Dreamgirls

Kinoplakat Dreamgirls

Die frühen 1960-er Jahre: eine aufregende Zeit für schwarze Musik in Amerika. Unzählige schwarze Girls und Boys und Groups sind dabei, den Sprung aus dem schwarzen Getto in die lukrative Welt der Weißen zu schaffen. Noch singen Deena, Effie und Lorrell als The Dreamettes nach dem Gewinn eines Talentwettbewerbs in erster Linie in kleinen schwarzen Clubs in Detroit. Aber die Zeiten ändern sich.

Der Film "Dreamgirls" ist die Adaption der höchst erfolgreichen, gleichnamigen Broadwayshow von Tom Eyen (Buch und Songtexte) und Henry Krieger (Musik). Die Adaption für den Film wurde von Bill Condon bearbeitet, der sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte, und der auch schon das Drehbuch für die Filmversion des Musicals "Chicago" verfasste.

Detroit in den 1960-er Jahren: eine Zeit in Amerika, in der die schwarze Soul-Musik sich daran macht, aus den schwarzen Gettos auszubrechen und die wesentlich lukrativere Welt der Weißen zu erobern. Eine Zeit, in der erfolgreiche schwarze Songs von weißen Gruppen nachgesungen werden, weil weiße Radiostationen keine Songs spielen, die von Schwarzen gesungen werden. Ein Problem, mit dem anfänglich auch Elvis Presley zu kämpfen hatte, da man ihn für einen schwarzen Sänger hielt. Eine Zeit, in der das Wort "Bürgerrechte für die Schwarzen" ein Fremdwort in Amerika ist. Eine Zeit, in der "Soul" entsteht, eine mitreißende, höchst explosive Weiterentwicklung des Rhythm & Blues, der wieder mehr Wert auf den Gospelanteil der Songs legt. In Detroit entwickelte sich dabei ab 1959 der Motown-Soul der gleichnamigen Plattenfirma, der "großstädtisch" perfekt durcharrangiert und speziell auf die Hörgewohnheiten des weißen Publikums zugeschnitten wurde. Der Memphis-Soul dagegen war "ländlicher", erdiger, ekstatischer und ganz einfach "schwärzer". Der Film "Dreamgirls" ist praktisch die Geschichte des Motown-Soul.

Curtis Taylor Jr. (ein Mann mit einem Traum: Oscar-Gewinner Jamie Foxx, bekannt aus "Collateral") arbeitet zwar als Autoverkäufer, aber sein großer Wunschtraum ist es, in der Musikbranche als Produzent Karriere zu machen. Er will sein eigenes Plattenlabel gründen und seine Musik überall aus den Lautsprechern hören. Nicht nur in den schwarzen Clubs und den schwarzen Radiostationen. Das einzige, was ihm noch fehlt, ist das richtige "Produkt" und das entsprechende Kleingeld. Die attraktive Deena Jones (beeindruckend: Beyoncè Knowles, Leadsängerin und Autorin der Gruppe "Destiny's Child" und bekannt aus "Der rosarote Panther"), die niedliche Lorrell Robinson (überzeugend: Anika Noni Rose) und die umwerfende Leadsängerin Effie White (molliges Temperamentbündel mit 4-Oktaven-Stimme: Jennifer Hudson, die für diese Rolle mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde) nennen sich The Dreamettes und versuchen, die Erfolgleiter nach oben zu klettern. Unermüdliche nehmen sie mit ihren billigen Perücken und den schlecht sitzenden, selbst genähten Kleidchen an Talentwettbewerben teil, in der Hoffnung, einmal zu den Auserwählten zu gehören und einen Plattenvertrag zu bekommen. Dieses Mal klappt es, denn Curtis Taylor sitzt im Publikum. Für ihn sind die drei Dreamettes genau die richtigen Girls. Er kann sie überreden, ihm zu vertrauen und ihr Schicksal in seine Hände zu legen.

James "Thunder" Early (einfach großartig: Eddie Murphy, der für diese Rolle mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde) hat es fast schon geschafft. Der quirlige Entertainer und Sänger ist einer der Pioniere des neuen Detroit-Sounds. Wenn er in den Clubs mit seiner mitreißenden und höchst explosiven Mischung aus Rock'n'Roll und Soul auftritt, und jeden Auftritt zu einer eindeutig sexistisch gefärbten Sache macht, jubeln ihm die Zuhörer frenetisch zu. Thunder ist ein Star, und Curtis kann ihn dazu überreden, dem völlig unbekannten Mädchen-Trio eine Chance zu geben. Die Dreams, wie Curtis die Drei inzwischen umgetauft hat, sehen sich schon ganz oben. Doch Curtis ist mit der Zusammensetzung der Gruppe noch nicht zufrieden. Denn er weiß ganz genau, dass es nicht nur auf das gesangliche und musikalische Können des Trios ankommt, sondern auch ganz besonders auf den optischen Eindruck. Und da ist die schlanke, schöne Deena seine erste Wahl und nicht die gesanglich wesentlich bessere, aber nicht so hübsche und nicht so schlanke Leadsängerin Effie. Auch wenn sich Effie vehement wehrt, und alles versucht, um Curtis umzustimmen, der schließlich schon seit geraumer Zeit ihr Liebhaber ist, es hilft nichts. Curtis hat das Geld und er hat das Sagen. Effie muss gehen, weil die sanfte Deena besser in die Mainstream-Group passt, die Curtis künftig aus den Dreams zu machen gedenkt. Seine Dreams sind eine weißgewaschene Version der ehemals schwarzen Dreamettes. Curtis Vorhaben klappt: die Dreams werden zu einem Superact, der weltweit die Charts und die Bühnen der Clubs und Konzerthallen beherrscht.
Doch zurückbleiben zerplatzte Träume und fallen gelassene Ansprüche, denn die Dreams haben sich zwar in die Welt der Weißen gesungen, aber der ehemals so mitreißende, originale schwarze Soul ist dabei auf der Strecke geblieben. Aus den überzeugten Soulsängerinnen werden umjubelte Discoqueens, aus den selbst genähten Fummeln teure Kostüme, aus den billigen Perücken atemberaubende Prachtexemplare. An den Dreams ist alles nur noch perfekt gestylt, aber nichts mehr echt. Der Preis für ihre atemberaubende Karriere ist sehr hoch.

