Das Gesetz der Ehre

Kinoplakat Gesetz der Ehre

Die Mischung aus Cop- und Familiendrama stellt die Frage nach Moral und Ehre und wo Selbstjustiz anfängt und Recht und Ordnung enden.

Die Familie Thierney ist in der New Yorker Polizei tief verwurzelt. Vater Francis ist Chief der Manhattan Detectives. Sein ältester Sohn Francis jr. leitet eine Abteilung der Drogenfahndung, der jüngere Sohn Ray hat sich traumatisiert in den polizeilichen Innendienst zurückgezogen und Schwiegersohn Jimmy arbeitet als Cop in der Einheit von Francis jr. Als eines Abends die Meldung eingeht, dass es vier von Francis Juniors Männern kalt erwischt hat, beginnt eine Lawine zu rollen. Francis Senior fordert von Ray, dass er die Ermittlungen des Falls leitet. Das ist Ray zwar zuwider, doch den Worten seines Vaters, einem Bilderbuch-Patriarchen widersetzt sich niemand.

Bei seinen Ermittlungen stößt Ray bald auf eine Spur, die auf die Abteilung seines älteren Bruders hindeutet. Doch den Verdacht, dass einer seiner Männer korrupt sein könnte, weist Francis jr. energisch zurück. Ohne es dem Bruder zu sagen, will er den Fall "auf seine Art klären". Das scheint einfach, denn der betreffende Cop ist geständig und wird fristlos entlassen. Doch die Ruhe trügt, denn unter der Oberfläche gärt es weiter. Jimi und einige Kollegen sind schon seit Längerem auf die schiefe Bahn geraten. Jimi selbst arbeitet für einen Drogendealer und geriet dabei zwischen die Fronten. Jetzt ist er mit seinem Partner verzweifelt auf der Suche nach einer Schlüsselfigur, um diese für immer mundtot zu machen. Ohne auch nur zu ahnen, dass sein Schwager Ray derselben Spur folgt. So kommt es zu einem heftigen Zusammenstoß, bei dem Jimi versucht, Ray von den Vorteilen der korrupten Cops zu überzeugen. Doch Ray bleibt sauber und Jimi kann zunächst seinen Kopf aus der Schlinge ziehen.
Bald darauf wird die Gier einem von Francis Juniors Männern zum Verhängnis. Der lange unterdrückte Mob begehrt auf und es liegt Lynchjustiz in der Luft. Doch Francis kann seinen Mann in letzter Minute retten. Zeitgleich ergeht es Jimi wesentlich schlechter. Er lässt sich von Ray festnehmen, aber auf dem Weg zum Streifenwagen, steht es plötzlich zwei gegen viele. Und die lange Unterdrückten und von korrupten Cops terrorisierten kennen keine Gnade.

Kritik

Die Idee das "Gesetz der Ehre" auf zwei Ebenen spielen zu lassen gefällt mir. Zum einen behandelt das Drama die Frage, wo die Selbstreinigungskraft der Polizei aufhört und das Übertreten von Gesetzen beginnt? Andererseits ist es ein Familiendrama, denn der Konflikt wird unter Brüdern beziehungsweise unter Verwandten ausgetragen. Leider bauen weder das Drehbuch noch die Regie eine von beiden Ebenen klar aus. In interessanten Momenten geht es um den Konflikt Vater gegen ungehorsamen Sohn. Dann wechselt die Handlung zu einem Polizistendrama und es stehen Aspekte wie Loyalität und Ehre im Raum. Doch wirklich klar und konsequent werden nur zwei Gesichtspunkte verfolgt: Die Handlung ist ausgesprochen brutal und blutig inszeniert. Das beginnt bei meterlangen Blutspuren im Schnee. Geht über brutale Cops: Wenn Jimi unfreiwillige Zeugen befragt, dann spucken die nach einem Kinnhaken schon mal ausgeschlagene Zähne aus oder Jimi versucht Informationen zu bekommen, indem er ein Dampfbügeleisen über ein Baby hält.

Die zweite strikte Linie ist die konsequente Zuspitzung der Geschehnisse. Es beginnt mit einer hektischen Handkamera, die praktisch live den Tatort einfängt, an dem die vier Polizisten angeschossen und zum Teil bereits verblutet sind. Später folgen die inneren Konflikte der Personen. Francis Juniors Ehefrau etwa hat Krebs im Endstadium und er soll ihr beweisen, dass er der Mann ist, dem sie (nach dem eigenen Tod) die Kinder anvertrauen kann. Der unehrenhaft entlassene Polizist pustet sich mit einer Waffe das Gehirn weg, das gegen eine Autoscheibe klatscht (in Nahaufnahme). Gegen Filmende gipfelt es in der Szene, in der Jimi vom Mob mit Baseballschlägern totgeschlagen wird.

Die Darsteller machen ihren Job soweit so gut. Edward Norton sieht aus wie das personifizierte Leiden Christi, was mich wenig beeindruckt, während Kollegen es als hohe Kunst loben. Jon Voight überzeugt als gestandener Patriarch, der bereit ist, für den Ruf der Familie die Gesetze zu beugen und zu übertreten, für die er selbst steht. Seine Begegnungen mit Edward Norton sind gut gespielt, die Männer wirken wie Vater und Sohn.

Fazit
"Das Gesetz der Ehre" setzt auf die plakative Darstellung (von Gewalt) und vernachlässigt die gärenden Konflikte. Schade, denn die Konstellation, dass der eigene Vater beziehungsweise Schwiegervater auch der Vorgesetzte ist, hat Potenzial. So bleibt es bei einem konventionellen Film, der wenig Neues bietet und in den meisten Szenen gleich zwei Lagen zu dick aufträgt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Pride and Glory
Land: USA
Jahr: 2008
Laufzeit ca.: 125
Genre: DramaKrimi
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 22.01.2009
Heimkino: 12.06.2009

Regie: Gavin O'Connor
Drehbuch: Joe Carnahan • Gavin O'Connor • Greg O'Connor • Robert Hopes

Schauspieler: Edward Norton (Ray Tierney) • Colin Farrell (Jimmy Egan) • Jon Voight (Francis Tierney Senior) • Noah Emmerich (Francis Tierney Junior) • Jennifer Ehle (Abby Tierney) • John Ortiz (Ruben Santiago) • Frank Grillo (Eddie Carbone) • Shea Whigham (Kenny Dugan) • Lake Bell (Megan Egan) • Carmen Ejogo (Tasha) • Manny Perez (Coco Dominguez) • Wayne Duvall (Bill Avery) • Ramon Rodriguez (Angel Tezo) • Rick Gonzalez (Eladio Casado) • Maximiliano Hernández (Carlos Bragon) • Ryan Simpkins (Shannon Egan) • Ty Simpkins (Matthew Egan)

Produktion: Gregory O'Connor
Szenenbild: Dan Leigh
Kostümbild: Abigail Murray
Maskenbild: Bernadette Mazur
Kamera: Declan Quinn
Musik: Mark Isham
Schnitt: Lisa Zeno Churgin • John Gilroy


Bilder: Warner Bros.

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