Vor ihren Augen

Kinoplakat Vor ihren Augen

Die amerikanische Neuverfilmung eines argentinischen Thrillers mit wohlklingender Besetzung. Auch der Stoff klingt spannend. In einem alten Mordfall gibt es nach mehr als einem Jahrzehnt einen Hoffnungsschimmer. Doch mit den neuen Ermittlungen flammen nicht nur alte Verletzungen erneut auf.

Als die Tochter seiner Kollegin ermordet wird, ist das für Ray (Chiwetel Ejiofor) ein prägendes Erlebnis. Selbst 13 Jahr später, er hat dem FBI den Rücken gekehrt, arbeitet er noch an dem Fall. Endlich gibt es für ihn einen Hoffnungsschimmer. Der Verdächtige von damals bekommt ein Gesicht und Ray nimmt die Fährte auf. Entgegen seiner Erwartung teilen die ehemaligen Kolleginnen Jess (Julia Roberts) und Claire (Nicole Kidman) seinen Jagdeifer nicht. FBI-Ermittlerin Jess, die den Tod ihrer Tochter immer noch nicht verwunden hat, bittet zunächst darum mit gedrosseltem Tempo an die Sache heranzugehen. Während die Staatsanwältin Claire außer den beruflichen Verhinderungen auch private Hindernisse sieht. Ray hingegen geht die Ermittlungen mit ungebremstem Elan an und währenddessen passieren die Bilder der Vergangenheit Revue. Die Aufklärung des Altfalls nimmt eine überraschende Wende.

Kritik

Der Film ist mit namhaften Schauspielern besetzt: Julia Roberts, Nicole Kidman und Chiwetel Ejiofor. Das Drehbuch ist die Neuverfilmung des argentinischen Thrillers "El Secreto de Sus Ojos". Die Grundlagen klingen vielversprechend; beim Sehen entpuppt sich "Vor ihren Augen" als in mehreren Aspekten enttäuschend. Das Drehbuch ist überzogen. Die Darsteller agieren schlecht. Und auch der Schnitt überzeugt nicht. Handwerklich patzt der Film in verschiedenen Gesichtspunkten. Da gibt es die schlechten Leistungen der Darsteller. Julia Roberts habe ich schon lange nicht mehr so hölzern schauspielern sehen. Nicole Kidman gibt die klassische graue Maus. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kamera zu lange auf Szenen darauf hält, die bereits durchs Schauspiel verlieren.

Die Schwächen der Dramaturgie liegen unter anderem in der Unentschiedenheit. Neben dem Mordfall spielen Terrorismus und interne Querelen des Polizeiapparates eine Rolle. Die Anschläge des 11.09. stecken den Menschen noch in den Knochen und es steht die Frage im Raum, wo Schwerpunkte gesetzt werden sollen? Ist die Aufklärung eines Mordfalles wichtiger als die potenzielle Verhinderung von weiteren Anschlägen? Diese Frage weiß die Handlung leider nicht zu beantworten, denn der Zwiespalt verpufft auf Dauer. Der Terrorismus spielt keine Rolle mehr und der Schwerpunkt verlagert sich auf die Aufklärung des Falls beziehungsweise auf die persönlichen Motive.
Worin Ray Kastens Motivation besteht, verstehe ich nicht. Er arbeitet 13 Jahre lang ohne technische Hilfe an einer Gesichtserkennung. Wenn ein Mensch sich 13 Jahre lang verbeißt, dann will ich als Zuschauer wissen, was ihn antreibt. Und weshalb er keine technische Hilfe in Anspruch nimmt? Ein Computerprogramm sollte die Arbeit im Bruchteil der Zeit erledigen. Dass die Antwort auf diese Frage fehlt, spricht nicht für die Dramaturgie. Und was ist die Krux der unglücklichen Lovestory zwischen ihm und Claire Sloane? Liegt es an den unterschiedlichen Hautfarben? Wenn zwei Menschen einander derart anziehen, sollten sie zueinander finden oder einen triftigen Grund aufzeigen, warum es nicht geschieht. Beziehungsweise sollte ein Drehbuch das Potenzial der Konflikte ausnutzen. Da dies ausbleibt, ist die nicht zündende Lovestory überflüssig.
Etwas überzeugender ist das Spiel mit den Vor- und Rückblenden. Die jedoch die insgesamt zu konventionelle Handschrift und die Vorhersehbarkeit nicht aufwiegen können. Wirklich bitter ist dann die Aufklärung des Falls.

Fazit
"Vor ihren Augen" schlägt einen schnodderigen Ton an, der dem Ganzen nicht die erwünschte Markigkeit verleiht. Alles in allem eine handwerklich durchschnittliche Produktion.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Secret in their Eyes
Land: USA
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 111
Genre: DramaKrimi
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 09.06.2016
Heimkino: 20.10.2016

Regie: Billy Ray
Drehbuch: Billy Ray

Schauspieler: Chiwetel Ejiofor (Ray Kasten) • Nicole Kidman (Claire Sloane) • Julia Roberts (Jessica Cobb) • Dean Norris (Bumpy Willis) • Alfred Molina (Martin Morales) • Joe Cole (Marzin / Beckwith) • Michael Kelly (Reg Siefert) • Zoe Graham (Carolyn Cobb) • Patrick Davis (Luis) • Eileen Fogarty (Angie) • Lyndon Smith (Kit) • Kim Yarbrough (Nan) • Mark Famiglietti (Duty Sergeant) • Amir Malaklou (Aban Ghazala) • Niko Nicotera (Hammer)

Produktion: Matt Jackson • Mark Johnson
Szenenbild: Nelson Coates
Kostümbild: Shay Cunliff
Maskenbild: Lesa Nielsen
Kamera: Danny Moder
Musik: Emilio Kauderer
Schnitt: Jim Page


Bilder: Universal Pictures International

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