Liebe braucht keine Ferien

Kinoplakat Liebe braucht keine Ferien

Die Besetzungsliste liest sich gut: Kate Winslet, Jude Law, Jack Black, Rufus Sewell und Cameron Diaz. Und viel falsch machen kann man bei einer romantischen Komödie eigentlich auch nicht. Insbesondere dann, wenn ein alter Hase wie Nancy Meyers am Werk ist. Doch halt.

Der Frust sitzt bei Journalistin Iris (Kate Winslet) tief. Ihr Angebeteter nutzt sie gerne als Sekretärin und unbezahlte Mitarbeiterin; ansonsten hält er sie auf Distanz, ohne mit ihr zu brechen. Besonders herbe ist, dass Iris kurz vor Weihnachten auf der Betriebsfeier erfährt, dass Jasper eine Kollegin heiratet. Und ihr fällt die zweifelhafte Ehre zu, einen Artikel darüber zu schreiben! Kein Wunder, dass sie in ihr Cottage heimkehrt und sich dort die Seele aus dem Leib heult.

Über dem großen Teich ergeht es der vom Erfolg verwöhnten Produzentin Amanda (Cameron Diaz) nicht viel besser. Ihr derzeitiger Freund (Edward Burns) hat sie mit einer anderen betrogen und sie schmeißt den Mistkerl im hohen Bogen raus. Und nun? Amanda beschließt über Weihnachten zu verschwinden. In ein Land, in dem man Englisch spricht. Also fahndet sie im Internet nach Urlaubszielen in England. Nach einem kurzen Hin und Her beschließen Iris und Amanda über Weihnachten ihre Wohnungen zu tauschen.

Kaum ist Iris in Los Angeles gelandet, überwältigt sie der Luxus, in dem Amanda lebt. Die Amerikanerin wiederum ist anfangs weniger angetan von dem etwas herben Charme, den Amandas Häuschen verströmt. Doch eine Flasche guter Wein hilft. Ihre Ruhe wird jedoch jäh gestört, als plötzlich Iris' Bruder Graham (Jude Law) auftaucht. Der ist augenblicklich elektrisiert von Amanda und die spricht (ganz unamerikanisch) aus, was sie gerne hätte: Sex. Den bekommt sie und am nächsten Morgen vereinbaren beide, dass man sich nicht liebt, keine Ansprüche aneinander stellt und sich nie wiedersieht. Doch es kommt anders. Aus unerklärlichen Gründen ist Amanda vom einfachen Leben in England angetan. Es schreckt sie nicht einmal ab, dass Graham nicht nur Autor ist, sondern auch verwitwet und seine beiden Töchter allein erzieht.

Iris hingegen findet in Los Angeles ihr Glück. Der Komponist Miles (Jack Black) ist das männliche Pendant zu ihr. Auch er lässt sich ausnutzen und hinhalten - was ihm Amanda klar macht. Und dadurch erkennt sie ihre eigenen Mechanismen, kündigt ihrem Dauerfreund endgültig die Freundschaft. Nachdem sie in ihrem Leben aufgeräumt hat, ist Platz für Miles, der das Angebot dankend annimmt. Es folgt das Happy End, in dem beide Paare in Iris' Cottage in England ihre neue Liebe feiern.

Kritik

Der Film "Liebe braucht keine Ferien" ist eine romantische Komödie von Nancy Meyers, die zuvor mit "Was das Herz begehrt" eine Beziehungskomödie für Besserverdienende ablieferte. Die Parallelen sind groß - allerdings fehlen dieses Mal Schauspieler, die die Handlung vor der Belanglosigkeit retten. Während Jack Nicholson in "Was das Herz begehrt" eine seiner Standardrollen spielt (das Ekelpaket), fehlt im aktuellen Film das Markante völlig. Ebenso geht die Bodenhaftung verloren.

