakten Kunst-Film rollt Regisseur Marc Forster ein Menschenleben auf. Eine Bilderschau, die sich ähnlichen Mechanismen bedient, wie surreales Theater. Wie passen der Psychiater, seine malende Freundin und ein Kunststudent, der in drei Tagen Suizid begehen will, zusammen? Mysterien über Mysterien.

Sam Foster (Ewan McGregor) vertritt seine depressive Kollegin als Universitäts-Psychiater. Eines Tages platzt der Kunststudent Henry Letham (Ryan Goslin) unangemeldet in seine Sprechstunde. Der ärgerliche Vorfall weckt spontan das Interesse des Mediziners, denn Henry leidet seit einem Unfall nicht nur an Gedächtnisverlust - er macht Vorhersagen, die später eintreffen, und kündigt an, in drei Tagen Selbstmord zu begehen. Das spornt Sam an, die Lebensgeschichte des jungen Mannes zu erforschen. Dabei geht er soweit das eigene Leben zu vernachlässigen. Sehr zum Ärger seiner Freundin Lila (Naomi Watts), die etwas mehr Unterstützung dringend brauchen könnte. Denn obwohl sie eine begabte Künstlerin ist, zweifelt sie an ihrem Talent. Schon einmal hat sie sich deshalb die Pulsadern aufgeschnitten.

Während Sam in immer seltsamere Erlebnisse verstrickt wird, er hat beispielsweise Déjà-vus, versteht der Hilfe suchende Henry sein Leben ganz und gar nicht mehr. Immer öfter stehen Fragen im Raum wie: Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es Schuld und Vergebung? Himmel und Hölle? Wiederholt taucht ein junges Mädchen neben ihm auf, das fragt: "Mami, muss der Mann sterben?"

Kritik

Der Film malt ein seltsames Geschehen auf die Leinwand, dessen Auflösung nicht verraten werden soll, denn er lebt davon, den Zuschauer bis kurz vor Schluss auf die Folter zu spannen. Ähnlich wie bei "Der Maschinist" kannst du bis zur Auflösung nicht sicher sein, was gespielt wird.

Wie bei einem surrealen Theaterstück verschieben sich die Ebenen. Menschen spielen Rollen, die nicht ihre eigenen sind (etwa wie in "Mulholland Drive"). Sie scheinen verschiedene Aspekte eines einzelnen Ich zu sein. Doch wessen Ich? Beginnt der Traum, wo die Realität endet oder ist es umgekehrt? Wessen Fantasien, Ängste und Wünsche verselbstständigen sich? Nicht zuletzt verwirrt die Ankündigung des Suizids.

Es fällt schwer, die Bilder und die eigenwillige Handlung mit ihren Symbolen während des Sehens zu deuten. Ebenso scheinen die Handlungen der Personen zunächst einem Sinn zu entbehren. Die Beziehung zwischen dem Psychiater und seiner Freundin etwa ist eigentlich gar keine Beziehung. Auch das Formale verwirrt: Warum läuft Ewan McGregor stets in Hosen mit zu kurzen Beinen herum? Was bedeuten die stetig wie zufällig auftauchenden Zwillinge?

Wie gesagt: Bis zum Finale bleibt dir als Zuschauer nicht viel anderes, als die interessanten Bilder zu betrachten, Symbole zu deuten und der guten Darstellung von Ewan McGregor zu folgen. Die Auflösung gibt dem Film in meinen Augen einen banalen Anstrich - doch das ist nicht objektiv, sondern eine Geschmacksfrage. Ich habe zwar eine Ader für Programmkino und Seltsames, doch "Stay" ist für mich ein Film, den ich mögen möchte, der mir jedoch nicht gefällt. Zu sehr wirkt es wie eine Kopfgeburt, wie Kunst um der Kunst willen und vernachlässigt zu sehr den Aspekt der Unterhaltung. Deshalb ist meine Wertung eine Einstufung nach Geschmack.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2005
Laufzeit ca.: 100
Genre: DramaMysteryThriller
Verleih: Kinowelt
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 23.02.2006
Heimkino: 25.08.2006

Regie: Marc Forster
Drehbuch: David Benioff

Schauspieler: Ewan McGregor (Dr. Sam Foster) • Ryan Gosling (Henry Letham) • Kate Burton (Mrs. Letham) • Naomi Watts (Lila Culpepper) • Elizabeth Reaser (Athena) • Bob Hoskins (Dr. Leon Patterson) • Janeane Garofalo (Dr. Beth Levy) • BD Wong (Dr. Ren) • John Tormey (Hausmeister) • José Ramón Rosario (Cabbie ) • Becky Ann Baker (Rettungsassistent) • Lisa Kron (Rettungsassistentin)

Produktion: Eric Kopeloff • Tom Lassally • Arnon Milchan
Szenenbild: Kevin Thompson
Kostümbild: Frank L. Fleming
Maskenbild: Joseph Farulla
Kamera: Roberto Schaefer
Musik: Tom Scott • Thad Spencer
Schnitt: Matt Chesse


Bild: Kinowelt

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