Venezianische Freundschaft

Kinoplakat Venezianische Freundschaft

Ein Film wie ein chinesisches Gedicht. In stark stilisierten Bildern und mit einer emotional über kontrollierten Hauptdarstellerin erzählt er von der Freundschaft zwischen einer jungen Frau und einem alten Mann.

Die Chinesin Shun Li (Zhao Tao) arbeitet als Wanderarbeiterin in Italien. Wie eine moderne Sklavin wird sie von ihren Vorgesetzten da eingesetzt, wo gerade eine Kraft gebraucht wird. Auf persönliche Belange oder Vorlieben wird keine Rücksicht genommen. Als in einem kleinen Café eine Thekenkraft gebraucht wird, fällt die Wahl auf Shun Li, die sich fortan mit wenigen Brocken Italienisch mit eigenwilligen Kunden herumärgern muss. Nur einer aus dem Kreis der Einheimischen begegnet ihr unvoreingenommen. Bepi (Rade Sherbedgia) ist vor vielen Jahren aus Jugoslawien eingewandert und begegnet ihr wie ein Vater. Langsam und vorsichtig entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft; keine sexuelle Beziehung. Doch beide Seiten, also auf der einen die dickköpfigen italienischen Fischer und auf der anderen Seite die Chinesen, missdeuten die Freundschaft als Beziehung und versuchen einen Keil dazwischen zu treiben.

Kritik

Der Film "Venezianische Freundschaft" lässt an einen Problemfilm denken. Ist es jedoch nicht. Am ehesten ist er als verfilmte Poesie zu beschreiben. Er erzählt entschleunigt und in sparsamen, meist bleiernen Bildern eine Episode. Nicht mehr und nicht weniger. Dass ist nicht negativ gemeint, sondern eine Feststellung, denn ich deute es so, dass der Film nicht mehr möchte, als das zu zeigen, was zu erwarten steht. Zhao Tao als Shun Li zeigt wenig Emotionen. Ihr sehr zurückgenommenes Spiel ist wohl Absicht - auch wenn es auf mich als Deutschen befremdlich wirkt. Zugänglicher wirkt da Rade Sherbedgia als vom Wetter gegerbter Fischer.

Fazit
Es ist nicht einfach den Film einzuordnen, weil er in kaum ein gängiges Genre passt. Kein Problemfilm. Kein Autorenfilm. Im weitesten Sinne ein Kunstfilm; dabei sehr naturalistisch lebt er von seinen Figuren und den eingefangenen Momenten. Die gesehene Fassung (in Italienisch und Mandarin) setzt die Bereitschaft voraus Untertitel zu lesen. Cineasten mit einer Ader für Ungewöhnliches können hier etwas entdecken.

Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: Io sono Li
Land: FrankreichItalien
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 98
Genre: Spielfilm
Verleih: Rendezvous Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 05.12.2013
Heimkino: 29.07.2016

Regie: Andrea Segre
Drehbuch: Marco Pettenello • Andrea Segre

Schauspieler: Zhao Tao (Shun Li) • Rade Sherbedgia (Bepi der Poet) • Marco Paolini (Coppe) • Roberto Citran (Rechtsanwalt) • Giuseppe Battiston (Devis) • Giordano Bacci (Baffo) • Spartaco Mainardi (Maicol) • Zhong Cheng (Zang) • Wang Yuan (Lian) • Amleto Voltolina (Bode) • Andrea Pennacchi (Sandro) • Xu Guo Qiang Boss)

Produktion: Francesco Bonsembiante • Francesca Feder
Kostümbild: Maria Rita Barbera
Maskenbild: Silvia Persica
Kamera: Luca Bigazzi
Ton: Alessandro Zanon
Musik: Françoise Couturier
Schnitt: Sara Zavarise


Bild: Rendezvous Filmverleih

1 customer review

gut
05.12.13
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