Unverhofft stehen Ingmar ungeahnte Möglichkeiten offen. Er kann über Wohl und Wehe entscheiden. Was im Kleinen beginnt, könnte im Größenwahn enden. Der alte Mann muss entscheiden, was er will. Und das ist schwerer gesagt, als getan.
Ingmar vermisst seine verstorbene Frau. Und noch mehr als er vermisst sie der Garten. Während einer verheerenden Dürre ist Ingmar bemüht, dort zu retten, was noch zu retten ist. Was unter den wachsamen Blicken seines pedantischen Nachbarn zur Herausforderung wird. Dann hat Ingmar eine Eingebung. Seine verstorbene Frau fordert ihn in einem Traum auf, einen versteckten Wasserhahn im Garten zu öffnen. Die Folge ist verblüffend: Augenblicklich beginnt es über dem Dorf zu regnen. Ingmar ist anfangs erstaunt und der Nachbar skeptisch. Vielleicht eröffnet der magische Wasserhahn Möglichkeiten?
Kritik
Die dramatische Komödie "Der Regenmacher" beginnt leidlich mit spezifischem Humor. Robert Gustafsson spielt einen verschrobenen alten Mann, der um seine verstorbene Ehefrau trauert und die Anliegen der Tochter nicht nachvollziehen kann. Dann geschieht das Wunder, dass es dem ehemaligen Theaterregisseur erlaubt, noch einmal Regie zu führen. Die Ausgangslage ist damit geschaffen, aber leider weiß das Drehbuch, an dem drei Personen schrieben, mit dem Stoff wenig anzufangen. Es greift Handlungsstränge auf, die mehrheitlich versanden. Ingmars Tochter wird ein Heiratsantrag gemacht. Die Reaktion der Umworbenen erweckt den Eindruck, dass sie nicht bereit ist, oder in der Beziehung etwas nicht stimmt. Dieser Handlungsstrang verebbt. Auch bleibt unklar, warum die Tochter einen Sohn hat und welche Rolle das Kind in ihrem Leben spielt.
Der um sie werbende Daniel arbeitet in der Stadtverwaltung und steht in Beziehung mit der Bürgermeisterin, die um ihr Amt fürchten muss, weil der Regen ausbleibt. Letztgenannte tritt in Kontakt mit Ingmar und seinem Nachbarn, der von der Ehefrau verlassen worden ist. Später wird Daniel von der Bürgermeisterin degradiert. Auch diese Stränge bleiben beliebig und ohne Konsequenz. Statt Entwicklungen zu bieten, wiederholt der Film, indem Konflikte immer wieder lediglich angesprochen werden und diese gestreift bleiben.
Auf die Dauer tritt die Handlung auf der Stelle, sie verläuft und es fehlt an Größe. Den Eindruck untermauern konventionelle Ideen wie die, dass die Verstorbene ihre Rosen liebte, die Frau des Nachbarn mit einem Zahnarzt durchgebrannt ist oder die PR-Berater schnell verschwinden, wie die sprichwörtlichen Ratten das sinkende Schiff verlassen. Fürs Publikum bleibt die Frage offen, worauf der Film hinauswill. Er ist kein Sommerkino, denn dazu fehlt es an Optimismus. Dem Land Regen schenken zu können, könnte etwas Schönes sein – um nicht zu sagen ein Wunder. Doch ein Wunder erzählt der Film nicht. Ingmar nutzt den Hahn zunächst, um seine Nachbarn zu ärgern, indem er zu Unzeiten regnen lässt. Später träumt er unvermittelt von der Weltherrschaft. Seine Idee: Das schwedische Wasser in die ganze Welt zu exportieren. Die hanebüchene Idee verstärkt den Eindruck, dass der Film mit der Ausgangslage, also dem magischen Wasserhahn, nicht viel anzufangen weiß. Ob andere Menschen den Hahn ebenfalls nutzen können, verrät die Handlung nicht. Was, wenn der alte Mann stirbt? Stirbt das Wunder mit ihm? Mit den derzeit nicht mehr übersehbaren Folgen des Klimawandels setzt der Film seine Handlung nicht in Bezug. Robert Gustafsson übernimmt die Hauptrolle, ohne sich zu Größen aufzuschwingen. Die restlichen Darsteller sind solide, die deutsche Synchronisation taugt nicht für empfindliche Ohren.
Fazit
Die Idee ist gefällig: Ein alter Mann stellt fest, dass er es über seinem Dorf regnen lassen kann. Seine Macht, wenn wir es so nennen wollen, ist begrenzt. Die Möglichkeiten, die das Wunder eröffnet, bleiben ungenutzt, die Anzahl der eingeführten Personen ist eingeschränkt, ohne ein Kammerspiel zu ergeben. Dass die Erzählung mit Fortschreiten immer stärker verläuft, ist die Schwäche des Films. Es ist, als hätte man der Produktion Material an die Hand gegeben und die fragt: Was soll ich damit? Schade.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %
Land: Schweden
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 109
Genre: Drama • Komödie
Verleih: Leonine
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren
Kinostart: 13.08.2026
Regie: Hannes Holm
Drehbuch: Jonas Karlsson • Robert Gustafsson • Hannes Holm
Schauspieler: Robert Gustafsson (Ingmar Karlsson) • Emelia Sallhag (Erika) • Jonas Karlsson (Rolf Burman) • Karin Lithman (Anette) • Simon Gregor Carlsson (Daniel)
Produktion: Patrick Ryborn • Rasmus Krogh
Szenenbild: Michael Higgins
Kostümbild: Anna Karlsson
Maskenbild: Jenny Fred
Kamera: John Christian Rosenlund
Musik: Pernilla Andersson
Schnitt: Fredrik Morheden
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Bild: Leonine
