Wie gut ist deine Beziehung?

Kinoplakat Wie gut ist deine Beziehung

Steves Leben verläuft in ruhigen Bahnen. Als es zu bequem ist, überrascht ihn das Leben: Plötzlich geraten Karriere und Beziehung in einen Stresstest. Den Ausschlag gibt Steves Freund und Kollege Bob, der von seiner Freundin verlassen worden ist. Steve kommen Zweifel. Wie sicher kann er sich der Beziehung mit Carola sein? Die Zweifel nagen an ihm und springen auf Carola über. Schon bald gibt es für die zwei nur noch eine Frage: Wie gut ist deine Beziehung?

Kritik

Die Idee zum Film gefällt, weil nicht das Kennenlernen im Mittelpunkt steht, sondern das seltener behandelte Thema der Beziehungskrise. Leider ist "Wie gut ist deine Beziehung?" auf halbem Weg stehengeblieben. Die Handlung fußt auf der Idee, dass die Partner nicht über den Knackpunkt miteinander reden, sondern mit ihren Zweifeln die Beziehung aufs Spiel setzen. Das ist im Ansatz stimmig und bildet das Handlungs-Gerüst, dem der Aufbau fehlt. Die wenigen auftretenden Personen reden privat und während der Arbeit über fast nichts anderes als über Beziehungen.
Das Wenige, was Steve (Friedrich Mücke) beruflich erlebt, hat zudem starke Parallelen zum Privaten. So setzen Berater Steves Firma unter Druck und Ähnliches passiert ihm privat. Dialoge aus der Firma werden zu Hause wiederholt. Sinngemäß heißt es vonseiten der Beraterfirma: Man muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Später sagt es der Hauptdarsteller über Beziehungen. Erst sind Frauen unberechenbar, später sind Menschen unberechenbar.

Inszeniert ist das Geschehen ausgesprochen kopflastig und lässt Spritzigkeit vermissen. Hinzu kommt, dass Punkte nur angedacht sind. So ist die Hierarchie in Steves Firma unklar. Er ist der Firmengründer und wird von seinem Teilhaber wie ein dummer Junge behandelt und vorgeführt. Eine Begründung liefert die Handlung nicht. Die Programmierer in Strickjacken erinnern mehr an eine studentische Wohngemeinschaft als an eine erfolgreiche Dotcom. Wie die anwesende Unternehmensberatung arbeitet und welches Ergebnis sie abliefert, erfährt der Zuschauer nicht. Hat der Drehbuchautor dazu eine Idee?
Carola (Julia Koschitz) und ihre Kollegin sitzen auffällig oft an Computern. Carola arbeitet irgendwie als Aktivistin für den Umweltschutz. Konkreten Aufgaben geht sie nicht nach. Die Podiumsdiskussion, auf die Carola hinarbeitet und die Klarheit bringen könnte, ist beendet, wenn der Zuschauer den Saal betritt.
Tantra ist laut Film dann, wenn Menschen auf Sitzkissen sitzen oder durch den Raum wabern und mit den Armen rudern. Ja, so etwas in der Art habe ich auch schon gemacht. Aber das hieß schlicht Körperarbeit. Wie das Thema in den Film geraten konnte, verstehe ich nicht. Dies als Beispiele für den Eindruck, dass das Drehbuch im Entstehungsprozess steckengeblieben ist.

Ihre Dialoglast präsentiert die Komödie an weniger als einer Handvoll Schauplätzen, an denen es zu Wiederholungen kommt. Steve und Bob (Bastian Reiber) beackern in der Kaffeeküche der Firma das Thema Trennungsschmerz. Bob und Steve stehen in der Kaffeeküche, trinken Kaffee und reden über Beziehungen. Steve und Carola sitzen zuhause in der Küche und zerpflücken ihre Beziehung. Carola und ihre Freundin sitzen im Café und das Thema lautet: Beziehungen. Das ist grundsätzlich gut beobachtet und für eine Beziehungskomödie denkbar. Doch fehlt es hier an Mehrwert und Nebenhandlungen. Von Gesichtspunkten, die einen Film bereichern, kann kaum die Rede sein, denn der Fokus klebt am Thema Beziehung. Wenn die Handlung ausschert, dann kommt es zu seltsamen Momenten wie dem, in dem Bob mit einer verkopften Frau flirtet. Das ist nett und leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Den Sketch mit der neurotischen Schuhverkäuferin verstehe ich nicht.

Die genannten Schwächen können die Darsteller nicht ausgleichen. Die zwei Hauptdarsteller sind grundsätzlich sympathisch, bieten jedoch keine Bandbreite auf. Bedauerlich ist, dass es schwerfällt auszumachen, was Carola und Steve aneinander finden. Sie geht in die aseptische Richtung und er ist ein spannungsloses Bärchen. Wenn die Zwei miteinander flirten (also tanzen), dann funkt es zwischen ihnen nicht. Durchweg fehlt es an schauspielerischem Ausdruck und keiner der Darsteller bietet mehr als bestenfalls ein paar unterschiedliche Gesichtsausdrücke auf, einige spielen jede Szene gleich. Außerdem ist die Gewichtung von Dialogen und Aktionen ungünstig.

Ein letzter Punkt ist der Humor. Es mag an mir liegen, dass ich den Film nicht witzig finde. Weder zündet der gesprochene Humor noch der szenische. Zum Teil liegt es an der Vorhersehbarkeit der Szenen. Wenn Steve im Fitnessstudio auf dem Laufband steht, dann erwarte ich, dass er gleich hinfällt. Und nachdem er über seine Beziehung geklagt hat fällt er hin.

Fazit
Schade, denn der Film hat den Ansatz gut beobachtet. Doch wenn die Zwei miteinander über ihre Zweifel sprächen, stürzten die Problematiken in sich zusammen wie ein Kartenhaus – und mit ihnen der Film.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 111
Genre: Komödie
Verleih: X Verleih
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 28.02.2019
Heimkino: 05.09.2019

Regie: Ralf Westhoff
Drehbuch: Ralf Westhoff

Schauspieler: Julia Koschitz (Carola) • Friedrich Mücke (Steve) • Michael Wittenborn (Harald) • Michael Maertens (Egbert) • Gabriel Raab (Grafiker Sven) • Maja Beckmann (Anette) • Patrick Güldenberg (Friseur) • Anna Drexler (Carolas Kollegin) • Bastian Reiber (Bob) • Dagmar Leesch (Schuhverkäuferin) • Bastian Hagen (Sievers)

Produktion: Ralf Westhoff
Szenenbild: Tilman Lasch
Kostümbild: Caroline Sattler
Maskenbild: Alisia Schreiner • Alisza Pfeifer • Franziska Röder
Kamera: Marc Achenbach
Musik: Oliver Thiede
Schnitt: Uli Schön


Bild: X Verleih

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