The International

Kinoplakat The International

Für Banken und Banker empfinden im Februar 2009 wohl nur wenige Menschen Sympathien. Scheint ihre Gier doch eine ebenso einfache wie willkommene Erklärung für die aktuellen Turbulenzen der Finanzmärkte zu sein. Interessant wäre deshalb der Denkansatz, dass die Banker nur zum Teil die Verantwortung tragen; sich ansonsten schlicht und ergreifend zeigt, dass das Finanzsystem als solches nicht funktioniert.

Aber auf beide Themen will der Film nicht hinaus. Die namensgebende fiktive Bank aus Luxemburg, die "International Bank for Business and Credit" kurz IBBC, hat sich auf besondere Märkte spezialisiert. Sie unterstützt zum Beispiel Waffenkäufe oder plant aktuell einen afrikanischen Diktator an die Macht zu bringen. Ihr Gewinn besteht nicht nur in Zinsen, sondern auch im Ausüben von Macht.

Diese Machenschaften verfolgt Interpol-Agent Louis Salinger (Clive Owen) schon seit Längerem. Doch die Gegenseite scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein. Unter Salingers Augen geschehen offene und verdeckte Morde. Rückendeckung erhält der, von Wind und Wetter gegerbte Schnüffler, unter anderem von der amerikanischen Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts). Gemeinsam gelingt es ihnen in Italien eine heiße Spur zu finden, doch kaum scheinen sie so etwas wie eine verfolgbare Fährte gefunden zu haben, pfeifen die Vorgesetzten sie zurück. Wieder scheint die Gegenseite gewonnen zu haben. Doch Kollege Zufall greift dem Duo unter die Arme.

Kritik

Den klaren Mittelpunkt des Filmes bildet Clive Owen. Er spielt den unerbittlichen, teils auch von persönlichem Rachedurst, getriebenen Ermittler. Einen Mann ohne Privatleben, ohne Familie und Vergangenheit. Das ist hinsichtlich des Schauspiels gut gelungen, denn Owens Gesicht spricht auch ohne tiefer gehendes Drehbuch Bände. Aber von der Story hätte ich insgesamt doch etwas mehr Stoff erwartet. An Owens Seite bleibt Naomi Watts erstaunlich blass, weil die Geschichte ihr kaum Möglichkeiten zur Entfaltung bietet. Sie darf ab und an einige weibliche Qualitäten sprich Gefühle beisteuern, aber zur gleichwertigen Partnerin steigt sie nicht auf.

Der Spannungsbogen lebt nicht von atemberaubenden Spezialeffekten, Verfolgungsjagden, Luxus oder exotischen Orten, sondern setzt auf die Enthüllung der Story. Dabei weiß der Zuschauer fast nie mehr als der Ermittler selbst. Das ist insgesamt gelungen und die Spannungskurve hält über die relativ lange Laufzeit von knapp zwei Stunden. Allerdings wirkt der Film aufgrund der reduzierten Machart wiederholt wie ein überlanger Fernsehkrimi. Wobei die Schießerei im Guggenheim-Museum aus dem Rahmen fällt und je länger dieses Geballere dauert, desto künstlicher scheint es. Im Zusammenspiel von Inszenierung und Schnitt wirken einige Szenen arg ausgekostet. Da wird die Szene von rechts, von links, von oben und von unten gezeigt, ehe dann endlich das passiert, was am meisten zu erwarten war.

Fazit
"The International" ist kein Überflieger, aber handwerklich solide gemacht, mit durchgehendem Spannungsbogen und einem sehenswerten Clive Owen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: DeutschlandUSA
Jahr: 2008
Laufzeit ca.: 118
Genre: ActionDramaKrimi
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 12.02.2009
Heimkino: 17.09.2009

Regie: Tom Tykwer
Drehbuch: Eric Warren Singer

Schauspieler: Clive Owen (Louis Salinger) • Naomi Watts (Eleanor Whitman) • Armin Mueller-Stahl (Wilhelm Wexler) • Ulrich Thomsen (Jonas Skarssen) • Brían F. O'Byrne (Consultant) • Michel Voletti (Viktor Haas) • Patrick Baladi (Martin White) • Jay Villiers (Francis Ehames) • Fabrice Scott (Nicolai Yeshinski) • Haluk Bilginer (Ahmet Sunay) • Luca Barbareschi (Umberto Calvini) • Alessandro Fabrizi (Inspector Alberto Cerutti)

Produktion: Lloyd Phillips • Charles Roven • Richard Suckle
Szenenbild: Uli Hanisch
Kostümbild: Ngila Dickson
Maskenbild: Björn Rehbein
Kamera: Frank Griebe
Musik: Reinhold Heil • Johnny Klimek • Tom Tykwer
Schnitt: Mathilde Bonnefoy


Bild: Sony Pictures

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