The Guys

Kinoplakat Guys

Nick steht vor einem großen Problem. Als Captain der New Yorker Feuerwehr muss er während einer Trauerfeier Reden halten für die Feuerwehrmänner, die am 11. September ums Leben kamen. Nicht nur, dass von den meisten noch keine Leichen gefunden wurden, Nick hat es nicht so mit den Worten. Gemeinsam mit der Journalistin Joan setzt sich Nick daran die Reden für vier seiner Leute auszuarbeiten.

4 Trauerreden wollen die Zwei an einem Nachmittag schreiben. Beim Kaffee in Joans Küche kommen sich der verschlossene Nick (Anthony LaPaglia) und die analytische Joan (Sigourney Weaver) näher. Nick fällt es schwer über die Vorfälle des 11. September zu reden. Doch je länger das Zusammentreffen dauert, desto mehr kommt Nick aus sich heraus und beginnt die Gefühle sowie die Trauer zuzulassen. Joan hilft Nick, indem sie die richtigen Fragen stellt und wird während des Schreibens emotional immer tiefer ins Geschehen hineingezogen. Sie hilft Nick seine verschollenen Kameraden zu skizzieren und derart Profile der toten Männer erstellt. Gleichzeitig erfährt sie Details aus dem Alltag der New Yorker Feuerwehrmänner.

"The Guys" basiert auf dem Theaterstück von Anne Nelson. Ähnlich wie im Theater gibt es im Film wenige unterschiedliche Handlungsorte. Das Duo wechselt von der Küche ins Wohnzimmer, ins Kaminzimmer und landet am Ende wieder in der Küche. Zwischenzeitlich wird das Gespräch unterbrochen. Man sieht Joan die an ihrem Notebook sitzt und über das Geschehen oder ihre Vergangenheit philosophieren. Joan dealt wiederholt mit Gott. Ihr letzter Deal: Sie möchte, dass die Geschehnisse rückgängig gemacht werden - so wie man einen Film rückwärts laufen lassen kann.
Laut Joans Philosophie ist New York eine verwundete Stadt, die ihren Jazz verloren hat. Sie selbst sieht sich einerseits als New Yorkerin, ist aber gleichzeitig die Frau vom Land, die im Coffeeshop die Leute nach ihrem Befinden fragt, was in New York sonst niemand macht. Bisweilen driften Joans Fantasien in eigenartige Gedanken ab. Sie stellt sich vor mit Nick einen Tango zu tanzen. Des Weiteren stellt sie sich vor, wie der untersetzte Mann leichtfüßig durch Rauch und Feuer schreitet.

Kritik

"The Guys" setzt den Menschlichkeitsfaktor sehr hoch an. Sigourney Weaver spielt die Journalistin Joan mit großer Wärme und Herzlichkeit - gleichzeitig auch mit großer Korrektheit. Wenn man erwartet, die Schauspieler werde gleich "Oh" sagen, oder die Augen niederschlagen, dann passiert genau dies im nächsten Augenblick. Das ist keine schlechte Darstellung, sondern vielmehr eine amerikanische Art beim Schauspiel Emotionen auszudrücken. Diese Art der Schauspielerei ist über weite Strecken vorhersehbar.
Die toten Feuerwehrleute werden als Helden mit kleinen menschlichen Schwächen skizziert. Das ist angesichts der Ereignisse tragbar, wirkt jedoch zweischneidig und gibt dem Ganzen den Beigeschmack der Glorifizierung. Dazu passt auch, dass Joan morgens mit einem gedanklich leeren Kopf aufwacht und ihr erster Gedanke gilt den Geschehnissen des 11. September.

"The Guys" schreckt auch vor ausgesprochenem Kitsch nicht zurück. Etwa dann, wenn die Journalistin eine Feuerwache besucht und die Dienst habenden Feuerwehrmänner nach der Küche fragt. Das Ende des Films gipfelt in Kitsch. Die Trauerfeier wird gehalten. Nick hält die vierte Rede, die Joan im Publikum mitspricht. Dann trägt Nick einen Feuerwehrhelm wie eine Reliquie durch die Kirche.

In einer Szene kommt eine Problematik zur Sprache, die sehr interessant ist. Joan liest die dritte Trauerrede und bricht in Tränen aus. Nick macht sie darauf aufmerksam, dass sie nicht betroffen ist. Joan antwortet, sie möchte gerne betroffen sein. Dieses Phänomen war nach dem 11. September sehr oft zu beobachten. Obwohl kaum ein Deutscher Angehörige, Verwandte, Freunde oder Geschäftspartner verlor, lag ein Schock auf den Deutschen. Ohne das Thema auswalzen zu wollen - man darf sich schon fragen, warum das Attentat die Menschen mehr berührte als verhungernde Menschen in Afrika oder Kriegstote im Nahen Osten?

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken. Der Film ist nicht schlecht. Die Darsteller sind gut. Es ist allerdings ein amerikanisches Thema, das auf amerikanische Weise behandelt wird. Was sich zum Beispiel durch übermäßige Ergriffenheit der Darsteller und die Heldenstilisierung äußert. Im Jahr 2003 scheint der Film ein Jahr zu spät in die Kinos zu kommen. Aber hätten Zuschauer den Film kurz nach dem Attentat bereits sehen wollen? Es bleibt abzuwarten, ob das deutsche Publikum sich von dem Thema (heute noch) angesprochen fühlt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: USA
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 85
Genre: Drama
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 20.11.2003
Heimkino: 02.09.2004

Regie: Jim Simpson
Drehbuch: Anne Nelson • Jim Simpson

Schauspieler: Sigourney Weaver (Joan) • Anthony LaPaglia (Nick) • Irene Walsh (Joans Schwester) • Jim Simpson (Joans Ehemann) • Charlotte Simpson (Joans Tochter) • Julian Trompeter (Joans Sohn) • Katherine Schreiber (Joans Nichte) • Lucas Debassac (Joans Neffe) • Shelita Birchett (Masseurin) • Ron Dortch (Joans Freund) • Alfredo Dortch (Kassierer) • Julia Nelson Black (Messdiener) • David Nelson Black (Messdiener)

Produktion: Jason Kliot • Joana Vicente
Szenenbild: Susan Block
Kostümbild: Sarah Beers
Maskenbild: Linda DeVetta
Kamera: Maryse Alberti
Musik: Mychael Danna
Schnitt: Sarah Flack


Bild: Constantin Film

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