Long Shot

Kinoplakat Long Shot

Wo die Liebe so hinfällt: Etwa zwischen den tollpatschigen Journalisten und die elegante Politikerin. Er ist ein investigativer Journalist, der mit vollem Körpereinsatz recherchiert und dabei seine Gesundheit aufs Spiel setzt. Er kann Erfolge vorweisen und ist trotzdem nicht erwachsen geworden. Als seine Zeitung von einem Medien-Mogul aufgekauft wird, schmeißt er hin und ist arbeitslos.

Sie ist eine erfolgreiche Karrierefrau, bekleidet das Amt der Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika. Weil der amtierende Präsident nicht mehr kandidieren möchte, schlägt sie sich selbst als Kandidatin vor und erhält seine Zusage, sie im Wahlkampf zu unterstützen. Noch bevor sie die Kandidatur offiziell bekannt gibt, beginnt für sie der Wahlkampf, indem sie ein internationales Abkommen zum Klimaschutz aushandelt, dessen Erfolg ihre Karriere beflügeln soll. Weil sie einen besseren Redenschreiber braucht, stellt sie ihn ein.

Fred Flarsky (Seth Rogen) ist fortan bemüht, die Rolle auszufüllen und seine Gefühle für Charlotte Field (Charlize Theron) zu unterdrücken. Sie ist von ihm beeindruckt, weil er sie seit Kindertagen kennt und menschliche Reden für sie schreibt. In einem schwachen Moment kommen sie einander näher. Sehr zum Missfallen von Charlottes Assistentin Maggie Millikin (June Diane Raphael). Die sieht in dem schlecht gekleideten, weichlichen Schreiberling alles andere als den Gatten der ersten Präsidentin. Doch gegen die Liebe ist kein Kraut gewachsen.

Kritik

Die Idee zur Komödie "Long Shot" gefällt. Ein tapsiger Mann versucht eine elegante Frau zu erobern, die in jeder Hinsicht in einer anderen Liga spielt als er selbst. Die Besetzung der Rollen mit Seth Rogen und Charlize Theron wirft jedoch Fragen auf. Wird der auf komische Rollen spezialisierte Rogen neben der Charakterdarstellerin Theron bestehen können? Darauf gibt es eine klare Antwort: Nein, er fällt neben ihr stark ab – auch aus dem Grund, weil er gar nicht versucht zu schauspielern, sondern nur redet. Er zeigt nichts, was glaubwürdig transportiert, dass eine attraktive, erfolgreiche Karrierefrau etwas an diesem spannungslosen Mann findet. Die Handlung geht darum in Ausflüchte. Er erinnert sie an ihre wahre Natur und ihre Überzeugungen. Dafür liebt sie ihn, aber der Umschwung kommt überraschend und als Grundlage für eine Liebe ist das arg dünn. Unglaubwürdig finde ich zudem die Darstellung der Politikerin, die von einem Termin zum nächsten hetzt und zwischenzeitlich einfach aussteigt und sich Polarlichter ansieht oder schnellen Sex hat. Obwohl sie ein Machtmensch ist, sind ihr Liebe und Ehrlichkeit wichtiger als die Karriere. Und ausgerechnet damit gewinnt sie den Wahlkampf! Das ist viel dichterische Freiheit.

Leider zeigt auch Theron wenig von ihrem Können und tritt die meiste Zeit distanziert und verschlossen auf. Schade ist, dass sie viele Szenen eher modelt als schauspielert. Im Zusammenspiel treten Charlize Theron und Seth Rogen nie wie Politikerin und Journalist auf und sprechen auch nicht dementsprechend. Damit ist die Grundlage der Komödie unstimmig. Das ist bedauerlich, weil die Umkehrung des Rollenverhaltens gefällt. Charlize Theron spielt eine Frau, die wie ein Mann kämpft und gewinnt. Seth Rogen gibt einen weichen Mann, der in romantischen Momenten weint und für die Liebe zurücksteckt. Doch die gelungenen Aspekte gleichen das fehlende Fundament nicht aus.

Schade ist weiterhin, dass der Humor so selten Biss hat. Es gibt die bösen Anspielungen, wie die, dass der Präsident der USA von einer Karriere als Filmschauspieler träumt. Darin sieht der ehemalige Fernseh-Schauspieler und jetzige Präsident eine größere Herausforderung als in der Politik. Der Jude Fred sagt bei seinem Besuch in Argentinien sinngemäß, dass es schön ist, mal das Land zu bereisen, in dem die Mörder seiner Großeltern Zuflucht fanden. Daneben stellt die Handlung groben, teils sexistischen Humor, der Geschmackssache ist. Frauen stufen Männer als Sexobjekte herab, Männer betrachten Frauen als Körper und es wird eine verunglückte Bettszene geboten.

Einige Aspekte werden in Deutschland wenig Anklang finden. Beispielsweise die Idee, Charlize Theron sagen zu lassen, dass ihr Bienen nicht nur egal sind, sondern, dass sie keine Bienen mag. Natürlich hat während des Drehs niemand ahnen können, dass es in Bayern im Jahr des Filmstarts ein Volksbegehren unter dem Motto "Rettet die Bienen" geben wird. Aber trotzdem ist es ungeschickt, einer Figur, die als Umweltschützerin punkten will, einen solchen Satz in den Mund zu legen.

Fazit
Aus dem Film mehr hätte werden können. Eine Beziehung zwischen Charlize Theron und Seth Rogen klingt unglaubwürdig und bleibt es. Weniger grober Humor und mehr böse Spitzen täten dem Humor gut. Ein schnelleres Tempo und verbaler Schlagabtausch wären möglich gewesen. Eine gekürzte Fassung böte mehr Tempo.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich
Land: USA
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 125
Genre: KomödieRomantik
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 20.06.2019
Heimkino: -

Regie: Jonathan Levine
Drehbuch: Dan Sterling • Liz Hannah

Schauspieler: Charlize Theron (Charlotte Field) • Seth Rogen (Fred Flarsky) • June Diane Raphael (Maggie Millikin) • O'Shea Jackson Jr (.Lance) • Ravi Patel (Tom) • Bob Odenkirk (President Chambers) • Andy Serkis (Parker Wembley) • Randall Park (Boss) • Tristan D. Lalla (Agent M) • Alexander Skarsgård (Prime Minister James Steward) • Aladeen Tawfeek (Bharath) • Nathan Morris (Nathan Morris)

Produktion: A.J. Dix • Evan Goldberg • Beth Kono • Seth Rogen • Charlize Theron • James Weaver
Szenenbild: Kalina Ivanov
Kostümbild: Mary E. Vogt
Maskenbild: Annick Chartier
Kamera: Yves Bélanger
Musik: Marco Beltrami • Miles Hankins
Schnitt: Melissa Bretherton • Evan Henke


Bild: Studiocanal

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