16 Blocks

Kinoplakat 16 Blocks

Detective Jack Mosley ist alt und müde und hat ein schlimmes Bein, und außerdem hat er eigentlich überhaupt keine Lust mehr. Deshalb will er auch den Auftrag, den ihm sein Chef gibt, nicht ausführen: einen Gefangenen ins Gericht schaffen. 16 Häuserblocks weit. Mit dem Auto. Dauert höchstens 15 Minuten. Keine große Sache, und deshalb eigentlich unter Mosleys Würde.

Der Film "16 Blocks" ist ein Polizei-Thriller erster Güte: realistisch, spannend, fesselnd, und psychologisch überzeugend. Detective Jack Mosley (auch als abgewrackter Polizist Klasse: Bruce Willis) vom New Yorker Polizei Department ist am Ende. Er ist alt, er ist müde, er hat ein schlimmes Bein und ein ebenso schlimmes Alkoholproblem. Er ist ein Versager und hat die Schnauze voll. Nicht auffallen und möglichst wenig tun, ist seine Devise. Doch sein Chef ist gnadenlos: Mosley muss einen Kleinkriminellen (absolute Klasse: Mos Def) aus der Zelle holen und ihn bis 10.00 Uhr ins Gerichtsgebäude bringen. Das ist 16 Häuserblocks entfernt, eine Autofahrt von höchstens 15 Minuten. Mosley ist stinksauer. Es ist 8.02 morgens, er hat einen ausgewachsenen Kater und er braucht dringend Nachschub. Das Letzte war er jetzt tun möchte ist, einen kleinen Ganoven, der sein halbes Leben im Knast gesessen hat und sich jetzt ein paar Vorteile verspricht, weil er jemanden verpfeift, 16 Häuserblocks weit zu fahren.

Draußen ist es heiß, die Straße ist völlig verstopft, und Mosley bekommt für diesen Auftrag natürlich die älteste Karre. Zu allem Überfluss entpuppt sich Eddie Bunker, der Denunziant, als permanentes Plappermaul. Eddie redet und redet und redet, Mosley läuft der Schweiß herunter, sein Kopf brummt, nichts geht vorwärts, er ist völlig genervt. Schließlich parkt er kurz entschlossen am Straßenrand und steigt aus, um sich etwas zu Trinken zu holen. Was Mosley nicht bemerkt hat ist, dass ihnen ein Van mit zwei Männern gefolgt ist. Als Mosley aussteigt und den Schnapsladen betritt, verlässt einer der Männer den Van, rennt zu Mosleys Wagen, schlägt die Scheibe ein, und richtet seine Waffe auf den entsetzten Eddie. In diesem Augenblick verlässt Mosley den Laden, sieht die Bedrohung seines Gefangenen, und erschießt den Killer. Dann entdeckt er, dass es noch einen zweiten Killer gibt. Also zieht er Eddie aus dem Wagen und flieht zu Fuß weiter, mit dem Wagen hat das in der verstopften Straße keinen Sinn. Mosley versteckt sich mit Eddie und fordert Verstärkung an. Detective Frank Nugent (hervorragend wie immer: David Morse) und sein Team treffen als erste ein.

Als Eddie die Männer sieht, erstarrt er voller Angst. Einer der Polizisten ist der Mann, gegen den er um 10:00 Uhr im Gerichtsgebäude aussagen soll. Die Killer sind Mosleys Kollegen. Nugent, ein großer, freundlicher und sehr verbindlicher Mann, schlägt Mosley vor, eine Geiselnahme vorzutäuschen, im Verlaufe derer Eddie erschossen wird. Nugent erinnert Mosley daran, dass auch er Dreck am Stecken hat, und am Besten seinen Kopf unten hält, ehe er ihn verliert. Und im Drücken vor allen unangenehmen Sachen wäre Mosley ja schließlich inzwischen Meister. Vor sechs Jahren nahmen die New Yorker Detectives das Recht nämlich in die eigenen Hände, egal ob ihre Methoden legal waren oder nicht. Auch Mosley gehörte dazu, bis er es nicht mehr ertragen konnte, ständig gegen den Eid zu verstoßen, den er als Polizist geleistet hatte.
Damals hatte er mit dem Trinken angefangen, mit dem "sich gehen lassen", mit der Lethargie allem und jedem gegenüber. Bloß nicht hinschauen, war fortan seine Devise, nicht drum kümmern, einfach ignorieren. Aber trotz aller Müdigkeit, trotz der Schmerzen und des Katers hat Mosley doch noch einen Funken Verantwortungsgefühl und einen Schuss Selbstachtung im Leib. Als auf Eddie geschossen wird, wirft sich Mosley dazwischen und rettet den Kriminellen. Es gelingt den Beiden zu fliehen, und langsam, auf vielen Umwegen, arbeiten sie sich zum Gerichtsgebäude vor. Immer in der Gefahr, getötet zu werden, denn inzwischen ist ihnen die halbe New Yorker Polizei auf den Fersen. Doch Mosley ist nicht nur ein alter, sondern auch ein ausgebuffter Detective. Er kennt die Gegend wie seine Westentasche und hat nur ein Ziel - seinen Gefangenen, der allmählich mehr und mehr zum vertrauenswürdigen Kumpel wird, im Gericht abzuliefern. Damit er seine Aussage machen kann, die vermutlich auch Mosely um den Job bringen wird.