Kritik

Der Film "Dreamgirls" ist eine geschickt zusammengemischte Erfolgsstory des Motown-Soul mit ein paar Schuss der Konkurrenz aus Memphis als Zutat. Die Dreams stehen für all die wunderbaren Girl-Groups der 1960-er Jahre, angefangen von Martha Reeves & The Vendellas bis hin zu den Supremes. Und James "Thunder" Early ist eine Mischung aus den fetzigen Rock'n'Roll- und Soulstars wie Little Richard, Wilson Pickett, Jerry Lee Lewis und Otis Redding oder Stevie Wonder. Während Effie ganz eindeutig schon allein von der grandiosen Stimme her eine Reinkarnation der sensationellen jungen Aretha Franklin ist.
Die Stimmung in der schwarzen und weißen Musiklandschaft der 1960-er Jahre in Amerika ist sehr gut getroffen. Auch die boshafte Spitze, als irgendein lascher weißer Tranboy eine softige Version von Thunders Hit im Fernsehen singt, ist köstlich und leider sehr wahr. Kaum hatte damals ein schwarzer Sänger einen Hit, wurde er flugs von einer weißen Gruppe nachgesungen und zum wirklich lukrativen "weißen" Hit weichgespült. Auch die arrogante Reserviertheit, mit der das weiße Publikum den Auftritt des schwarzen Thunder Early bedachte, entspricht der Wahrheit.
Ein Großteil der gesamten Geschichte des Films "Dreamgirls" ist die Story von Diana Ross und ihren Supremes. Auch hier sollte die bildschöne Diana als Leadsängerin aufgebaut werden, während Florence Ballard zwar die bessere Sängerin der Supremes war, aber nicht so sexy aussah. Diana bekam den Job und Florence musste 1967 die Gruppe verlassen. Auch die Entwicklung von der souligen Girlgroup namens Supremes zu den eleganten Disco-Queens namens Diana Ross & The Supremes ist in etwa so abgelaufen.

Fazit
Alles in allem ist der Film "Dreamgirls" also eine wahre Geschichte, mit hervorragenden Darstellerinnen und Darstellern, die ihren schwierigen Job als Sänger/Innen und Schauspieler elegant und vorzüglich meistern. Und doch ist einfach ein bisschen zu viel hineingepackt worden, was manchmal etwas Verwirrung stiftet. Die Zeitsprünge sind teilweise so hektisch, dass man einige Zeit braucht, bis man kapiert, wie viel Jahre dann nun inzwischen vergangen sind. Und die Soloeinlagen der Sängerinnen sind manchmal ein bisschen lang und arg anstrengend. Aber für Musikfans und überhaupt Fans schwarzer Musik ist der Film sicherlich interessant und sehenswert. Der Film bekam übrigens acht Oscar-Nominierungen.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 70 %


Land: USA
Jahr: 2006
Laufzeit ca.: 130
Genre: DramaMusik
Verleih: Paramount Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 01.02.2007
Heimkino: 21.06.2007

Regie: Bill Condon
Drehbuch: Tom Eyen • Bill Condon

Schauspieler: Jamie Foxx (Curtis Taylor Jr.) • Beyoncé Knowles (Deena Jones) • Eddie Murphy (James 'Thunder' Early) • Danny Glover (Marty Madison) • Jennifer Hudson (Effie White) • Anika Noni Rose (Lorrell Robinson) • Keith Robinson (C.C. White) • Sharon Leal (Michelle Morris) • Hinton Battle (Wayne) • Mariah Iman Wilson (Magic) • Yvette Cason (May) • Ken Page (Max Washington) • Ralph Louis Harris (M.C.) • Michael-Leon Wooley (Tiny Joe Dixon) • Loretta Devine (Jazz Singer) • John Lithgow (Jerry Harris) • John Krasinski (Sam Walsh)

Produktion: Laurence Mark
Szenenbild: John Myhre
Kostümbild: Sharen Davis
Maskenbild: Shutchai Tym Buacharern
Kamera: Tobias A. Schliessler
Musik: Tom Eyen • Henry Krieger
Schnitt: Virginia Katz


Bild: Paramount Pictures

2 customer reviews

gut
01.02.07
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befriedigend
01.02.07
Deine Bewertung
Na ja, ganz nett. Aber weder der Inhalt noch die Musik reißen mit.
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