Eine gelungene Auszeit soll es werden für Leo und Pepe. Auf Mallorca wartet eine rustikale Finca und den Rest werden die Sonne und das Meer beitragen. Pepe ist nicht so entspannt wie Leo, denn er hadert mit seinem Coming-out.
Die nächste Überraschung wartet in der Finca: Simon und Rocco haben das Haus ebenfalls gemietet. Macht nichts, dann wird es eben eine Auszeit unter Freunden. Doch den Plan durchkreuzen die Ehefrauen und Lebensgefährtinnen der Männer, die die Finca gleichfalls gemietet haben. Damit ist die Clique aus "Das perfekte Geheimnis" wieder beisammen. Und die bekannten Reibereien.
Kritik
Dieses Mal ist der Freundeskreis auf Reisen und hat mit Maus (Diana Amft) Zuwachs bekommen. Vorwissen aus "Das perfekte Geheimnis" ist nur für einige Anspielungen vonnöten. Die Komödie funktioniert mit und ohne Vorkenntnisse nicht. Das liegt in erster Linie an der Handlung, der ein roter Faden fehlt. Anstelle einer kontinuierlichen Entwicklung reiht die Geschichte Szenen aneinander. Darin folgen die einzelnen Figuren einer Problemstellung. Carlotta beispielsweise ist zwanghaft und hat ihrem Ehemann Leo die Affäre nicht verziehen. Leo steht darum unter Druck und versucht, alles richtig zu machen. Pepe sucht seinen neuen Platz im Leben als schwuler Mann und steht sich selbst im Weg. Zudem spielen große und kleine Lügen oder Notlügen eine Rolle. Witzig wird der Film trotz vieler Dialoge und Versuche nicht. Leider ist der Humor einfach und das Timing stimmt nicht. Die Menschen antworten einander derart schnell, dass es nicht schlagfertig klingt, sondern nach auswendig gelerntem Text.
Die Entlarvung von Mechanismen schlägt entweder fehl oder bleibt unlustig. So kommt zu Pepes Geburtstag nicht die bestellte Truppe für Erwachsene, weil die freihat, sondern die für Kindergeburtstage, und Pepe erhält eine Kindertorte.
Carlotta will ihren Mann überführen, indem sie heimlich mit der Telefonnummer chattet, die sie für seine Affäre hält. Dabei kommt sie nicht auf die Idee, die unbekannte Nummer um ein Bild zu bitten. In dem Moment zerbröselte nämlich der Handlungsstrang und der wahnsinnig witzige Witz mit dem … entfiele.
Bedauerlich auch, dass der Film sich nicht entscheiden kann, wie er zum Ballermann steht. Anfangs ist die Clique vom Hotel, den Gästen und der Ballermann-Musik wenig angetan. Zum guten Schluss treten die "No Angels" auf (das ist leider kein Scherz). Das könnte bedeuten, die Band ist tief gesunken. Der Film versteht dies wohl eher als Höhepunkt – so genau deuten lässt sich das nicht.
Damit sind die fast zwei Stunden Laufzeit der Komödie überstanden und es folgen im Rahmen des Abspanns einige lustige entfallene Szenen. Und es treten Fragen auf. Eine einfache lautet: Warum bekommt Jella Haase als Bianca so wenig Leinwandzeit und Diana Amft so viel? Und warum tritt mit Amft eine neue Freundin auf, die am Rande mitläuft und schlecht in die Clique integriert ist? Ist Homosexualität im Jahr 2026 noch ein Problem?
Weiterhin fallen Umstände auf, wie die aufgesetzten Anglizismen. Weil einem Mann, der Schildkröten rettet, die Herzen zufliegen, wird auch das berücksichtigt. Wahrscheinlich, weil es während des Schreibens des Drehbuchs ein Thema war, fällt der Begriff der toxischen Heteros. Außerdem werden gängige Umstände bedient, wie eine Insta-Story, Smartphones, Dating-Apps und Dick-Pics. Mit Roccos Unfruchtbarkeit steht die Frage im Raum, wer Sophies Vater ist. Den Handlungsfaden greift die Komödie auf, ohne ihn zu beantworten. Vielleicht bietet Teil 3 eine Antwort. So wie Roccos zweites Smartphone erst in dieser Folge eine Daseinsberechtigung erhält.
Fazit
"Der perfekte Urlaub" hätte mit seiner Besetzung eine stimmige Sommer-Komödie werden können. Enttäuschenderweise bleibt die Handlung holprig und aufgesetzt. Der Zusammenhang besteht darin, dass die Personen Freundinnen und Freunde sind. Warum sie das sind, das wundert nicht nur Maus, sondern auch den Kritiker. Die Charaktere sind einfach gezeichnet: unterkühlt, zickig, pummelig, verkopft oder bindungsscheu. Aus diesen Schablonen können die Darstellerinnen und Darsteller wenig zaubern.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 117
Genre: Drama • Komödie
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren
Kinostart: 22.10.2026
Regie: Bora Dagtekin
Drehbuch: Bora Dagtekin
Schauspieler: Elyas M'Barek (Leo) • Karoline Herfurth (Carlotta) • Jessica Schwarz (Eva) • Florian David Fitz (Pepe) • Jella Haase (Bianca) • Frederick Lau (Simon) • Diana Amft (Maus) • Wotan Wilke Möhring (Rocco) • Emily Kusche (Sophie) • David Korbmann (Luis) • Paul Ahrens (Hugo) • Maria Dragus (Lucy) • Daniel Zillmann (Drag Queen) • Caroline Maria Frier • Jan van Weyde • Inez Bjørg David • Jannis Hain (Noah)
Produktion: Bora Dagtekin • Lena Schömann
Szenenbild: Christoph Kanter • Tamo Kunz
Kostümbild: Esther Walz
Maskenbild: Ruth Ute Wagner
Kamera: Christian Rein
Ton: Roman Schwartz
Musik: Egon Riedel
Schnitt: Sabine Panek • Constantin von Seld • Robert Kummer
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Bild: Constantin Film
