Coraline

Kinoplakat Coraline

Fasziniert entdeckt die 11-jährige Coraline eine Tür, die in eine andere Realität führt, in der ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Doch die Traumwelt wird zur Falle und Coraline muss für ihre Rückkehr in die eigene Welt kämpfen. Henry Selick inszenierte das schaurig schöne Märchen im Stop-Motion-Verfahren nach einem Kinderbuch von Neil Gaiman und erinnert an den düsteren Stil von Tim Burton.

Für Kinder sind Umzüge ein tiefer Einschnitt ins bisherige Leben. Das ergeht Coraline im gleichnamigen Film nicht anders. Sie ist mit ihren Eltern in ein mehr als 100 Jahre altes Haus gezogen. Doch nach kurzer Inspektion von Anwesen und Umgebung überfällt Coraline die große Langeweile. Während Vater und Mutter an ihren Computern sitzen und schreiben, entdeckt das Mädchen ein Paralleluniversum. Nachts kriecht es durch einen Tunnel und lebt dann bei ihrer anderen Mutter, die viel netter ist als die reale. Sie kann kochen und hört aufmerksam zu. Sogar der andere Vater ist das genaue Gegenteil des realen Vaters. Er ist spritzig, witzig und hat einen grünen Daumen. Für Coraline wird die Traumwelt immer verlockender. So verlockend, dass sie eines Tages beschließt, fortan in der anderen Welt zu bleiben.

Doch plötzlich bekommt der wahr gewordene Traum Risse. Die andere Welt ist nur ein begrenztes Areal und als Coraline sich weigert der anderen Mutter zu gehorchen, zeigt die ihr wahres Ich - das alles andere als liebenswert und freundlich ist. Das Mädchen muss erkennen, in einer Scheinwelt gefangen zu sein, die sich als echter Albtraum erweist. Der Rückweg in die reale Welt ist versperrt. Und, wie in einem Märchen üblich, muss Coraline eine Aufgabe erfüllen, um nicht nur sich selbst, sondern auch andere aus der Gefangenschaft einer Hexe zu retten.

Kritik

Der Film "Coraline" basiert auf einem Kinderbuch und ist in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben. Trotzdem ist er in meinen Augen weniger für Kinder geeignet - insbesondere kleine Kinder könnten sich in den teils recht gruseligen Szenen fürchten - vielmehr ist er ein surreales Märchen für Erwachsene. Darin lässt Henry Selick (Drehbuch und Regie) seiner Fantasie freien Lauf. So gibt es beispielsweise einen lebendigen Garten, in dem nicht nur die Blumen an Tiere erinnern, sondern eine Gottesanbeterin zum Traktor wird. Und auch ansonsten kommt man aus dem Staunen kaum raus. Kein Wunder also, dass das Mädchen im Film so begeistert ist von der Fantasiewelt. Und dass, obwohl auch die reale Welt im Film alles andere als gewöhnlich ist. So wohnen in der Kellerwohnung des Hauses zwei ehemalige Schauspielerinnen, die auch heute noch überaus exzentrisch sind. Sie lesen für Coraline schon mal die Zukunft aus Teeblättern und haben eine Schwäche für Zwergschnauzer. Die Hunde wiederum laufen in der Fantasiewelt zu Höchstleistungen auf. Ebenso der ehemalige Zirkusakrobat, der unter dem Dach des Hauses lebt. Er dressiert in seiner Freizeit Mäuse, die dann in der Parallelwelt ihr Können zeigen. Vielleicht geschieht das Ganze ausschließlich in der Fantasie eines elfjährigen Mädchens? So ganz genau weiß man es nicht. Und muss es auch gar nicht wissen, denn das Schöne am Film ist das Ausleben der überbordenden Fantasie.

Weiterhin gefällt mir der besondere Stil der Stop-Motion, den ich vereinfacht als besonderen Puppentrick bezeichnen möchte. Die derart entstandenen Bilder, die weder klassischem Zeichentrick noch der Computeranimation gleichen, sind außergewöhnlich. Ihnen gelingt es gleichzeitig verspielt sowie technikverliebt zu sein und etwas gespenstisch Surreales zu haben. Selbst wenn es in einigen Szenen sehr bunt zugeht, schwingt stets das Gefühl mit, dass hier etwas nicht stimmt. In ausgewählten Kinos wird der Film in 3D gezeigt. Eine Empfehlung, denn durch den 3D-Effekt bekommen die Bilder eine besondere Tiefe. Mir fällt zudem angenehm auf, dass der Film nur an wenigen Stellen extra für den 3D-Effekt optimiert ist.

Nicht zuletzt werden Hobby-Psychologen ihre Freude haben, denn es gibt vieles zu deuten. So kriecht das Mädchen durch einen Tunnel in die andere Welt, der an eine Nabelschnur erinnert. Die Hexe hat keine Augen, sondern sieht mit Knöpfen. Wie alle Lebewesen ihrer Welt. Von Caroline verlangt sie, dass sie ihre Augen ebenfalls durch Knöpfe ersetzt. Das könnte bedeuten, das Mädchen muss seine bisherige Sichtweise aufgeben beziehungsweise beginnen, die Welt mit den Augen der Hexe zu sehen. Des Weiteren fällt auf, dass Frauen im Film die stärkeren Persönlichkeiten sind. Die Heldin ist ein Mädchen, ihre Mutter dominiert die Familie und auch das Böse wird von einer Frau verkörpert. Der Vater ist in beiden Welten eine schwache Person.

Fazit
Das bittersüße Kinomärchen"Coraline" ist eine außergewöhnliche Produktion.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %


Land: USA
Jahr: 2009
Laufzeit ca.: 101
Genre: 3DAbenteuerAnimationFamilieFantasyKomödieMärchen
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 13.08.2009
Heimkino: 17.12.2009

Regie: Henry Selick
Drehbuch: Henry Selick
Literturvorlage: Neil Gaiman

Schauspieler: Coraline (Dakota Fanning / Luisa Wietzorek) • Mutter / Andere Mutter (Teri Hatcher / Marion von Stengel) • Vater / Anderer (John Hodgman / Patrick Winczewski) • Mr. Bobinsky (Ian McShane / K. Dieter Klebsch) • Wybie (Robert Bailey Jr. / Hannes Maurer) • Miss Forcible (Dawn French / Katja Nottke) • Katze (David Keith / Reiner Schöne)

Produktion: Bill Mechanic • Claire Jennings • Henry Selick • Mary Sandell
Szenenbild: Henry Selick
Kamera: Pete Kozachik
Musik: Bruno Coulais
Schnitt: Christopher Murrie • Ronald Sanders


Bild: Universal Pictures International

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