Tolkien

Kinoplakat Tolkien

Der Name Tolkien lässt augenblicklich an die Werke des Schriftstellers denken. Wozu nicht zuletzt die Verfilmungen des "Herrn der Ringe" beigetragen haben. Wie mag das Leben des Schriftstellers verlaufen sein? Diese spannende Frage möchte der Film "Tolkien" beantworten, der die Entstehung des Epos ausspart.

Die filmische Biografie greift Teile des Lebens heraus, die Tolkien für sein späteres Schreiben geprägt haben könnten oder als Inspiration gedient haben. Als Kind spielt er Ritterspiele in den grünen Hügeln Englands. Erlebt die beginnende Industrialisierung wie den Moloch, in dem die Orks schuften, erfährt am College Kameradschaft und wird geprägt von den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Auch Wagners Oper "Der Ring des Nibelungen" soll Tolkien als Quelle gedient haben. Ausdrücklich behauptet der Film das alles nicht, sondern belässt es bei Andeutungen.

Kritik

Die Produktion stand vor einem Problem: Einem Mann ein Denkmal zu setzen, dessen Werke als Maßstab der Fantasy-Literatur gelten. Also entschieden sie den klassischen Weg der Rückschau zu gehen. Nicolas Hoult spielt den jungen Tolkien, der die Schrecken des Krieges erlebt und im Schützengraben Rückblick auf sein bisheriges Leben hält.

Die Kindheit des späteren Meisters verlief überwiegend unspektakulär, vermittelt der Film und bleibt auch nachfolgend im Ton zu freundlich. Es erstaunt, dass selbst tiefe Einschnitte nur abgehandelt werden. Wenn John Ronald Reuel und sein Bruder im Kindesalter die Mutter verlieren, dann hat das keine Auswirkungen auf die Kinder. Und schon wird der nächste Meilenstein gesetzt: An der Schule findet er Freunde fürs Leben, die Pate gestanden haben könnten für die Gefährten. An der Uni erwacht seine Liebe für Fantasiesprachen und rettet seinen Studienplatz. Das Drehbuch schildert die Vorkommnisse ausgesprochen konventionell und verzichtet auf Markanz. Im Schützengraben macht Tolkien zwar einen leidenden Eindruck, doch wirklich bedrohlich ist der Krieg nicht. Die Regie versucht möglichst gefällig zu sein, um ein breites Publikum anzusprechen und bleibt inhaltlich austauschbar, ist im Fall der frühzeitlichen Karaoke-Darbietung albern.

Die Bilder sind gerne in warmen Tönen gehalten und insgesamt stilsicher. Nur die Requisite und das Szenenbild enttäuschen wiederholt, weil Innenräume wie ein Museum für Heimatkunde aussehen und nicht wie Räume, in denen Menschen leben. Die Tricks, wie etwa die Fantasie-Drachen, gelingen dem Film nicht.

Die Darsteller überzeugen nur bedingt. Nicolas Hoult entfaltet die geringste Ausstrahlung und wirft die Frage auf, warum der schwächste Darsteller die größte Rolle spielt? In der Gegenwart von Lily Collins als Edith läuft er keine Gefahr an die Wand gespielt zu werden. Derek Jacobi in der Rolle von Professor Wright lässt Hoult blass aussehen und hätte in seinem Monolog gebremst werden können.

Fazit
Der Film ist solide und hat das Problem, dass der Name Tolkien untrennbar mit den Werken verbunden ist und man Großes erwartet. Zu sehen gibt es eine Biografie, die mit wenigen Änderungen auch auf andere Menschen passte. Die Führung der Darsteller gelingt Regisseur Dome Karukoski nicht gut: Manche zeigen zu wenig und andere zu viel. Die nette Handschrift, die an die Auenlande erinnert, ist eine Geschmacksfrage. Gelungen ist die Darstellung des Standesdenkens der damaligen Zeit.

Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 111
Genre: Biografie •  DramaKrieg
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 20.06.2019
Heimkino: -

Regie: Dome Karukoski
Drehbuch: David Gleeson • Stephen Beresford

Schauspieler: Nicholas Hoult (J. R. R. Tolkien) • Al Bollands (Soldat) • Kallum Tolkien (Soldat) • Craig Roberts (Private Sam Hodges) • Harry Gilby (J. R. R. Tolkien, jung) • Colm Meaney (Father Francis) • Laura Donnelly (Mabel Tolkien) • Guillermo Bedward (Hilary Tolkien, jung) • Nia Gwynne (Bronwen) • Pam Ferris (Mrs. Faulkner) • Adrian Schiller (English Master) • Derek Jacobi (Professor Wright)

Produktion: Peter Chernin • Jenno Topping • David Ready • Kris Thykier
Szenenbild: Grant Montgomery
Kostümbild: Colleen Kelsall
Maskenbild: Dani Haigh
Kamera: Lasse Frank
Musik: Thomas Newman
Schnitt: Harri Ylönen


Bild: 20th Century Fox

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