Allerdings hat Nancy Meyers nicht nur ein belangloses Drehbuch geschrieben, sondern ebenso Regie geführt. Cameron Diaz etwa stolziert hölzern durch die Handlung und schneidet unentwegt Grimassen, statt Gefühle zu zeigen. An ihrer Seite schlägt sich Jude Law nicht viel besser. Der Womanizer begnügt sich damit, sein hübsches Gesicht zu zeigen. Echten Elan entwickelt er nicht. Mit seinen Film-Töchtern geht er um, als sei er nicht ihr leiblicher Vater, sondern habe sie für den Abend von einer Nachbarin ausgeliehen. Wirklich bitter ist, dass es zwischen Law und Diaz nicht funkt. Was will die amerikanische Modepuppe von dem englischen Hausmann nebst Anhang? Doch auch Beziehung Nummer zwei rettet die Vorstellung nicht. Kate Winslet und Jack Black passen weder optisch noch romantisch zueinander. Einigermaßen funktioniert das Zusammenspiel zwischen Kate Winslet und Eli Wallach als altem Charmeur.

Zu den Mankos im darstellerischen Bereich kommen die formalen Schwächen. Die Beziehung zwischen Cameron Diaz und Jude Law erhält sehr viel Raum, während die Beziehung zwischen Kate Winslet und Jack Black nur am Rande gestreift wird und deshalb eigentlich auch unter den Tisch fallen könnte. Einige Szenen sind viel zu lang, etwa Cameron Diaz' Gerenne durch den Schnee.

Der Dramaturgie fehlt die rechte Austarierung; es geht ohne dramatischen Höhepunkt dahin. Die Filmlänge ist mit 135 Minuten alles andere als knackig. Von Logik kann nicht die Rede sein. Zwei Frauen bekommen kurz vor Weihnachten einen Flug von London nach Los Angeles und umgekehrt. Hausschlüssel benötigen sie nicht und Iris hält es nicht für nötig zu erwähnen, dass sie einen Hund hat. Der taucht auf, dann ist er tagelang verschollen und dann wieder für Sekunden zu sehen. Fürsorge braucht er keine. Weshalb die Frauen jeweils einem wildfremden Menschen ihr Haus anvertrauen ist mehr als blauäugig.

Der alleinerziehende Vater schlägt sich die Nächte um die Ohren oder verbringt seine Abende im Pub - um ein Kindermädchen muss er sich nicht kümmern. Cameron Diaz kauft in London aus Frust einen Vorrat ein, von dem eine mehrköpfige Familie wochenlang leben könnte - hat aber eine Figur die vermuten lässt, dass sie pro Tag nur ein halbes Salatblatt isst. Die Liste ließe sich noch fortsetzen; was einem realistisch angehauchten Film nicht gut bekommt, denn hier wurde einfach verwurstet, was gut aussieht ohne Rücksicht darauf, ob es halbwegs glaubwürdig ist.

Fazit
Eine Upper-Class-Komödie, in der ebenso reiche wie schöne Menschen Herzschmerz erleben und die große Liebe finden. Daran stimmen weder die formalen Vorgaben noch überzeugen die Darsteller.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: The Holiday
Land: USA
Jahr: 2006
Laufzeit ca.: 135
Genre: Romantische Komödie
Verleih: United International Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 14.12.2006
Heimkino: 06.12.2007

Regie: Nancy Meyers
Drehbuch: Nancy Meyers

Schauspieler: Cameron Diaz (Amanda) • Kate Winslet (Iris) • Jude Law (Graham) • Jack Black (Miles) • Eli Wallach (Arthur) • Edward Burns (Ethan) • Rufus Sewell (Jasper) • Miffy Englefield (Sophie) • Emma Pritchard (Olivia) • Sarah Parish (Hannah) • Shannyn Sossamon (Maggie) • Bill Macy (Ernie) • Shelley Berman (Norman) • Kathryn Hahn (Bristol) • John Krasinski (Ben)

Produktion: Bruce A. Block • Nancy Meyers
Szenenbild: Jon Hutman
Kostümbild: Marlene Stewart
Maskenbild: Brad Wilder
Kamera: Dean Cundey
Musik: Hans Zimmer
Schnitt: Joe Hutshing


Bilder: United International Pictures

1 customer review

ausreichend
14.12.06
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