The Report

Kinoplakat The Report

Ein Skandal ist Gegenstand dieses Enthüllungs-Dramas. Der namengebende Report, der zutreffend auch als Folter-Report bezeichnet wird, ist salopp gesprochen unglaublich. Wie auch der Umgang der Politiker mit den Fakten. Beste Voraussetzung für ein politisches Drama.

Der Report, den Daniel Jones über die CIA erstellte, kann einem den Atem rauben. Er deckt die Praktiken auf, die die Central Intelligence Agency nach dem 11.09.2011 anwendete, um Gefangene geständig zu machen. Dabei kam es zu Handlungen, die als Folter eingestuft werden können, aber die USA foltern nicht. Als Rechtfertigung legten sie den Begriff der Folter spitzfindig aus. Warum Menschen andere Menschen foltern, kann der Film nicht erklären. Er bietet Thesen wie die Angst nach den Terroranschlägen oder die Scham darüber, dass die mächtige CIA diese nicht verhindern konnte.

Der Schwerpunkt des Films ist das Aufdecken und die Entlarvung. Daniel Jones (Adam Driver) arbeitet sechs Jahre lang an seinem Report und legt dabei immer neue Schichten des Skandals frei. Beispielsweise die theoretische Vorstellung der anzuwendenden Foltermethoden. Zunächst werden sie sachlich erklärt und dann in der Praxis umgesetzt. Dabei stellen die Folterknechte fest, dass ihre Methoden nicht funktionieren und verdrehen die Erkenntnis ins Gegenteil. Ihre Herangehensweise wird von der CIA gebilligt. Laut dem Film haben auch Politiker von der Folter gewusst. Die Veröffentlichung des Berichts, der den Beinamen "The Torture Report" trägt, versucht das Weiße Haus zu verhindern, obwohl die Regierung gewechselt hat und mittlerweile Barack Obama regiert. Indirekt stehen Personen der Zeitgeschichte am Pranger, ohne selbst aufzutreten. Für die Vereinigten Staaten spricht Senatorin Dianne Feinstein, die das Gewissen Amerikas bildet und klar für Aufrichtigkeit und Moral eintritt.

Kritik

Die Handlung ist als Kammerspiel inszeniert. Die Kamera verlässt Innenräume nur selten und hat den Fokus fest auf wenige Personen gerichtet. Die verkörpern in erster Linie ihr Amt beziehungsweise ihre Position, transportieren viel Text und wenig Schauspiel. Ein Privatleben hat hier niemand und die Darstellung der Figuren als Menschen mit sozialem Umfeld fehlt. Der Schwerpunkt liegt auf den Fakten und die Menschen arbeiten ihnen zu. Wer den Film als Drama betrachtet, kann den menschlichen Anteil vermissen. Interessant er auf jeden Fall für an Geschichte und Politik interessierte Menschen.

Der Fokus unterscheidet zwischen Jetztzeit und Vergangenheit. In der Gegenwart kommt eine ruhige Kamera zum Tragen und es erfolgen Schnitte, während in der Rückschau eine wackelige Handkamera für Unruhe sorgt und anstelle von Schnitten viele Schwenks zum Einsatz kommen. Die Anzahl der verwendeten Stilmittel ist überschaubar und lässt auf Dauer Bandbreite vermissen. Beispielsweise kommt es immer wieder zu Gesprächen zwischen Jones und der Senatorin. Jones blickt Hilfe suchend zur Sekretärin, die ihm erklärt, was die Senatorin sagen will.

Fazit
Der Film "The Report" ist wie eine Zwiebel, deren einzelne Schichten entblättert werden. Der aufgedeckte Skandal ist unglaublich und eine größere Darstellung denkbar. Aufgrund der Herangehensweise als Kammerspiel ist es sehenswertes Programmkino.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Alternativtitel: The Torture Report
Land: USA
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 119
Genre: Drama
Verleih: Amazon Studios
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 07.11.2019
Heimkino: 29.11.2019

Regie: Scott Z. Burns
Drehbuch: Scott Z. Burns

Schauspieler: Adam Driver (Daniel Jones) • Corey Stoll (Cyrus Clifford) • Evander Duck Jr. (Security Guard) • Jon Hamm (Denis McDonough) • Linda Powell (Marcy Morris) • Annette Bening (Senator Dianne Feinstein) • Sandra Landers (Sekretärin) • John Rothman (Senator Sheldon Whitehouse) • Victor Slezak (Senator Jay Rockefeller) • Guy Boyd (Senator Saxby Chambliss) • Alexander Chaplin (Sean Murphy) • Joanne Tucker (Gretchen)

Produktion: Scott Z. Burns • Jennifer Fox • Danny Gabai • Eddy Moretti • Kerry Orent • Steven Soderbergh • Michael Sugar
Szenenbild: Ethan Tobman
Kostümbild: Susan Lyall
Maskenbild: Martha Melendez
Kamera: Eigil Bryld
Musik: David Wingo
Schnitt: Greg O'Bryant


Bild: Amazon Studios

1 customer review

befriedigend
03.11.19
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