The Village - Das Dorf

Kinoplakat Village Das Dorf

Tabus sind ungeschriebene Gesetze, die einen Teil des menschlichen Miteinanders regeln. Der Tabubruch kann unter Strafe stehen beziehungsweise Sanktionen nach sich ziehen. Im Laufe der Zeit können Tabus hinfällig werden. Drehbuchautor und Regisseur M. Night Shyamalan zeigt einen Mikrokosmos, in dem Tabus eine besondere Rolle spielen.

Szenen ohne Ton eröffnen den Film. Alles scheint ein einziges Idyll in diesem Dorf. Doch schon bald irritiert das Ausreißen einer roten Blume. Rot ist die Farbe, welche die, von denen man nicht spricht, anzieht. Das Verbot ist nur eines der Tabus, die das Leben der isolierten Gemeinde regeln. Rings von Wäldern umgeben liegt die kleine Siedlung wie eine abgeschnittene Insel. Die Wälder dürfen nicht betreten werden, denn dort hausen Kreaturen, die es nicht dulden, dass ein Mensch ihr Territorium betritt. So predigt es der Ältestenrat. Doch plötzlich machen unvorhergesehene Umstände es nötig, das Tabu zu brechen. Eine junge, blinde Frau wird in den Wald geschickt.

Kritik

Es ist schwierig den Film greifbar zu kommentieren, ohne den Plot verraten. Deshalb entschuldige bitte, die wenig fassbare Kritik. Regisseur M. Night Shyamalan gibt sich Mühe Illusionen zu erschaffen, die er später, von einem Paukenschlag begleitet, entzaubern möchte. Da ihm anfangs die Täuschung misslingt, funktionieren auch die Wendungen der Story nicht. Seine diffuse Erzählweise schadet auch dem Spannungsbogen. Längen und Tempoeinbrüche sind die Folge. Der Trailer verspricht knackigen Grusel, den die schwammige Schilderung nicht bietet. Die Story pendelt zwischen Grusel, Horror und Fantasy ohne ein Genre wirklich zu bedienen.

Die unscharf gezeichnete Handlung spielt anfangs in einem Dorf des 19. Jahrhunderts beziehungsweise an einem Ort, der von einer Sekte geführt wird. Genaues weiß man nicht. Es tagt der Ältestenrat und die Menschen leben in Frieden, nur die Sorgen des Alltags plagen sie. Da die Siedlung komplett von Wald umgeben ist, werden jede Nacht am Waldrand Fackeln entzündet, die die Kreaturen des Waldes abschrecken sollen. Diese Monster wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden und niemand darf ihren Wald betreten. Wer jetzt fragt, wie kamen die Menschen auf die Lichtung, der ist im falschen Film, denn "The Village - Das Dorf" hält grundsätzlich wenig von Logik. Erst spät erfährt man, weshalb die Menschen auf die Lichtung kamen und was sie dort hält. Diese Erklärungen sind jedoch haarsträubend.

Später, der Zuschauer ist bereits in das Geheimnis eingeweiht, versucht Shyamalan ihn noch einmal an der Nase herumzuführen. Das gelingt ihm ähnlich gut wie einem Kind, das mit von Schokolade verschmiertem Mund behauptet, nicht genascht zu haben. Ohne zu viel verraten zu wollen - die Verkleidung der Kreaturen fällt so albern aus, dass man schon blind sein muss, um sich davor zu gruseln.
Nun bleibt noch der Unterbau der Story. Hier verschenkt das Drehbuch den Konfliktstoff. Die Gründer des Dorfes waren auf der Suche nach einem besseren Leben. Diese Hoffnung ist durch die jüngsten Ereignisse zumindest infrage gestellt, wenn nicht sogar entzogen. Jetzt heißt es weitermachen, wie bisher oder die Dinge hinterfragen? An dieser interessanten Stelle endet der Film.

Den Schauspielern ist kein Vorwurf zu machen. Sie versuchen dem holperigen Drehbuch so gut es geht Leben einzuhauchen, dabei lösen sie auch Eigenwilligkeiten: Weshalb sollte beispielsweise eine blinde Frau mehrfach ihren Stock wegwerfen und damit die Orientierung verlieren? Die Story kann noch mehr seltsames aufweisen, wie Sündenkästen mit brisantem Inhalt oder nächtliche Festbeleuchtungen am Waldrand, für die derartig viel Rohstoffe verbraucht werden, dass man sich wundern darf, woher sie genommen werden?

Fazit
Insgesamt ist die Idee hinter dem Film nicht schlecht. Ein Gutteil des menschlichen Zusammenlebens basiert auf Tabus. Das hat M. Night Shyamalan gut beobachtet. Sein Projekt scheitert an Längen, Überzeichnung der Charaktere sowie der allgemein unglaubwürdigen Umsetzung.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: The Village
Land: USA
Jahr: 2003
Laufzeit ca.: 108
Genre: DramaFantasyGruselHorrorMystery
Verleih: Buena Vista
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 09.09.2004
Heimkino: 17.02.2005

Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan

Schauspieler: Bryce Dallas Howard (Ivy Walker) • Joaquin Phoenix (Lucius Hunt) • Adrien Brody (Noah Percy) • William Hurt (Edward Walker) • Sigourney Weaver (Alice Hunt) • Brendan Gleeson (August Nicholson) • Cherry Jones (Mrs. Clack) • Celia Weston (Vivian Percy) • John Christopher Jones (Robert Percy) • Frank Collison (Victor) • Jayne Atkinson (Tabitha Walker) • Judy Greer (Kitty Walker) • Fran Kranz (Christop Crane) • Michael Pitt (Finton Coin) • Jesse Eisenberg (Jamison)

Produktion: Sam Mercer • Scott Rudin • M. Night Shyamalan
Szenenbild: Tom Foden
Kostümbild: Ann Roth
Maskenbild: Bernadette Mazur
Kamera: Roger Deakins
Musik: James Newton Howard
Schnitt: Christopher Tellefsen


Bilder: Buena Vista

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