Liebe lieber indisch

Kinoplakat Liebe lieber indisch

Eine romantische Komödie, die in einer exotischen Upper Class-Umgebung spielt. Was passiert, wenn heißblütige, indische Schönheiten, den Mann ihres Lebens treffen? Selbstverständlich funkt es, doch Begehren ist eine Sache. Strenge, indische Mütter sind die andere. Und eine echte indische Matrone duldet als Schwiegersohn nur einen reichen Mann, der indischer Abstammung sein muss.

Romantische Komödien sind das Brot-und-Butter-Geschäft der Traumfabriken. Nach ungeschriebenen Gesetzen finden Frau und Mann einander. "Liebe lieber indisch" bildet da keine wirkliche Ausnahme - ist aber eine nette Abwechslung im von Hollywood dominierten Einerlei. Nach ihrem zweiten Spielfilm "Kick it like Beckham" bearbeitete Gurinder Chadha (Drehbuch und Regie) einen Roman von Jane Austen und entwickelte eine Verschmelzung von indischem Bollywood-Charme und westlichen Sehgewohnheiten. Die Handlung ist klassisch. Familie Bakshi ist zwar nicht mit Geld gesegnet, dafür aber mit vier überaus attraktiven Töchtern. Natürlich sollten deren zukünftige Ehemänner nicht nur kultiviert und vermögend sein, sondern auch Inder! Da kommt es Mrs. Bakshi (Nadira Babbar) gelegen, dass bei einer Feier Balraj (Naveen Andrews) als Trauzeuge auftritt. Der indische Geschäftsmann hat es in London zu Besitz und Wohlstand gebracht. In seinem Schlepptau die ausgemergelte, zickige Schwester und sein bester Freund, der amerikanische Geschäftsmann William Darcy (Martin Henderson).

Die beiden gut aussehenden Männer verdrehen den Töchtern der Familie natürlich auf der Stelle den Kopf. Wobei die Schönheiten alles daran setzen, sie mit ihren Reizen für sich einzunehmen. Die Annäherung zwischen Lalita (Aishwarya Rai) und dem Amerikaner verläuft wie der Widerspenstigen Zähmung. Sie setzt den reichen Ausländer wiederholt auf den Topf, indem sie ihn als arrogant und unsozial hinstellt. Ihre Schwester Jaya (Namrata Shirodkar) und Balraj hingegen harmonieren vom ersten Moment an, doch jemand legt ihrer Liebe Steine in den Weg. Es ist nicht Mr. Kohli (Nitin Ganatra), der sich ebenfalls auf Brautschau befindet. Der reiche Steuerberater, der unter anderem für William Darcy arbeitet, möchte unbedingt eine indische Perle nach Los Angeles entführen. Dabei kommt es ihm mehr auf das Äußere an, als auf die inneren Werte. Lalita käme ihm gerade recht, doch die ist viel zu stolz um sich mit einem tölpelhaften Schwätzer einzulassen. Schon gelegener käme ihr der Rucksack-Tourist Johnny Wickham (Daniel Gillies). Der wurde einst von William Darcy unehrenhaft entlassen, was die Vorurteile der Inderin bestärkt. Doch nach etlichen Tänzen, Gesangseinlagen und mehreren Ortswechseln, lösen sich die verwickelten Fäden allmählich auf. Allen Täuschungen, Intrigen und Missverständnissen zum Trotz, finden die Liebenden einander.

Kritik

Dass die Paarungen am Ende fast haargenau so eintreten, wie zu Anfang erwartet, ist ein Merkmal der romantischen Komödie. Der Zuschauer darf mit dem guten Gefühl, es schon die ganze Zeit gewusst zu haben, den Kino-Sessel verlassen. Der Weg ist eben auch in "Liebe lieber indisch" das Ziel. Die Handlung findet nach einem etwas ungelenken Einstieg ihre Form und nimmt an Tempo auf. Die Handschrift von Drehbuch und Regie wird allerdings die gesamte Spielzeit über nicht ganz rund. So bleibt etwa das Geplänkel zwischen der bezaubernden Inderin und dem smarten Amerikaner etwas aufgesetzt. Zu sehr wirkt Lalita, als habe sie ihre Berufung als Sozialpädagogin verfehlt. Zudem verwundert es ein wenig, dass die Töchter den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben, als darauf zu warten, dass endlich der Mann ihrer Träume um ihre Hand anhält. Darüber hinaus erscheinen viele Witze zu gewollt. Die Überdrehtheit schlägt gerne ins Neckische um.

Die darstellerische Leistung ist durchwachsen. Während die Inderinnen durchweg nicht mit Schönheit sondern auch Gesang und Tanz betören, bleibt Martin Henderson (Hart am Limit) belanglos. Ein attraktives Gesicht füllt leider keine Rolle. Was zwischen den energiesprühenden Indern besonders deutlich zum Tragen kommt. Schon besser weiß Daniel Gillies als durchtriebener Verführer zu gefallen.

Gelungen ist die Erfüllung der formalen Bedingungen eines typischen Bollywoodmovies. Der Film erreicht zwar nicht die typische Lauflänge, aber es wird viel gesungen und getanzt, die Farben sind ein Rausch. Dabei kommen nicht nur Männer auf ihre Kosten, wenn Bollywood seine schönsten Frauen vor die Kamera treten lässt - auch die Frauen bekommen viele knackige Waschbrettbäuche zu sehen. Die Film-Musik unterstreicht den Eindruck des Überbordenden und reicht von traditionellen Klängen bis hin zu Popmusik oder einem Gospelchor, der am Strand von Los Angeles, indische Weisen intoniert. Selbstredend ist Indien das einzige Land, in dem sich zu leben lohnt. Die ehemalige Kolonialmacht England muss den einen oder anderen Stich einstecken.

Fazit
"Liebe lieber indisch" ist insgesamt gesehen nicht ganz rund, erfindet das Rad nicht neu, weiß aber mit seinem Anstrich Bollywood zu gefallen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Bride & Prejudice
Land: GroßbritannienUSA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 112
Genre: KomödieKostümMusikRomantik
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 18.08.2005
Heimkino: 05.12.2005

Regie: Gurinder Chadha
Drehbuch: Paul Mayeda Berges • Gurinder Chadha
Literaturvorlage: Jane Austen

Schauspieler: Martin Henderson (William Darcy), Aishwarya Rai (Lalitha Bakshi), Nadira Babbar (Mrs. Bakshi), Anupam Kher (Mr. Bakshi), Naveen Andrews (Balraj Bingley), Namrata Shirodkar (Jaya Bakshi), Daniel Gillies (Johnny Wickham), Indira Varma (Kiran Bingley), Sonali Kulkarni (Chandra Lamba)

Produktion: Gurinder Chadha • Deepak Nayar
Szenenbild: Nick Ellis
Kostümbild: Eduardo Castro • Savinder Kmahil • Ralph Holes
Maskenbild: Pat Hay
Kamera: Santosh Sivan
Musik: Craig Pruess
Schnitt: Justin Krish


Bild: Universum Film

1 customer review

befriedigend
18.08.05
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.