Unleashed - Entfesselt

Kinoplakat Unleashed Entfesselt

Action-Drama mit Bob Hoskins und Jet Li: Bart arbeitet vor allem deshalb als erfolgreicher Geldverleiher, weil er die richtigen Argumente aufbieten kann. Danny folgt ihm aufs Wort und arbeitet wie ein pawlowscher Hund. Sobald ihm sein Herrchen das Halsband abnimmt und fordert, Danny soll sie sich holen, stürmt er los. Dabei kann ihn nichts und niemand aufhalten, denn Bart hat ihn zur Killermaschine erzogen.

Außerhalb der Kämpfe fristet Danny (Jet Li) ein trostloses Leben in einem Käfig, der in den Fußboden einer Fabriketage eingelassen wurde. Seine Entwicklung ist auf dem Stand eines Sechsjährigen stehen geblieben. In freien Stunden blättert er im Bilderbuch, er liebt den Buchstaben P (wie Piano) oder prügelt auf seinen Sandsack ein.
Eines Tages versagt er. Bart (Bob Hoskins) kann ihm das Halsband nicht abnehmen, weshalb Danny tatenlos zuschaut, wie der Boss und seine Leibwächter fast totgeschlagen werden. Das nächste Mal versagt Danny, als er im Lagerraum eines Antiquitätenhändlers den blinden Klavierstimmer Sam (Morgan Freeman) trifft. Wieder kommt Bart nur um Haaresbreite mit dem Leben davon. Schlimmer sieht es aus, als er in einen Hinterhalt gerät. Nur Danny kommt davon und schleppt sich in das Lagerhaus, wo er auf Sam trifft. Der stellt keine Fragen und pflegt ihn gesund. Für Danny beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Er freundet sich mit Sams Stieftochter Victoria an. Die schult ihn in den wichtigsten Dingen des Lebens. Doch die Vergangenheit holt ihn ein.

Kritik

Der Film "Unleashed - Entfesselt" versucht zwei Genres unter einen Hut zu bringen: Martial-Arts und Sozialdrama und stellt im Ergebnis nicht zufrieden. Er eröffnet mit einem ekelhaften Kampf, bei dem es mehr um Gemetzel geht als um Kampfkunst. Ausgerissene Haare und Tritte in die Weichteile werden in Großaufnahme präsentiert, letzteres mit einem matschigen Geräusch unterlegt. Im Lauf der Handlung spitzt sich diese Darstellung zu, ohne besser zu werden. Im Gegenteil: Das Finale endet in sinnlosem Getrete und Geballer. Die Choreografien der Kämpfe sind durchschnittlich, Kamera und Schnitt verfahren wie bei einem Videoclip und vollbringen keine erwähnenswerten Leistungen.

Die andere Seite der Erzählung fruchtet ebenfalls nicht. Der Film wechselt zu einem platten Drama. Zum einen ist es erstaunlich, dass Danny, mit dem die Bösen nie ganze Sätze sprechen, flüssig reden kann. Er ist zwar auf dem geistigen Stand eines 6-jährigen, aber versteht komplex abstrahierte Zusammenhänge. So begreift er, dass es für Victoria schmerzhaft ist, die Mutter verloren zu haben. Ohne eine Vorstellung davon zu haben, was das Wort "Mutter" bedeutet, denn die entsprechende Erinnerung kehrt erst später wieder. Interessant auch, dass es nur vier Wochen dauert, bis aus Kaspar Hauser ein Mensch der Jetztzeit wird. Seine Schulung erinnert an "Sesamstraße". So essen Danny und Victoria Eis. "Eis ist erst kalt und dann süß", erklärt sie. "Eis ist erst kalt und dann süß ..." wiederholt Danny mindestens dreimal.

Jet Lis Schauspielkunst rettet wenig. Wenngleich ihn sein Herrchen als Hund bezeichnet, erinnert der Blick eher an ein Reh aus dem Hause Disney. Einzig im Kampf bietet er sehenswerte Darstellungen. Seine Ausstrahlung unterbietet nur Kerry Condon als Victoria, die fast gar nichts mehr ausdrückt. Weshalb sich Morgan Freeman und Bob Hoskins in den Film verirrten, bleibt mir unverständlich. Freeman (Oscar für "Million Dollar Baby") spielt eine Mischung aus Ray Charles und gutmütigem Elefanten. Das ist, in den Grenzen des Drehbuchs, gut gelöst. Bob Hoskins gibt den fiesen Geldhai glaubwürdig. An Drehbuch und Regie nervt nicht nur das Übermaß an Dialogen, sondern dass immer jemand ausspricht, was der Zuschauer erlebt. Das drückt das bereits niedrige Niveau auf unter null.

Fazit
Es gibt funktionierende, wilde Mischungen. Aber die Verquickung von Kampfkunst und Drama tut weh. Den Darstellern sowie dem Zuschauer.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %


Original Filmtitel: Unleashed
Land: FrankreichGroßbritannienUSA
Jahr: 2005
Laufzeit ca.: 103
Genre: ActionDramaKrimiMartial Arts
Verleih: United International Pictures
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 12.05.2005
Heimkino: 24.10.2005

Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Luc Besson

Schauspieler: Jet Li (Danny) • Morgan Freeman (Sam) • Bob Hoskins (Bart) • Kerry Condon (Victoria) • Vincent Regan (Raffles) • Dylan Brown (Lefty) • Tamer Hassan (Georgie) • Michael Jenn (Wyeth) • Phyllida Law (Distinguished Lady) • Carole Ann Wilson (Maddy) • Mike Lambert (The Stranger) • Jaclyn Tze Wey (Dannys Mutter)

Produktion: Luc Besson • Steve Chasman • Jet Li
Szenenbild: Jacques Bufnoir
Kostümbild: Olivier Beriot
Maskenbild: Myriam Hottois
Kamera: Pierre Guilmard
Musik: Massive Attack
Schnitt: Nicolas Trembasiewicz


Bild: United International Pictures

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12.05.05
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