Kritik

Der Film "16 Blocks" ist wieder ein echter Bruce-Willis-Reißer. Auch wenn Willis einen alten und müden Helden darstellt - mit einem derart gekonnten Make-up, dass er eher wie 60 als wie 50 aussieht - er schafft sie alle. Mit tiefen Falten, vom Alkohol geröteten Wangen, und spärlichem Haupthaar humpelt er durch diesen Film, ein gebrochener Mann, der sein Gewissen und seine Selbstachtung schon längst in der Garderobe seiner Bar abgegeben hat. Eigentlich ist ihm alles egal: sein Job, seine Achtung, sein Leben. Er möchte nur noch seine Ruhe, erschüttern oder aus seiner Lethargie reißen, kann ihn schon lange nichts mehr. Ein ungepflegter, müffelnder Mann, den alles nur noch anödet und der nur zufrieden ist, wenn er die nächste Flasche in der Hand hält. Aber als er bei einem kaltblütigen Mord untätig zusehen soll, bricht noch mal das alte Gerechtigkeits-Feuer aus. Und Jack Mosley zieht noch mal alle Register, die ihn einst zu einem hervorragenden Detective gemacht haben. Bruce Willis spielt das einfach Klasse. Mos Def, der Rapper und Schauspieler, ist der optimistische Kleinkriminelle Eddie Bunker, der aus dem ewigen Kreislauf von Knast und Verbrechen raus will und sich selbst durch die Todesgefahr nicht davon abhalten lässt.
Mos Def hat sein Talent ja schon in Klasse-Filmen wie "Monster's Ball" und "The Italian Job" bewiesen und auch im Film "16 Blocks" ist er als näselnde Quasselstrippe mit Rückgrat ausgesprochen sehenswert. David Morse spielt Jack Mosleys ehemaligen Partner Frank Nugent, einen Mann ohne Gewissen, mit Nerven wie Drahtseile, der selbst bei den übelsten Machenschaften immer jovial und freundlich-verbindlich bleibt. Was Mosley in den Alkohol getrieben hat, ist an ihm abgeprallt. Morse spielt diesen Typen so unglaublich echt, dass man gar nicht glauben kann, dass es derselbe Morse ist, der auch in völlig anderen Rollen geglänzt hat.
Regisseur Richard Donner drehte den Film "16 Blocks" im kanadischen Toronto und in Manhattan, wo es zum Zeitpunkt der Dreharbeiten tatsächlich 35 Grad heiß war. Die Schweißflecken sind also echt! Donner ist ja ein alter Hase in Sachen spannender Filme. Schließlich war er Regisseur bei Klassikern und weiß, wie man das Publikum zu feuchten Händen und beschleunigtem Herzschlag bringt.

Fazit
Der Film "16 Blocks" ist ein absolut sehenswerter Thriller über einen Cop, der nach vielen Jahre seine Ehre wieder entdeckt, über einen Kleinganoven, der seine Ehre wieder haben möchte, und einen Detective, dem seine Ehre egal ist. Ein MUSS für Willis-Fans, und 118 Minuten spannende Unterhaltung für alle Cop-Thriller-Fans.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 80 %


Land: KanadaUSA
Jahr: 2006
Laufzeit ca.: 105
Genre: ActionDramaKrimiThriller
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 20.04.2006
Heimkino: 06.10.2006

Regie: Richard Donner
Drehbuch: Richard Wenk

Schauspieler: Bruce Willis (Jack Mosley) • Mos Def (Eddie Bunker) • David Morse (Frank Nugent) • Jenna Stern (Diane Mosley) • Casey Sander (Capt. Dan Gruber) • Cylk Cozart (Jimmy Mulvey) • David Zayas (Robert Torres) • Robert Racki (Jerry Shue) • Patrick Garrow (Touhey) • Sasha Roiz (Kaller) • Conrad Pla (Ortiz) • Hechter Ubarry (Maldonado)

Produktion: Randall Emmett • Avi Lerner • Arnold Rifkin • John Thompson • Jim Van Wyck
Szenenbild: Arv Greywal
Kostümbild: Vicki Graef
Maskenbild: Jordan Samuel
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Klaus Badelt
Schnitt: Steven Mirkovich


Bild: Warner Bros.

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