Die Känguru-Chroniken

Kinoplakat Die Känguru-Chroniken

Nicht jeder kann ein sprechendes Känguru seinen Freund nennen. Dem in Berlin lebenden Marc-Uwe ist die Ehre zuteil geworden. Das Känguru, das keiner Arbeit nachgeht, weil es Kommunist ist, und mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, kämpft gemeinsam mit seinen menschlichen Freunden gegen einen Immobilienhai. Der Film basiert auf den Büchern des Autors Uwe Kling, der im Film als Erzähler zu hören ist. Seine Känguru-Geschichten gab er ursprünglich auf der Bühne zum Besten, dann waren sie im Radio zu hören und sie wurden als Buch verlegt.

Im Film sind Marc-Uwe Kling und das Känguru ein eigenartiges Gespann. Der Künstler Marc-Uwe lebt in den Tag, ohne ein Ziel im Leben zu haben. Das Känguru teilt diese Lebenseinstellung, ist im Gegensatz zum Menschen jedoch frecher und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Selbst dann nicht, wenn es wissentlich Ärger provoziert. Das Leben in der Berliner Wohnung könnte noch lange so weitergehen, gäbe es nicht einen fiesen Bauspekulanten, der plant den nahegelegenen Park abzureißen und darauf einen Wolkenkratzer zu setzen. Dagegen begehrt die Nachbarschaft auf, inklusive Känguru und Marc-Uwe.

Kritik

Die Handlung des Films ist eine sehr lose Geschichte über den Klassenkampf, ausgetragen von einem bösen Kapitalisten und den guten Widerständlern, angesiedelt im Berlin der Gegenwart, ansonsten ohne besondere Verankerung. Bezüge zur Gegenwart bestehen in Witzen gegen Rechtsradikale und eine rechtspopulistische Partei. Die Idee, dass Marc-Uwe Interesse an seiner Nachbarin hat, ihm aber der Mut fehlt ist so altbacken wie der Rest der Handlung. Alles in allem setzt der Inhalt nicht auf Innovation, sondern ist eine Sammlung bekannter Versatzstücke. Vom Känguru abgesehen, gab es inhaltlich ähnliche Komödien schon des Öfteren. Eine ähnlich angelegte Figur eines Künstlers spielt beispielsweise die Hauptrolle in "Smuggling Hendrix".

Die Gegensätzlichkeit der Hauptrollen, die in Komödien gerne als Triebfeder dient, trägt in den Känguru-Chroniken fast nichts zur Handlung bei. Das Känguru ist Kommunist Marc-Uwe Anarchist. Doch das spielt keine Rolle und könnte wegfallen, weil es zwischen Mensch und Tier zu wenig Reibung gibt. Eine Vita spendiert der Film seinen Männern nicht. Und es steht die Frage im Raum, warum überhaupt ein Känguru auftritt? Das Tier ist anwesend und eine unspezifische Figur. Vom Psychologen abgesehen zweifelt niemand an dessen Existenz oder an seinem eigenen Verstand.

Dass der Seelenklempner einen österreichischen Dialekt hat (Freud lässt grüßen) wird so wenig komisch wie die Sitzungen an sich. Der Humor bleibt insgesamt ohne besondere Festlegung und setzt auf Allgemeinplätze. Das verleiht dem Film eine anarchische Note und gleichzeitig etwas Schwammiges. Die Einfälle werden wiederholt oder ausgewalzt. So klingelt das Känguru zu Filmauftakt gleich mehrmals hintereinander an Marc-Uwes Wohnungstür. Im Lauf der Handlung muss der immer wieder richtigstellen, dass er Künstler und kein Kleinkünstler ist. Das ist jedoch nicht der Running Gag, sondern ein Stilmittel, weil auch andere Gags mehrfach vorgetragen werden. Biss entwickelt der abgegriffene Humor leider nicht.

Fazit
Ein Mann und ein vorlautes Känguru kämpfen in Berlin gegen einen fiesen Spekulanten und eine rechtsgerichtete Partei. Das klingt nach frischen Einfällen und bösem Humor. Der Film ist das Gegenteil. Die Känguru-Chroniken haben den Sprung von der Kleinkunst ins Kino geschafft – doch der Verzicht auf Zynismus oder Entlarvung bekommt der Komödie nicht. Als Kleinkunst mag das Konzept funktionieren, auf Filmlänge überzeugt es leider nicht.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 92
Genre: Komödie
Verleih: X Verleih
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 05.03.202002.07.2020
Heimkino: 20.08.2020

Regie: Dani Levy
Drehbuch: Marc-Uwe Kling

Schauspieler: Rosalie Thomass (Maria) • Bettina Lamprecht (Jeanette) • Lena Dörrie (Julia Müller) • Adnan Maral (Friedrich) • Tim Seyfi (Otto) • Henry Hübchen (Immobilienhai) • Daniel Zillmann (Der Dicke) • David Brückner (Jimmie Åkesson) • Nils Dörgeloh (Polizist) • Carmen-Maja Antoni (Hertha) • Michael Behrens (Security) • Dimitrij Schaad (Marc-Uwe Kling) • Fred Aaron Blake (Der Große) • Marco Albrecht (Terence Hill) • Moritz Katzmair (Der Kleine) • Janina Agnes Schröder (Die mit den Haaren) • Victor Pape-Thies (Techniker) • Patrick Finger (Staatsanwalt) • Marie-Luise Lux (Sekretärin)

Produktion: Stefan Arndt • Uwe Schott • Caroline von Senden • Alexandra Staib
Szenenbild: Tim Pannen
Kostümbild: Lucie Bates
Maskenbild: Waldemar Pokromski
Kamera: Filip Zumbrunn
Musik: Niki Reiser
Schnitt: Toni Froschhammer


Bild: X Verleih

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24.02.20
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