The Artist

Kinoplakat The Artist

Nostalgie ist für Kenner eine feine Sache, denn früher war alles besser. Warum das Rad der Zeit nicht einmal bis zu den Anfängen zurückdrehen und einen Stummfilm drehen? Diese Frage wirft der Film auf und gibt auch gleich eine Antwort darauf.

Ich erinnere mich an eine Diskussion mit einer Freundin. Wir sprachen darüber, auf welchen Sinn des Menschen wir verzichten würden, wenn wir auf einen verzichten müssten. Heute kommt mir die Debatte so albern vor, dass ich sie nicht noch einmal führen wollte. Wozu gegebene Möglichkeiten nicht ausschöpfen? Womit wir wieder beim Thema wären: Auch "The Artist" kann mir diese Frage nicht beantworten.

Zugegeben: Es ist mutig, in Zeiten, in denen manche Filme hauptsächlich von Spezialeffekten leben, die Farbe wegzulassen. Mehr noch: Es könnte ein reizvolles Stilmittel sein. Ähnlich wie bei Fotos, die in schwarz-weiß manchmal stärker wirken als in Farbe. Bezogen auf den Film entpuppt sich das Schwarz-weiß als Effekthascherei, denn die Kameraführung erfolgt im modernen Stil und entspricht nicht einem klassischen Stummfilm.

Ähnliches gilt für die Tonspur. Aufgrund der unablässig redenden Schauspieler, macht der Film einen ganz normalen Eindruck - nur dass die Stimmen fehlen. Die ersetzt ein Soundtrack, der oft nicht zur Szene passt und darüber hinaus anstrengt. Somit gibt es ein Weglassen von ... Doch die Reduktion hinsichtlich Bild und Ton ergibt für mich keinen Stummfilm im Sinne eines klassischen Stummfilms.

Was mich weiterhin stört ist das Fehlen einer Film füllenden Handlung: Ein gefeierter Stummfilmstar ergeht sich in Stolz und Selbstmitleid, weigert sich beharrlich Tonfilme zu drehen und gerät in Vergessenheit. Zeitgleich wird die Tänzerin Peppy Miller zu gefeierten Tonfilm-Schauspielerin. Am Ende finden beide zueinander und eine Lösung für den Sprachverweigerer.

Folglich wäre der Weg das Ziel. Doch der ist nicht kunstvoll inszeniert. Statt die Charaktere auszuleuchten, bleibt es bei Klischees. Der Stummfilmstar ist ein Sturkopf, sein Diener ist ihm treu ergeben und sie ist die Gutherzige. Er nimmt den Niedergang seiner Karriere wie auch seiner Ehe in Kauf. Derweil macht sie, quasi als Kind der neuen Zeit, Karriere und ist unheilbar in den Egozentriker verliebt.

Das wäre der Stoff einer romantischen Komödie, wenn es zwischen Mann und Frau eine Verbindung gäbe. Doch so bleibt es bei zwei Handlungssträngen, die nur deshalb zusammenlaufen, weil das Drehbuch es so will. Denn warum sollte eine junge, aufstrebende Schauspielerin, die einen Mann an jedem Finger haben könnte, einen wesentlich älteren Mann lieben, dessen Karriere beendet ist und der nur sich selbst liebt und seinen Hund? Apropos. Der Hund ist klasse - im Gegensatz zu Jean Durjadin, der mich in seiner affektierten Art der Darstellung an ein dressiertes Äffchen erinnert.

Nicht zuletzt kann man argumentieren, dass der Film eine zweite Ebene transportiert. Die Verweigerung vor dem Fortschritt erinnert an die derzeitige Situation der Unterhaltungsindustrie. Statt den Wandel der Zeit anzuerkennen, halten die Großen der Branche an Überholtem fest. Ich will das Thema jetzt nicht vertiefen, weil der Film auf mich nicht den Eindruck macht, als sei dies gewünscht.

Fazit
Ich habe bei "The Artist" das Gefühl, dass mir jemand einen Film verkaufen will, der nicht ist, was er vorgibt zu sein. Daran finde ich keinen Gefallen
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: BelgienFrankreich
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 100
Genre: RomantikSpielfilm
Verleih: Delphi Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 26.01.2012
Heimkino: 30.06.2012

Regie: Michel Hazanavicius
Drehbuch: Michel Hazanavicius

Schauspieler: Jean Dujardin (George Valentin) • Bérénice Bejo (Peppy Miller) • John Goodman (Al Zimmer) • James Cromwell (Clifton) • Penelope Ann Miller (Doris) • Missi Pyle (Constance) • Beth Grant (Peppy's Maid) • Ed Lauter (Peppys Butler) • Joel Murray (Policeman Fire) • Bitsie Tulloch (Norma) • Ken Davitian (Pawnbroker) • Malcolm McDowell (The Butler)

Produktion: Thomas Langmann
Szenenbild: Laurence Bennett
Kostümbild: Mark Bridges
Maskenbild: Cydney Cornell
Kamera: Guillaume Schiffman
Musik: Ludovic Bource
Schnitt: Anne-Sophie Bion • Michel Hazanavicius


Bild: Delphi Filmverleih

1 customer review

ausreichend
26.01.12
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